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13. September 2011, 17:48 Uhr

Taliban greifen Diplomatenviertel an

Explosionen und Schüsse in der afghanischen Hauptstadt: Die radikal-islamischen Taliban haben mit Panzerfäusten und Gewehren die US-Botschaft und das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf attackiert.

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban haben am Dienstag das Diplomatenviertel im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul attackiert. Mindestens vier Angreifer verschanzten sich nach Angaben von Augenzeugen in einem im Bau befindlichen Hochhaus und griffen mit Panzerfäusten und Gewehren das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf sowie die US-Botschaft an. Nach offiziellen Angaben starben zwei Zivilisten und vier afghanische Sicherheitskräfte. Diplomaten und Nato-Soldaten kamen nicht zu Schaden.

Auch in anderen Stadtteilen wollten die Taliban zuschlagen. Sicherheitskräfte hätten jedoch weitere Anschläge verhindert, sagte der Kabuler Polizeichef. Insgesamt seien drei mutmaßliche Selbstmordattentäter erschossen worden. In der ganzen Stadt seien die Einsatzkräfte in höchster Alarmbereitschaft.

Anschläge verstärken Zweifel an Abzug

Ein Isaf-Sprecher bestätigte den Angriff. Zwar hätten die schwer bewaffneten Terroristen ungehindert in das Diplomatenviertel vordringen können. Allerdings sei es ihnen nicht gelungen, den massiven Sicherheitsring von US-Botschaft und Isaf-Hauptquartier zu durchbrechen und größeren Schaden anzurichten. Das zeige, dass die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen funktioniert hätten.

Beobachtern stellt sich aber die Frage, ob die afghanische Armee und Polizei ohne jede militärische Unterstützung der Verbündeten für Sicherheit im Land sorgen können. Bis 2014 will die Nato den Kampfeinsatz beenden und einen Großteil ihrer derzeit noch 130.000 Soldaten vom Hindukusch abziehen. Die Afghanen sollen in den kommenden Jahren Schritt für Schritt das Kommando übernehmen.

Neuer Höhepunkt der Gewalt erreicht

Erst vor dreieinhalb Wochen hatte ein Taliban-Kommando das britische Kulturinstitut angegriffen und neun Menschen getötet, darunter zwei Ausländer. Ende Juni hatten Taliban ein Luxushotel attackiert - elf Menschen kamen ums Leben. Im Frühjahr eröffnete ein Attentäter das Feuer auf den Korridoren des Verteidigungsministeriums und erschoss zwei Soldaten. Zu Jahresbeginn starben acht Menschen bei einem Taliban-Angriff auf einen Supermarkt. In anderen Landesteilen gab es ebenfalls spektakuläre Terrorakte mit vielen Toten.

Schon vor Monaten wurde registriert, dass die Taliban immer öfter auf gezielte Angriffe gegen wichtige Ziele oder hochrangige Vertreter von Regierung und Sicherheitsapparat setzen. Auch die Nato attackiert verstärkt die Kommandostrukturen der Aufständischen. Allerdings scheinen die afghanischen Sicherheitskräfte und ihre Verbündeten auch fast zehn Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes keinen Weg gefunden zu haben, um der anhaltenden Bedrohung durch die Taliban und andere Extremisten-Gruppen militärisch Einhalt zu gebieten.

fw/DPA/Reuters
 
 
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