Im Asbest-Prozess gegen einen früheren Eigentümer und einen Ex-Manager von Eternit-Fabriken sind die beiden Angeklagten am Montag in Italien zu jeweils 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Hunderte Angehörige der Opfer verfolgten die Urteilsverkündung.
Im Asbest-Prozess wegen des Todes von rund 3000 Menschen in Italien sind der frühere Eigentümer der Schweizer Asbest-Herstellerfirma Eternit und ein Ex-Manager von Eternit Italien zu jeweils 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht in Turin befand den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny und den früheren belgischen Eternit-Manager Jean-Louis Marie Ghislain de Cartier de Marchienne am Montag in Abwesenheit für schuldig.
Nach Überzeugung des Gerichts verursachten die Angeklagten eine Umweltkatastrophe und missachteten Sicherheitsregeln in den seinerzeit vier italienischen Eternit-Fabriken; damit seien sie für den Tod von etwa 3000 Menschen in Italien verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft hatte 20 Jahre Gefängnis gefordert. Rund 1500 Angehörige von Opfern, Überlebende und Unterstützer verfolgten die Urteilsverkündung in der norditalienischen Industriestadt.
In italienischen Eternit-Fabriken und umliegenden Ortschaften starben oder erkrankten tausende Arbeiter und Einwohner. Rund 6000 frühere Angestellte, Anwohner und Angehörige von Opfern klagten auf Schadenersatz. Die Fabriken befanden sich in den Orten Casale Monferrato, Cavagnolo und Rubiera im Norden sowie in Bagnoli im Süden des Landes.
Der Prozess in Turin hatte nach mehr als fünfjährigen Ermittlungen im Dezember 2009 begonnen, die beiden Angeklagten waren an keinem der Prozesstage anwesend. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um den größten Prozess, der jemals in der Auseinandersetzung mit der einstigen vermeintlichen Wunderfaser Asbest geführt wurde. Die italienische Niederlassung von Eternit ging 1986 Pleite - sechs Jahre, bevor Asbest in Italien verboten wurde.