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23. September 2008, 07:38 Uhr

Entführte Urlauber angeblich im Sudan

Das sudanesische Außenministerium weiß angeblich, wo sich die in Ägypten verschleppte Reisegruppe aufhält. Die Geiseln sollen 25 Kilometer von der ägyptischen Grenze im Sudan festgehalten werden.

Hier wurden die Touristen verschleppt: die oberägyptische Stadt Assuan© Picture Alliance

Die Entführer der in Ägypten verschleppten Touristen haben nach Angaben von Behördenvertretern mit der Tötung ihrer Geiseln gedroht. Sollte versucht werden, die Gruppe mit Flugzeugen aufzuspüren, würden die Geiseln umgebracht, teilte der entführte ägyptische Reiseführer seiner deutschen Frau nach diesen Angaben telefonisch mit. Die Anrufe des Mannes seien in den Sudan zurückverfolgt worden, hieß es am Dienstag in Kairo weiter. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen stehen die ägyptischen Behörden im Kontakt zu den Entführern.

Das sudanesische Außenministerium weiß nach eigenen Angaben inzwischen, wo die in Ägypten entführten ausländischen Touristen festgehalten werden. Die Geiselnehmer hielten sich mit der Gruppe im Niemandsland zwischen den Grenzen Ägyptens, Libyens und des Sudan auf, sagte Staatsminister Mutrif Siddig. Es sei aber keine Befreiungsaktion geplant, die die Entführten in Gefahr bringen könne.

Zuvor hatte es immer wieder großes Rätseln um das Schicksal der Gruppe gegeben: Erste Berichte über die Freilassung der Urlauber, zu der auch fünf Deutsche gehören, konnten in der Nacht zum Dienstag weder vom Auswärtigen Amt in Berlin noch vom ägyptischen Außenministerium in Kairo bestätigt werden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte am Rande der UN-Vollversammlung in New York, der Krisenstab des Auswärtigen Amts bemühe sich um die Freilassung der Geiseln. "Sie haben Verständnis, wenn ich aus den Details der Arbeit des Krisenstabes hier nichts berichte", sagte Steinmeier.

Außenministerium geht von Verschleppung aus

Ein Sprecher des Außenamts sagte am Dienstag in Berlin, es gebe keine neuen Erkenntnisse. "Wir gehen nach wie vor von einer Verschleppung aus", sagte ein AA-Sprecher. "Wir sind intensiv bemüht, den Fall zu lösen." Ob mit den Entführern verhandelt wird und ob Lösegeld gezahlt werden soll, wollte er nicht sagen. Zu Details der Bemühungen des Krisenstabes werde grundsätzlich Stillschweigen bewahrt.

Ein Beamter der Provinzverwaltung in der südägyptischen Stadt Assuan sagte am Montagabend, die elf europäischen Touristen und ihre acht ägyptischen Begleiter würden spätestens am Dienstagmorgen in der Stadt Abu Simbel erwartet. Später sagte der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit, der sich am Montag in New York aufhielt, die Entführten seien alle freigekommen und "in guter Verfassung".

Berichte über Freilassung "unbestätigt und ungenau"

Dies wurde kurz darauf von Gheits Sprecher Hossam Zeki widerrufen, der sagte, sein Minister sei falsch zitiert worden. Es gebe noch keine offizielle Bestätigung für die Freilassung der elf Touristen und ihrer ägyptischen Begleiter, betonte Zeki. Alle Berichte über eine Freilassung seien "unbestätigt und ungenau".

Die fünf Deutschen, fünf Italiener, eine Rumänin und ihre acht ägyptischen Begleiter waren am Freitag während einer Wüstensafari in der Region des Gilf al-Kebir von Kriminellen überfallen und verschleppt worden. Behördenvertreter in Assuan erklärten, die elf Safari-Teilnehmer aus Europa und ihre ägyptischen Begleiter hätten versehentlich die Grenze zum Sudan überquert. Dort seien sie von bewaffneten Angehörigen eines Stammes überfallen und ausgeraubt worden. In anderen Berichten war von Lösegeldforderungen zwischen sechs Millionen ägyptischen Pfund (783.000 Euro) und 15 Millionen US-Dollar die Rede gewesen.

Bei den Ägyptern handelt es sich laut Polizei um die Fahrer der vier Geländewagen, mit denen die Reisegruppe unterwegs war, sowie zwei Reiseführer, den Besitzer des ägyptischen Safari-Reiseveranstalters sowie einen Offizier der Armee, der den Touristen als Begleiter zugewiesen worden war. Die ägyptischen Behörden sollen erst von der Entführung erfahren haben, nachdem sich der Besitzer des kleinen Reiseunternehmens telefonisch bei seiner Frau gemeldet hatte.

In die meisten Gebieten Oberägyptens dürfen Touristen nur in Begleitung der Polizei mit dem Auto oder mit dem Bus reisen. Diese Sicherheitsbestimmungen gelten seit den Anschlägen islamistischer Terroristen in Ägypten in den 90er Jahren. Zwischen Luxor, Assuan, dem Roten Meer und Abu Simbel verkehren täglich Touristenkonvois, die von Polizeifahrzeugen eskortiert werden. Für Wüstensafaris in entlegenen Gebieten ist oft eine Sondergenehmigung notwendig.

