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11. April 2009, 17:58 Uhr

Piraten kapern weiteres Schiff

Die Piraten im Golf von Aden werden immer dreister: Während das Geiseldrama um den US-Kapitän der "Maersk Alabama", Richard Phillips, sich mehr und mehr zuspitzt, hat eine weitere Gruppe von Seeräubern einen Schlepper mit 16 Besatzungsmitgliedern an Bord in ihre Gewalt gebracht.

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Zu weit entfernt, um zu helfen: Das portugiesische Kriegsschiff Corte-Real, hier Anfang April im Hafen von Salalah im Oman, empfing einen Notruf, konnte aber nicht eingreifen© Reuters

Vier Tage nach dem gescheiterten Überfall auf das US-Containerschiff "Maersk Alabama" haben somalische Piraten am Samstag einen italienischen Schlepper gekapert. Zunächst hatte es geheißen, es handele sich um ein amerikanisches Schiff. An Bord der "Buccaneer" (Freibeuter), die der Reederei Micoperi Marine Contractors in Ravenna gehört, sind 16 Besatzungsmitglieder. Dabei soll es sich um zehn Italiener, fünf Rumänen und einen Kroaten handeln. Das Außenministerium in Rom sagte, es werde in dem Fall international abgestimmt vorgegangen. Die italienische Fregatte "Maestrale" soll auf dem Weg in die Krisenregion sein.

Der 75-Meter-Schlepper war Medienberichten zufolge auf dem Weg von Singapur nach Suez, als er am Samstagmorgen im vielbefahrenen Golf von Aden angegriffen wurde. Er habe zwei Lastkähne auf dem Haken gehabt, sagte der Vorsitzende des ostafrikanischen Seefahrerhilfsverbands, Andrew Mwangura. "Der Vorfall zeigt, dass die Piraten immer dreister und gewalttätiger werden", erklärte Mwangura. Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf Schifffahrtskreise meldete, blieb die Besatzung bei dem Überfall unverletzt.

Offiziere an Bord eines portugiesischen Kriegsschiffes berichteten von einem Notruf, den der Schlepper abgesetzt habe. Sechs Minuten später sei die Verbindung jedoch abgebrochen. Die portugiesische Corte-Real sei zu weit entfernt gewesen, um der Schlepper-Besatzung zu Hilfe eilen zu können.

Im fall des Entführten US-Kapitäns Richard Phillips durch Piraten haben sich unterdessen Stammesführer in Somalia als Vermittler angeboten. Die Stammesführer sowie Verwandte der Geiselnehmer wollten sich dafür einsetzen, dass die Geiselnahme ohne Waffengewalt und ohne Lösegeld beendet werde, erklärte Mwangura. Die Leitung der Vermittlungsmission übernehme ein in der Region angesehener somalischer Stammeschef. Die Gruppe habe sich bereits auf den Weg nach Garacad gemacht, einer Piratenhochburg in der halbautonomen Provinz Puntland im Osten Somalias. Von dort aus wollten sich die Vermittler in einem Boot dem Rettungsboot nähern, auf dem die Piraten den 53-jährigen Phillips festhalten.

Kompagnons der Kidnapper war es am Samstag zunächst nicht gelungen, ihren Komplizen mit einem gekaperten deutschen Container-Schiff zur Hilfe zu kommen. "Wir sind wieder an der Küste. Wir haben das Rettungsboot nicht finden können", sagte einer der Piraten an Bord der "Hansa Stavanger" am Samstag. "Wir hätten uns fast verirrt." Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN wurden die Seeräuber durch die US-Kriegsschiffe nahe dem Rettungsboot und deren militärische Überlegenheit abgeschreckt. Die Piraten hätten die "Hansa Stavanger" mit fünf Deutschen und 19 weiteren Besatzungsmitgliedern an Bord wieder zurück in den somalischen Hafen Eyl gesteuert, berichtete CNN unter Berufung auf einen somalischen Journalisten. Die Nachrichtenagentur AP meldet, zwei Kriegsschiffe der US-Marine hätten versucht, den Piraten den Weg zu versperren. Weitere entführte Frachter und sogenannte Mutterschiffe der Seeräuber seien auf dem Weg in die Region.

