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11. April 2009, 14:17 Uhr

Nervenkrieg mit somalischen Piraten

Im Golf von Aden überschlagen sich die Ereignisse: Eine Hilfsaktion für die Kidnapper des US-Kapitäns durch die gekaperte "Hansa Stavanger" ist fehlgeschlagen. Weitere Piraten sollen jedoch auf dem Weg zu den Entführern sein, ebenso mehrere somalische Stammesführer. Sie wollen für ein unblutiges Ende des Geiseldramas sorgen.

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Machtdemonstration im Kampf gegen die Piraten: Die US-Marine ist mit zwei Kriegsschiffen mit Hubschraubern an Bord vor Ort© Robert C. Medina/Reuters

Nach der Gefangennahme des US-Kapitäns Richard Phillips durch Piraten haben sich Stammesführer in Somalia als Vermittler angeboten. Die Stammesführer sowie Verwandte der Geiselnehmer wollten sich dafür einsetzen, dass die Entführung ohne Waffengewalt und ohne Lösegeld beendet werde, erklärte Andrew Mwangura vom Seefahrerhilfsprogramm am Samstag in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die Leitung der Vermittlungsmission übernehme Abdi Ali Mohamed, ein in der Region angesehener somalischer Stammeschef.

Die Gruppe habe sich bereits auf den Weg nach Garacad gemacht, einer Piratenhochburg in der halbautonomen Provinz Puntland im Osten Somalias, teilte Mwangura weiter mit. Von dort aus wollten sich die Vermittler in einem Boot dem Rettungsboot nähern, auf dem die Piraten den 53-jährigen Phillips festhalten.

Kompagnons der Kidnapper war es zuvor nicht gelungen, ihren Komplizen mit einem gekaperten deutschen Container-Schiff zur Hilfe zu kommen. "Wir sind wieder an der Küste. Wir haben das Rettungsboot nicht finden können", sagte einer der Piraten an Bord der "Hansa Stavanger" am Samstag. "Wir hätten uns fast verirrt." Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN wurden die Seeräuber durch die US-Kriegsschiffe nahe dem Rettungsboot und deren militärische Überlegenheit abgeschreckt. Die Piraten hätten die "Hansa Stavanger" mit fünf Deutschen und 19 weiteren Besatzungsmitgliedern an Bord wieder zurück in den somalischen Hafen Eyl gesteuert, berichtete CNN unter Berufung auf einen somalischen Journalisten. Die Nachrichtenagentur AP meldet, zwei Kriegsschiffe der US-Marine hätten versucht, den Piraten den Weg zu versperren. Weitere entführte Frachter und sogenannte Mutterschiffe der Seeräuber seien auf dem Weg in die Region.

Ein Anführer der Piraten hatte zuvor angekündigt, der US-Kapitän solle auf ein besser vor der Stürmung durch Sicherheitskräfte geschützes Schiff bei Garacad gebracht werden. Derzeit gebe es bei den Verhandlungen über die Übergabe des Kapitäns gegen Lösegeld "keine neue Entwicklung", sagte der Geiselnehmer am Samstag in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir stecken mit den US-Verantwortlichen immer noch in einer Sackgasse."

Die US-Marine ist mit dem Kriegsschiff "USS Bainbridge" und der Fregatte "USS Halyburton" mit Hubschraubern an Bord vor Ort. Ein drittes Militärschiff, die "USS Boxer", mit zwei dutzend Helikoptern, einem mobilen Krankenhaus und mehr als 1.000 Mann Besatzung ist laut Pentagon auf dem Weg in die Gewässer 500 Kilometer vor der somalischen Küste.

US-Kapitän offenbar unverletzt

Die Piraten haben nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums Kapitän Phillips nach dessen Fluchtversuch gefesselt. Der 53-Jährige hatte am Freitag mit einem Hechtsprung von dem Schiff fliehen wollen. Nach neuesten Angaben folgte ihm jedoch ein Seeräuber und zwang ihn zurück aufs Schiff. Bei der Aktion feuerten die Piraten nach US-Angaben auch Schüsse ab. Phillips werde von seinen Kidnappern an Bord des geschlossenen Fiberglasbootes streng bewacht.

Den Seeräubern dürfte es nicht nur um Lösegeld, sondern vor allem um freies Geleit gehen. Auf dem Rettungsboot ist ihnen das Benzin ausgegangen. FBI-Experten sind in die Verhandlungen mit den Piraten eingeschaltet. Die "Maersk Alabama" war am Mittwoch von Piraten angegriffen worden. Der Mannschaft gelang es jedoch, die Kontrolle über das Schiff zurückzugewinnen. Der Kapitän wurde als einziges Besatzungsmitglied entführt.

Piraten-Geisel von französischen Soldaten getötet?

Nach der gewaltsamen Befreiung des vor Somalia entführten französischen Segelbootes "Tanit" hat Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin unterdessen nicht ausgeschlossen, dass die dabei getötete Geisel durch Schüsse französischer Sicherheitskräfte starb. Angesichts des Feuergefechtes zwischen Piraten und Spezialkräften der französischen Armee am Freitag könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Tod des Mannes durch Schüsse der französischen Seite herbeigeführt worden sei, erklärte Morin am Samstag dem Radiosender Europe 1. Eine Untersuchung des Vorfalls sowie eine Autopsie des Opfers solle Klarheit verschaffen.

Bei dem Todesopfer der Militäraktion handelte es sich um den Besitzer der "Tanit" und den Vater des einzigen Kindes an Bord des Segelbootes. Die vier anderen Geiseln überstanden den Einsatz körperlich unversehrt. Bei der Befreiungsaktion wurden auch zwei Piraten getötet, drei weitere festgenommen.

Die französischen Behörden hatten am Donnerstag zunächst Verhandlungen mit den Piraten aufgenommen. Dabei wurde laut Morin auch Lösegeld geboten. Die Seeräuber hätten aber alle Angebote zurückgewiesen und ihre Drohungen verstärkt. Morin verteidigte den Militäreinsatz nun als "bestmögliche Entscheidung". "Von Natur aus gibt es kein Null-Risiko", fügte er hinzu. Derzeit befindet sich noch ein Dutzend Schiffe mit mehr als 220 Besatzungsmitgliedern in der Hand somalischer Piraten.

mad/DPA/AP/AFP/Reuters
 
 
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