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7. April 2009, 15:50 Uhr

Getränkelieferant in Türkei verhaftet

Dritte Festnahme im Fall des Alkohol-Todes dreier Lübecker Schüler: Der Getränkelieferant des Hotels im türkischen Badeort Kemer ist verhaftet worden. Zuvor waren bereits zwei Hotel-Manager festgesetzt worden. Sie sollen den Jugendlichen den mit Methanol gepanschten Schnaps verkauft haben.

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Im Fall der drei an Alkoholvergiftung gestorbenen Lübecker Schüler hat es eine dritte Festnahme gegeben© Colourbox

Im Zusammenhang mit dem Tod von drei Lübecker Schülern in der Türkei hat es eine dritte Festnahme gegeben. Nach Angaben von Frank-Eckard Brand, dem Anwalt der Eltern eines der Jugendlichen, handelt es sich bei dem Festgenommenen um den Getränkelieferanten des Hotels in Kemer, in dem die Schüler nach Aussagen von Mitschülern den tödlichen Schnaps gekauft hatten. Bereits am Montag waren zwei leitende Angestellte des Hotels festgenommen worden, nachdem dort in mehreren Alkoholproben hohe Methanolwerte gefunden worden waren.

Nach dem Getränkelieferanten war in der Türkei mit Haftbefehl gesucht worden, nachdem er zu einer Vernehmung nicht erschienen war und auch an seinem Wohnort nicht angetroffen wurde. Für Mittwoch wurde nach Angaben Brands eine Pressekonferenz der zuständigen türkischen Staatsanwaltschaft erwartet.

Drei Schüler eines privaten Lübecker Bildungszentrums im Alter von 21, 19 und 18 Jahren waren gestorben, nachdem sie auf einer Klassenreise in Kemer giftigen Alkohol getrunken hatten, von dem sie annahmen, es sei Wodka. Den Schnaps hatten sie nach Aussagen von Mitschülern in ihrem Hotel Anatolia Beach gekauft, um eine private Party zu feiern. Der 21-Jährige starb kurz darauf an einer Methanolvergiftung. Seine 19 und 18 Jahre alten Klassenkameraden lagen zwölf Tage im Koma. Am Wochenende stellten die Ärzte in der Lübecker Uniklinik schließlich den Hirntod der jungen Männer fest.

Ihre Obduktion hat nach Angaben der Lübecker Staatsanwaltschaft bislang noch keine endgültige Todesursache ergeben. "Wir gehen davon aus, dass die beiden ebenfalls an einer Methanolvergiftung gestorben sind. Doch letzte Klarheit müssen die weiteren gerichtsmedizinischen Untersuchungen bringen", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Vier weitere Mitglieder der Schülergruppe, die ebenfalls von dem giftigen Alkohol getrunken hatten, konnten das Krankenhaus nach einigen Tagen wieder verlassen. Einer der Jugendlichen berichtete am Dienstag in der "Bild", die Ärzte im Krankenhaus hätten anhand der Symptome - Übelkeit, Schläfrigkeit, Sehstörungen - offenbar sofort auf eine Methanolvergiftung geschlossen. "Ich bekam einen Schlauch in die Nase, dann pumpten sie einen halben Liter Raki in mich rein", sagte der 18-Jährige. Der normale Alkohol führe dazu, dass das Methanol vom Körper einfach ausgeschieden werde, ohne dass giftige Abbauprodukte entstehen, zitierte "Bild" den Hamburger Gerichtsmediziner Klaus Püschel.

Hoteliers befürchten Imageschaden für die Türkei

Am Bildungszentrum Mortzfeld in Lübeck, wo die Schüler sich auf ihren Realschulabschluss vorbereiteten, wollte man die Ermittlungsergebnisse in der Türkei nicht kommentieren. Rechtsanwalt Brand dagegen sagte: "Ich habe erwartet, dass sich in der Türkei etwas tut. Schließlich ist eine schnelle Aufklärung des Falls im Interesse des Landes, um einen Imageschaden zu vermeiden", sagte Brand.