Die US-Marine ist mit dem Kriegsschiff "USS Bainbridge" und der Fregatte "USS Halyburton" mit Hubschraubern an Bord vor Ort. Ein drittes Militärschiff, die "USS Boxer", mit zwei dutzend Helikoptern, einem mobilen Krankenhaus und mehr als 1.000 Mann Besatzung ist laut Pentagon auf dem Weg in die Gewässer 500 Kilometer vor der somalischen Küste.

Die Piraten haben nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums Kapitän Phillips nach dessen Fluchtversuch gefesselt. Der 53-Jährige hatte am Freitag mit einem Hechtsprung von dem Schiff fliehen wollen. Nach neuesten Angaben folgte ihm jedoch ein Seeräuber und zwang ihn zurück aufs Schiff. Bei der Aktion feuerten die Piraten nach US-Angaben auch Schüsse ab. Phillips werde von seinen Kidnappern an Bord des geschlossenen Fiberglasbootes streng bewacht.

Den Seeräubern dürfte es nicht nur um Lösegeld, sondern vor allem um freies Geleit gehen. Auf dem Rettungsboot ist ihnen das Benzin ausgegangen. FBI-Experten sind in die Verhandlungen mit den Piraten eingeschaltet. Die "Maersk Alabama" war am Mittwoch von Piraten angegriffen worden. Der Mannschaft gelang es jedoch, die Kontrolle über das Schiff zurückzugewinnen. Der Kapitän wurde als einziges Besatzungsmitglied entführt.

Piraten-Geisel von französischen Soldaten getötet?

Nach der gewaltsamen Befreiung des vor Somalia entführten französischen Segelbootes "Tanit" hat Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin unterdessen nicht ausgeschlossen, dass die dabei getötete Geisel durch Schüsse französischer Sicherheitskräfte starb. Angesichts des Feuergefechtes zwischen Piraten und Spezialkräften der französischen Armee am Freitag könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Tod des Mannes durch Schüsse der französischen Seite herbeigeführt worden sei, erklärte Morin dem Radiosender Europe 1. Eine Untersuchung des Vorfalls sowie eine Autopsie des Opfers solle Klarheit verschaffen.

Bei dem Todesopfer der Militäraktion handelte es sich um den Besitzer der "Tanit" und den Vater des einzigen Kindes an Bord des Segelbootes. Die vier anderen Geiseln überstanden den Einsatz körperlich unversehrt. Bei der Befreiungsaktion wurden auch zwei Piraten getötet, drei weitere festgenommen.

