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10. März 2010, 15:39 Uhr

Die Schüler beschuldigen sich gegenseitig

Die alte Frau muss ein Martyrium durchlitten haben. Wahrscheinlich mehrere Stunden lang quälten und misshandelten zwei 13-jährige Jungen die Rentnerin in ihrer Wohnung im Münchner Stadtteil Milbertshofen.

Die alte Frau muss ein Martyrium durchlitten haben. Wahrscheinlich mehrere Stunden lang quälten und misshandelten zwei 13-jährige Jungen die Rentnerin in ihrer Wohnung im Münchner Stadtteil Milbertshofen. Nach den bisherigen Ermittlungen spritzten sie der 83-Jährigen flüssige Würze in die Augen und Rasierschaum in den Mund, sagte Frank Hellwig vom Dezernat für Gewaltdelikte und Jugendkriminalität der Münchner Polizei am Mittwoch.

Sie zwangen sie, eine halbe Flasche Schnaps zu trinken. Als sie sich weigerte, sollen die beiden ihr die Flasche gegen die Zähne gerammt haben und in die Flasche uriniert haben. Schließlich hätten sie die am Boden liegende Frau mit Parfüm bespritzt und mit Füssen getreten. Ob die Rentnerin Spätfolgen an den Augen davontragen wird, konnten die Ärzte noch nicht sagen. Sie habe eine Hornhauterosion und eine Bindehautverletzung erlitten.

Die beiden hätten sich in Vernehmungen gegenseitig beschuldigt. "Sie bestreiten jede Tatbeteiligung und bezichtigen den jeweils anderen", sagte Hellwig. Beide waren dem Jugendamt bereits bekannt, weil sie ausgerissen waren. Durch Gewalttaten seien sie aber bisher nicht aufgefallen. Eine Strafe erwartet sie wegen ihres Alters nicht: "Sie sind strafunmündig und können für ihr Verhalten nicht belangt werden."

Die Rentnerin, die seit Jahren an Demenz leidet, habe keine Aussagen machen wollen. Deshalb gestalteten sich die Ermittlungen schwierig. Die 83-Jährige, um die sich eine Nichte kümmert, war am Mittwoch noch im Krankenhaus. Sie sei aber nicht lebensgefährlich oder sehr schwer verletzt gewesen.

Nur weil einer der Schüler ein schlechtes Gewissen bekam, konnten Polizeibeamte und Retter die völlig verstörte und am Boden liegende Seniorin am Montagabend aus ihrer misslichen Lage befreien und ins Krankenhaus bringen. Der Junge war am Abend zufällig an der Wohnung seines Mitschülers vorbeigegangen, der noch immer nicht zu Hause war. Als dessen Mutter ihn nach ihrem Sohn fragte, erzählte er ihr von den Misshandlungen.

Die Frau rief sofort die Polizei, der Notruf ging gegen 20.30 Uhr ein. Die Details aus dem Überfall stammen laut Hellwig aus den Schilderungen des 13-Jährigen gegenüber der Mutter seines Freundes. Dieser wurde über sein Handy in der Münchner Innenstadt geortet und dort von der Polizei aufgegriffen. Er gilt bisher als Haupttäter.

Der Schüler, der seit früher Kindheit als verhaltensauffällig gilt, hatte für die alte Dame über rund vier Monate gelegentlich gegen ein Entgelt Erledigungen und Einkäufe gemacht. Jedoch gab es schon an Fasching einen Zwischenfall: Aus unklaren Gründen habe der Junge die Frau am Rosenmontag gegen das Bein getreten, so dass sie nur noch unter Schmerzen gehen konnte, sagte Hellwig. Die Frau brach daraufhin den Kontakt mit dem 13-Jährigen ab. Der wurde mittlerweile in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Für den Fall, dass er in ein geschlossenes Heim müsse, hatte er Selbstmordabsichten geäußert.

Sabine Dobel und Laura Hertreiter, DPA
 
 
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