Das Auswärtige Amt aktualisierte am Montag seine Reisehinweise für Ägypten. Darin heißt es nun unter anderem: "Ausländer, gerade auch deutsche Staatsangehörige, sind einem wachsenden Anschlags- und Entführungsrisiko ausgesetzt. Überlandfahrten im Saharagebiet sind zunehmend mit Risiken behaftet."

Wachstumsmotor Tourismus

Mit zwölf Millionen Besuchern aus aller Welt im vergangenen Jahr gehört der Tourismus in Ägypten zu den wichtigsten Einnahmequellen. Bereits 1869 lotste Thomas Cook die erste Gruppe von britischen Pauschaltouristen zu den Pyramiden. Aber Attentate und Entführungen sorgen in den letzten Jahren immer wieder für schwankende Besucherzahlen: 1997 wurden bei einem Anschlag in der Nähe von Luxor 62 Personen getötet. 2005 explodierten auf der Sinai-Halbinsel in Naama Bay bei der Sharm el Sheikh mehrere Bomben.

Seit drei Jahren boomt der Tourismus in Ägypten wieder. Neben dem Kulturreisen zu den Sehenswürdigkeiten des alten Ägyptens erfreut sich der Badeurlaub am Roten Meer großer Beleibtheit. Ein Aufenthalt in der Touristenhochburg Hurghada wird gerne mit einer Nilkreuzfahrt kombiniert. Nach dem Erfolg des aus dem Boden gestampften Ferienstadt El Gouna entstanden weitere künstliche Badeorte wie Port Ghalib am Roten Meer und der Almaza Bay am Mittelmeer.

Rund eine Millionen deutsche Urlauber pro Jahr in Ägypten

Im Jahre 2007 verzeichnete Ägypten ein Plus von drei Prozent im Tourismus. Aus Deutschland reisten eine Million Gäste ins Land der Pyramiden. Erst seit wenigen Monaten trat Egypt Air dem Verbund der Star Alliance bei. Die nationale Fluggesellschaft Ägyptens profitiert vom touristischen Wachstum und beförderte im letzten Geschäftsjahr bis zum Juli 2008 über 14 Prozent mehr Passagiere.

Die aktuelle Entführung trifft den Tourismus zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Wenn es in Mitteleuropa kalt wird, planen viele Deutsche einen Badeurlaub im wärmen Gefilden. Dabei stehen die Kanaren, Türkei und Ägypten in unmittelbarer Konkurrenz zueinander. Die aktuelle Entführung könnte daher Auswirkungen auf das Buchungsverhalten von Urlaubern haben, bei denen das Thema Sicherheit eine hohe Priorität hat.