mad/DPA/AP/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
notton (13.04.2009, 21:26 Uhr)
@"Gutmensch" Robbespierre
ach was , das versenken von ein paar duzend Schnellbooten und ein paar "Mutterschiffen" fürs erste - und sollte hernach die Piraten-Plage nicht merklich aufhören - das pulverisieren von wenigen Piratennestern an der Küste, soll gleich "Völkermord" sein...;-) ?
Also in den letzten Jahrzehnten haben die Völker sich da unten immer brav selber gemordet - sei es mit Macheten und Hackebeilchen.
Und auf eines können Sie einen lassen : Die westliche Welt, und am wenigsten Amerika will in Somalia ein zweites Afghanistan, nur lässt man sich ungern den Welthandel von ein paar Pimpfen mit der AK47 diktieren!
unglaeubiger (12.04.2009, 13:07 Uhr)
yamoto
die wollen kein schlauchboot, die wollen alles!
unglaeubiger (12.04.2009, 13:04 Uhr)
Wild_at_Heart
"Die Bilder von toten amerikanischen Soldaten die geschändet werden, sind noch zu wach." das war damals eine unorganisierte sache.die amis sinnen auf rache. sie haben alle freigaben und werden die nutzen. dieses mal ist ein großangriff mit allen zu verfügung stehenden mitteln zu erwarten. die piraten und mehr werden einfach ausradiert.
unglaeubiger (12.04.2009, 12:50 Uhr)
Mastergirl
uns,den piraten und den hintermännern soll klar gemacht werden das die GSG9 aktion versemmelt wurde.
so kann man die jungs in position bringen,für den bevorstehenden angriff,
ohne das es auffällt.
mupfeline (12.04.2009, 09:38 Uhr)
Was sind das für Tagträumer hier
die von ausgebeuteten und hungernden Menschen sprechen und von armen Fischern die sich nicht anders zu helfen wissen. Sagt mal, glaubt ihr den Mist den ihr hier absondert? Ist Euch nie in den Sinn gekommen dass Waffen, Schnellboote, technische Ausrüstung usw. - das ALL DAS Geld kostet? Viel Geld? Das damit schon Millionen erpresst wurden? Viele Millionen. Das Erpressung und Piraterie inzwischen ein einträgliches Geschäft sind für Gauner, Diebe, Räuber und Mörder.
Dass jedoch die Matrosen und Arbeiter auf den gekaperten Schiffen naturgemäss ins Hintertreffen geraten müssen da sie ja nicht bewaffnet sind! Sie sind eben nicht für einen Krieg ausgerüstet. Und DAS ist Krieg der dort unten herrscht. Krieg gegen unbewaffnete Seeleute und kleines Fussvolk - denn die Schiffsbesitzer die sind natürlich meist nicht mit auf den Schiffen. Das auch dies zum großen Teil nur kleine Angestellte nd Arbeiter sind die auf den Schiffen arbeiten weil sie ihr Brot verdienen müssen. Und denen geschieht es Recht dass sie gekapert, erpresst und erschossen werden. Schämt Ihr Euch eigentlich nicht in Grund und Boden? Vor lauter Hass auf die Amis oder den Westen solchen geifernden Schwachsinn von armen Piraten abzusondern.
Herr lass Hirn regnen möchte man da nur schreiben - am besten einen ganzen Haufen!
Watschdog39 (12.04.2009, 09:20 Uhr)
@Robbiespierre
Es gibt immer zwei Seiten.
Wenn ein Land und deren Einwohner jahrelang in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand sind und keine Gelegenheit bekommen dies zu ändern muss es böse enden.
Demoralisierte Menschen, sie leben nach dem Gesetz des Stärkeren, werden zusätzlich noch von außen ausgebeutet. Doch statt diese Ausbeuter direkt anzugreifen; es wäre ja auch möglich Fischtrawler aufzubringen, gehen diese Menschen einen ertragreicheren Weg, sie werden kriminell. Und da die Staatengemeinschaft zu lange gezögert hat ist dies regelrecht ausgeartet. (Wenn Kinder Bäh-bäh machen muss man denen sofort die Grenzen zeigen) Dieses wird , dem Aufmarsch nach zu schließen, nun passieren.
Klar werden wieder einige Menschen rum jammern "Die armen Somalier" und "böse Imperialisten" und so ein Blödsinn.
Fakt ist, dieses Land muss von der Völkergemeinschaft eingenommen und dort eine stabile Regierung installiert werden. Das dies primär durch militärische Aktionen und erst sekundär durch Beratung und finanzielle Hilfe geschehen kann dürfte wohl jedem klar sein.
Mastergirl (12.04.2009, 09:09 Uhr)
@yamoto
noch peinlicher ist die Tatsache um das Kompetenz-Gerangel zwischen Innen- und Verteidigungs-Ministerium der Deutschen um die GSG9. Dadurch haben sie sich die Aktion versemmelt.
yamoto (12.04.2009, 09:03 Uhr)
die größte Militärmacht der Welt
bringt es nicht fertig ein Schlauchboot zu stürmen. Peinlich Peinlich.
Malt (12.04.2009, 08:27 Uhr)
Dann...
...sollen se halt Konvois bilden... aber das läßt ja der internationale Warenverkehr wieder nicht zu... es muss ja alles schnell schnell schnell gehen..
Wild_at_Heart (12.04.2009, 07:52 Uhr)
Piraten
tatsächlich würde wohl nur eine Machtdemonstration drakonischem Ausmaßen helfen. Landbombardements, alles was an Schiffen in den Piratenhochburgen angetroffen wird versenken. An einen Landeinsatz größerem Ausmaßen mag ich nicht glauben. Die Bilder von toten amerikanischen Soldaten die geschändet werden, sind noch zu wach. Wenn denen tatsächlich Trawler das Leben schwermachen würden, würde es den Somlis wohl ein leichtes sein, die anzugreifen. Die haben halt eine Supereinnahmequelle für sich entdeckt.
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