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19. Juli 2010, 10:21 Uhr

Arzt muss Patienten nicht an Termine erinnern

Eine Frau verlangte Schmerzensgeld von ihrer Ärztin, weil diese nach einem Verdacht auf Krebs nicht nachdrücklich auf weitere Vorsorgetermine hingewiesen habe. Zu unrecht, urteilte nun das Oberlandesgericht Koblenz: Ein Patient müsse auch für sich selbst Verantwortung tragen.

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Arzt in seiner Praxis: Seine Patienten muss er nicht zwingend an Termine für Untersuchungen erinnern© Marijan Murat/DPA

Ein Arzt ist nicht verpflichtet, einen Patienten an Termine für erneute Vorsorgeuntersuchungen zu erinnern. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz in einem am Montag bekannt gewordenen Urteil entschieden. Es sei überzogen, einem Arzt die Fürsorge für die Wahrnehmung von Vorsorgeuntersuchungen aufzuerlegen. Das gelte auch dann, wenn ein konkreter Verdacht auf eine Erkrankung bestehe.

Das Gericht hob mit seinem Urteil eine Entscheidung des Landgerichts Trier auf und wies die Klage einer Patientin ab. Die Klägerin hatte gegen ihre Frauenärztin Schmerzensgeld in Höhe von 150.000 Euro gefordert. Sie hielt ihr vor, nach einem ersten Verdacht auf eine Krebserkrankung nicht hinreichend auf weitere Vorsorgeuntersuchungen gedrängt zu haben. Das Landgericht sah darin eine Pflichtverletzung und sprach der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 Euro zu.

Allgemeine Hinweise reichen aus

Die Berufung der Ärztin hatte aber Erfolg.: Die Koblenzer Richter befanden, es genüge, wenn ein Arzt auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hinweise. Es sei dann Sache des Patienten, ob, wann und bei wem er die Untersuchungen vornehmen lasse. Eine Nachfrage des bisher behandelnden Arztes könne einen Patienten sogar in Erklärungsnot bringen, wenn er sich beispielsweise für einen anderen Arzt entschieden habe.

DPA/dho
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Roman25 (19.07.2010, 18:47 Uhr)
Ach so ist das...
Und ich dachte, Müllmänner müssten mich auch daran erinnern, die Mülltonnen rauzustellen.

Ich verklage die Stadt !
Stirb_Susi (19.07.2010, 14:01 Uhr)
Amerikanische Verhältnisse
Nicht denken, klagen!
Während man in USA schon so unfähig ist einen Toyota zu fahren - Bremse , Gaspedal ist doch egal wofür - wenn es kracht wird der Hersteller verklagt, nebenbei noch die Katze in der Microwelle getrocknet und den festgestellt, das Kaffee auch heiß ist - ebefalls Klage, ist man hier schon soweit einen Arzt zu verklagen, der einen nicht an einen Termin erinnert. Na ist es denn die Posibility? Hauptsache, die Patientin kann noch alleine aufs Klo gehen.
hosiannarunner (19.07.2010, 13:53 Uhr)
Erstaunlich
Es ist schon wirklich erstaunlich, was sich manche Leute alles ausdenken, um bloß nicht selber für irgendwas verantwortlich zu sein.
Dass ich meinen Arzt dafür zur Verantwortung ziehen will, wenn ich nicht in der Lage oder willens bin, Termine zu vereinbaren, ist schon ein starkes Stück.
Traurig ist - da schließe ich mich einigen Vorrednern an - dass so ein Urteil erst vor dem OLG gefällt wird.
mantrid (19.07.2010, 12:17 Uhr)
Kopfschütteln
Mich wundert, dass sich überhaupt ein Gericht mit diesem Fall beschäftigt hat. Die Klage hätten nicht einmal angenommen werden dürfen. Kein Wunder, dass die Justiz überlastet ist.
Shik (19.07.2010, 12:01 Uhr)
...
Absolut richtiges Urteil!
Auf der einen Seite beschweren sich die Leute zurecht über zuviel Bevormundung und auf der anderen Seite wollen sie dann nichtmal die Verantwortung für das vereinbaren und einhalten von Arzt Terminen übernehmen obwohl der Arzt auf dessen Notwendigkeit hingewiesen hat?

Das einzig Traurige dabei ist, dass dieses Urteil was für mich kaum offensichtlicher sein könnte erst durch das OLG gefasst werden musste, weil das LG scheinbar dazu nicht in der Lage war!
undjetztnochder (19.07.2010, 11:50 Uhr)
Gutes Urteil gegen Vollkaskomentalität
Grundidee: jeder ist für seine Gesundheit zunächst einmal selbst verantwortlich. Auch ob, wann und zu welchem Arzt er geht. Und wenn die Ärztin im vorliegenden Fall sogar Kontrollen empfohlen hatte, ohne " darauf zu drängen", hat sie als Fachfrau alles richtig gemacht und die Entscheidung dahin verlagert, wo sie hin gehört: beim Patienten. Ein schwarzer Tag für alle, die stets andere für eigene Fehlentscheidungen verantwortlich machen wollen. Dennoch tut mir die Patientin leid, aber entweder gab es ein Kommunikationsproblem, oder sie hat die Sache nicht ernst genommen.
bR4iNST0RM (19.07.2010, 11:30 Uhr)
Dafür bedarf es einen Richter?!
Die Welt ist krank und braucht mehr als nur einen Arzt! Das ist doch ein Selbstgänger, dass ich mich als Patient um die Termine kümmern MUSS! Ein Arzt hilft, wenn man zu ihm geht, nicht weil er hellseherische Kräfte hat und den Termin macht, in dem er den Patienten anruft, weil er schlimmeres ahnt! So ein Schwachsinn anzunehmen, dass ein Arzt der persönlich Lakai ist und gefälligst die Termine von ihr im Auge haben muss!!
Die Patientin kann sich glücklich schätzen, dass sie nicht noch das Atmen vergisst.
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