Um Schadensbegrenzung ist auch der türkische Hotelier-Verband (AKTOB) bemüht. Dessen Vorsitzender Sururi Corabatir bedauerte den Tod der drei jungen Deutschen und forderte die Behörden seines Landes zu stärkeren Kontrollen gegen schwarzgebrannten Alkohol auf. "Niemand hat das Recht, wegen ein paar Cent mit der Gesundheit der Menschen zu spielen", sagte Corabatir.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
talkingkraut (09.04.2009, 12:16 Uhr)
AA hätte warnen müssen
Klar konnten die Schüler nicht ahnen, was sie da tranken. Aber wenn Steinmeier in seine Reisewarnungen für die Türkei die Warnung vor diesem Fusel in der Türkei aufgenommen hätte, dann hätten sie gewußt, dass man sich in tödliche Gefahr begibt, wenn man diesen türkischen Fusel trinkt. In der Türkei sind allein im Jahr 2008 18 Menschen durch vergifteten Alkohol gestorben, also muss das AA davor warnen.
Meine Meinung ist, Rafael und seine beiden Mitschüler könnten noch leben, wenn man im AA die Geschäftsinteressen eines Herrn Ögers nicht über das leibliche Wohl deutscher Bürger im Ausland stellen würde.
107Summer (07.04.2009, 18:27 Uhr)
Lehrer = Bauernopfer?
So sieht es aus. Als ob ein Mensch (Lehrer sind auch Menschen) 24 Stunden rund um die Uhr, volljährige Erwachsene vorm Saufen abhalten kann. Und, wir haben alle mal (außer ein paar wenige, perfekte, vollkommene Menschen) mal über den Durst getrunken. Die erwachsenen Schüler sind nicht am Saufen gestorben, sondern weil sie mit Methanol vergiftet wurden. Viele von uns Schreiberlingen währen auch nicht mehr hier, wenn uns dasselbe in unserer Jugend auch wiederfahren währe (Außnahme: Die perfekten, vollkommen und fehlerlosen Menschen).
Deswegen: Aufklärung, das Methanol so giftig ist, war mir vorher auch nicht bekannt. Erschreckend.
NewWorld (07.04.2009, 18:17 Uhr)
@Stefan Augsburg
Bei "echten" Erwachsenen wäre das Medien-Echo garnicht so groß gewesen und dementsprechend auch die empörten Kommentare hier nicht. Und sie selber hacken doch auf den jugendlichen rum, die würden sich einen Dreck um Anweisungen kümmern? Oder war das nur auf diesen Fall hier bezogen? Dann sorry, für mich klang das sehr allgemein...
StefanAugsburg (07.04.2009, 17:30 Uhr)
Zusätze Methanol und Glykol
Ok, sorry, hatte mich in den "Zusätzen" verlesen, das stimmt, Methanol ist definitiv wirkungsvoller. bleibt trotzdem die große Menge an Alkohol, den die erwachsenen Jugendlichen zu sich genommen hatten.
tobix (07.04.2009, 17:09 Uhr)
@StefanAugsburg
Es geht um Methanol, nicht Glykol. Die letale Dosis von Methanol ist geringer.
leboz (07.04.2009, 17:07 Uhr)
ich fordere einfach
Verbot von Klassenfahrten!!!
StefanAugsburg (07.04.2009, 17:01 Uhr)
Arme Jugendliche + hacken ?
@NewWorld - niemand hackt hier auf armen Jugedlichen rum, würden hier "echte" Erwachsene die Opfer sein, würde genauso darüber geschrieben. Es geht halt in dem Fall um genau diesen Fall - und da sind eben Jugendliche die opfer !
StefanAugsburg (07.04.2009, 16:58 Uhr)
bitte ein bisschen halblang....
Freut mich, daß meine "Meinung" soviel kontroverse Postings hervorgerufen hat. Zuerst einmal: auch ich trinke mal einen über den Durst und ich habe einen über den Durst getrunken - damals ! Wer lesen kann, ist also klar im Vorteil, denn da steht Besäufnisse und nicht "einen trinken". Und was "Langweiler" anbelangt, diese Formulierung zeugt nicht gerade von allzu hohen Ansprüchen des Schreibers, denn ohne Alkohol kann man eigentlich auch recht gut einen drauf machen - arm ist der dran, der das nur "mit" kann. Und was das "Pech" der Jugendlichen anbelangt, so war doch bei dem Vorfall eher von einer großen Menge an "Alkohol" die Rede - und nicht von ein paar Schlückchen mit Glykol versetztem Raki oder Wodka. Man erinnere sich an den Weinpanschskandal (in den 70ern oder 80ern, weiss ich nicht mehr genau), sind da reihenweise Leute gestorben? Hier in der Türkei führte wohl der eher exzessive (Mengen-)Genuß dazu, daß die tödliche Vergiftung eintrat - und daran sind die Schüler selbst schuld, soviel steht fest. Arme Schweine, ganz klar, aber selbst schuld am übermäßigen Konsum.
NewWorld (07.04.2009, 16:27 Uhr)
Wenn ich mich nicht irre...
...ist bei einer Klassenfahrt der Lehrer der Verantwortliche und hat eine Aufsichtspflicht seinen Schutzbefohlnen gegenüber, egal ob die Schüler volljährig sind oder nicht. So erzählte es mir zumindest mal ein Lehrer.
Zu prüfen ist, ob der Lehrer mit dem Alkoholverbot seiner Aufsichtspflicht nachkam und ob der Zeitraum, bis er im Zimmer nach dem Verbleib der Schüler gesehen hat, angemessen war.
@StefanA und allen die hier auf den jugendlichen rumhacken: Die alten Saufen genauso, nur da macht die Presse keinen so großen Aufriss, wenn mal wieder ein Alki tot in der Wohnung liegt. Und das kommt deutlich öfter vor, als dass sich irgend ein jungendlicher mit Alk ums leben bringt.
leboz (07.04.2009, 15:58 Uhr)
Jaja, der Lehrer ist der Schuldige
obwohl er Alkoholverbot ausgesprochen hat, die drei außerdem volljährig waren, wird von ihm verlangt,alle Schüler Tag und Nacht und jede Sekunde zu überwachen. Als Lehrer würde ich jede, aber auch jede Klassenfaht völlig ablehnen. Klassenfahrten sind heute doch nur für einen großen Teil der Schüler Fun, wo man so richtig die Sau rauslassen kann. Heutzutage, im Zeitalter der Bali- und Karibikreisen sollte man alle Klassenfahrten streichen: sie sind überflüssig.
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