joe/tib/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
Gisella (23.09.2008, 12:13 Uhr)
@kiezzabel
-"rund um die welt"-wir oder ich rede- n hier nicht über ehem. Bartträger -das ist fehl am Platz. -Und was auf den Straßen, Plätzen mit betrunkenen Jugendlichen vorsich geht- Koma-Saufen und Trinken ist geil-den Schuh kann sich anziehen , wer will. Haste nicht gelesen, was ich über Amerika geschrieben habe-20 Jahre mal 100.000 milen im Jahr-alles gesehen von Küste zu Küste. Das reicht mir für den Rest meines Lebens.
Administrator (23.09.2008, 12:05 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Ihre Debatte ist off topic gelaufen, so dass wir sie an dieser Stelle jetzt schließen.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Kiezzabel (23.09.2008, 12:02 Uhr)
@ undueberhaupt: viel Spaß auf Usedom ;)
Nach Angaben der Polizeidirektion Anklam ermittelt die Kriminalpolizei seit dem 22. Juli 2008 gleich in zwei Fällen der Körperverletzung, zu denen es in der vorherigen Nacht auf dem Zeltplatz Ückeritz gekommen ist. Die Polizei war von einem in Berlin wohnhaften 18-jährigen Mann darüber informiert worden, dass er von einem Jugendlichen, der mit einer Gruppe von mindestens zehn Personen unterwegs war, geschlagen und im Gesicht verletzt worden sei. Im Zuge der Ermittlungen konnten noch auf dem Zeltplatz vier in Pasewalk wohnhafte 18 bis 22-jährige Jugendliche als Tatverdächtige ermittelt und vorläufig festgenommen werden. Das Opfer hatte sich zuvor mit seinen vier gleichaltrigen Freunden zu den anderen Jugendlichen begeben und sie auf ihre rechtsextremen Parolen und Gesänge (unter anderem “Buchenwald, da machen wir die Juden kalt”) angesprochen.
Weitere Attacke
Die vorläufig Festgenommen hatten Atemalkoholwerte zwischen 1,23 und 1,55 Promille, schreibt die Poizei. Sie stehen zudem im Verdacht, an einer weiteren Körperverletzung beteiligt gewesen zu sein. Ein ebenfalls in Berlin wohnhafter 18-jähriger Jugendlicher befand sich in der Nacht mit zwei Freunden auf dem Weg vom Strand zum Zeltplatz, als sie dort aus einer Gruppe anfangs von ca. 15 Jugendlichen angepöbelt wurden. Später wurde der Geschädigte von fünf Jugendlichen umringt und mit Fäusten geschlagen, wodurch auch er im Gesicht verletzt wurde. Das Opfer war zuvor der Aufforderung, die Musik die er von seinem Handy abspielte zu löschen, nicht nachgekommen.
Kiezzabel (23.09.2008, 11:28 Uhr)
Hey Gisella
nun mal nicht so kleingeistig.
Wenn ich Sie richtig verstehe sind also Reisen nach Afrika, Südamerika, Asien grundsätzlich tabu. Im Prinzip gelten für alle dieser Länder Reisewarnungen (vom WELTWEITEN Sicherheitshinweis des AA hinsichtlich möglicher Terroranschläge mal abgesehen).
Ich war schon mehrfach in Afrika, und auch schonmal in Asien und Südamerika.
Und nun raten sie mal, wo ich das einzige Mal in meinem Leben überfallen worden bin ...
... in Amsterdam, mitten im so sicheren westeuropa.
Und ich bin auch nur einmal in meinem Leben tätlich angegriffen und verletzt worden. Das war in Uelzen/Niedersachsen.
Also Nordeuropa, indbes. Norddeutschland und Holland - eigentlich kann man da nicht hinreisen. Meck-Pomm & Sachsen? Nur mit
Rechtsscheitel und Zweifingerbart ;)
Alles eine Frage der Perspektive. Schönen Tag noch.
Gisella (23.09.2008, 11:19 Uhr)
Entführungen
-unter dem Motto-ach, uns passiert schon nix, fliegen die Deutschen rund um die Welt. Reisefreudig sind wir ja nun mal-oder??? Und dann sind alle überrascht - oh, wir wurden entführt und jetzt aber mal schnell um Hilfe rufen-an alle Mitbürger-bezahlt das Lösegeld-. Soooo nicht. Abwägen was man tut und dann eine RISIKO Versicherung abschließen,ach, nee , die gibt es ja gar nicht- der Staat wird es sowieso richten.wieder was gespart.
nese (23.09.2008, 10:45 Uhr)
@J.Stahl
Schoen, dass Sie sich wieder melden. Sie haben recht, hier ist alles beim Alten, nichts hat sich geaendert. Der Islam ist wieder mal an allem Schuld. Manche Menschen benoetigen halt Suendenboecke.
P.S.: Hat sich Sunnys Prophezeihung erfuellt (ist Ihr Kleines rothaarig)? ;-)
undueberhaupt (23.09.2008, 10:37 Uhr)
Ab in den Urlaub!
Fliegt ihr mal alle in euren Abenteuerurlaub. Ich fahre nach Usedom. Dort fühl ich mich wohl, und brauche mich nicht über irgendwelche ausgeflippte Idioten irgendwelcher Weltreligionen aufzuregen.
AchazIII. (23.09.2008, 09:54 Uhr)
Es hat sich herumgesprochen: Frau Merkel zahlt gut
Immer dann, wenn der sog. "Krisenstab" in Berlin zusammentritt - mittlerweile ein ständig existentes Gremium - weiß man, dass wieder deutsche Steuergelder als Lösegeld in alle Welt fließen.
Das hat sich mittlerweile in den einschlägigen Kreisen herumgesprochen, dass Touristenentführungen Deutscher sich lohnen. Ganze Gangs weltweit planen inzwischen
"German stupid money" ein.
Auch die deutsche Demographie kommt unfreiwillig bei diesen Entführungen zum Vorschein: Meistens sind es gutsituierte Rentner und Pensionäre, die wieder einmal eine Weltreise machen. Die aktuell Berufstätigen müssen mit Riester-Almosen versuchen, ab 67 irgendwann, wenn Gott will, ein paar Rentenbrosamen zu erhaschen.
Man fragt sich, wie dumm diese deutsche Gesellschaft eigentlich ist.
Man kann den Touristen eigentlich nur raten: Bleibt´s dohoam!
Und Frau Merkel: Nicht immer gleich die deutsche Steuerschatulle aufmachen. Sonst hört das nie auf.....auch wenn Schilda in Deutschland liegt.
gaga007 (23.09.2008, 07:42 Uhr)
Der Stern und die Wahrheit !
Das ägyptische Außenministerium hat Berichte über eine Freilassung der in einer entlegenen Wüstenregion Ägyptens verschleppten Deutschen, ihrer Mitreisenden und Begleiter als unbegründet bezeichnet ...
http://nachrichten.t-online.de/c/16/27/42/80/16274280.html
Stern, der Storyteller ...
blackview (23.09.2008, 04:47 Uhr)
Ach ja
Auf die so verfolgte Stahlhaerte hab' ich schon lang gewartet.
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