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11. Februar 2010, 09:30 Uhr

Robbe macht Elite-Denken für Rituale verantwortlich

Rohe Leber mit Hefe, Alkohol bis zum Erbrechen, Obst im Hintern: Nach Elite hört es sich nicht an, was sich bei den Gebirgsjägern in Mittenwald zugetragen hat. Für den Wehrbeauftragen Reinhold Robbe ist aber der Gruppenzwang der Elite verantwortlich für die absonderlichen Rituale.

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Das "Gefühl, der Elite zugehörig zu sein" ist für Reinhold Robbe Auslöser des neuen Bundeswehr-Skandals© Sasche Schürmann/DDP

Hintergrund der Misshandlungen von Bundeswehrsoldaten wie in Mittenwald ist nach Auffassung des Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, auch der Gruppenzwang in Elite-Einheiten. "Es ist das Gefühl, einer Elite zugehörig zu sein, wie zum Beispiel bei den Gebirgsjägern. Das ist ja auch eine herausfordernde Aufgabe, genauso wie die Fallschirmjäger oder Kampfschwimmer oder andere Elitesoldaten", sagte Robbe im ZDF-"Morgenmagazin". Damit wolle er aber nicht unterstellen, dass es dort auch solche Rituale gebe. "Ich will damit nur sagen, dass es schon herausragende Fähigkeiten von Soldaten sind, die dann natürlich auch ein elitäres Bewusstsein entwickeln."

Einen Zusammenhang zwischen den Vorkommnissen und den häufiger werdenden Auslands- und Kampfeinsätzen sieht Robbe nicht. "Ich kann mir eher vorstellen, dass unter anderem auch das Nichtwissen um die eigentlichen Ziele des Soldatenberufes, das Nichtwissen um ethische Grundlagen des Soldatenberufes, das Prinzip der inneren Führung, Staatsbürger in Uniform, dazu führt, dass so etwas vorkommen kann", meinte er. Es müsse Aufklärung stattfinden und man müsse den Soldaten klarmachen, dass bei diesen Ritualen auch Menschen zu Tode kommen könnten.

Bildungsniveau spielt für Robbe keine Rolle

Auch ein sinkendes Bildungsniveau in der Bundeswehr scheidet für Robbe als Ursache aus. Das zeige gerade der jüngste Fall in der Kaserne in Mittenwald. "Bei dem Prätendent (Anwärter) handelt es sich um einen hochintelligenten jungen Mann. Auch der hat sich von diesem Gruppenzwang beeinflussen lassen", sagte er. Robbe räumte jedoch ein: "Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein Ausbilder, der ein ganz intensives Verhältnis zu seinen untergebenen Rekruten hat, von diesen Dingen nichts gewusst hat."

Mit seiner Aussage wollte sich Robbe nicht auf den konkreten Fall in Mittenwald beziehen: "Der Fall wird überprüft. Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese ganzen Dinge über Jahrzehnte hochgeschaukelt haben." Bei der Einheit im bayerischen Mittenwald sollen Rekruten als Aufnahmeritual in den Hochgebirgsjägerzug unter anderem gezwungen worden sein, bis zum Erbrechen Alkohol zu trinken und rohe Schweineleber zu essen. Vorgesetzte sollen von den entwürdigenden Aufnahmeritualen nichts gewusst haben. Die Staatsanwaltschaft in München prüft, ob ein Anfangsverdacht für Straftaten vorliegt.

AP/DPA
 
 
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