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Stoiber fordert Absetzung von "Hass-Film"

Der türkische Irakkriegs-Film "Tal der Wölfe" hat in Deutschland eine heftige Debatte ausgelöst: CSU-Chef Stoiber forderte die sofortige Absetzung, SPD-Politiker sehen darin eine Zensur.

Gegen den türkischen Action-Film "Tal der Wölfe" regt sich in Deutschland Protest: Mit scharfen Worten haben deutsche Politiker am Wochenende die Absetzung des Streifens gefordert. "Ich fordere die Kinobetreiber in Deutschland auf, diesen rassistischen und antiwestlichen Hass-Film sofort abzusetzen", sagte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) in der "Bild am Sonntag". Diesem Appell schloss sich auch der Innenminister Baden-Württembergs, Heribert Rech (CDU), an. "Der Film schürt antisemitische und antiamerikanische Ressentiments, spaltet Kulturen und radikalisiert vor allen Dingen türkische Jugendliche", sagte der Minister.

Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Franz Maget sei eine Zensur, wie sie Stoiber fordere, der falsche Weg. Gefragt seien nicht Unterdrückung von Meinungsfreiheit, sondern "die offene Auseinandersetzung und der Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen", sagte Maget. Die Politik der Regierung Bush liefere leider allen Anlass zu Kritik. Foltergefängnisse und Militärschläge ohne UNO-Mandat hätten Amerikas moralische Position weltweit und insbesondere in der islamischen Welt geschwächt. Dennoch sei das Aufstacheln zu Amerika- Hass der falsche Weg. Auch muslimische Kulturschaffende müssten sich vor einem Krieg der Kulturen hüten.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland appellierte an alle Kinobesitzer, den Film sofort abzusetzen. Wer den Film zeige, unterstütze den Hass auf jüdische Menschen, wird Zentralrats- Vizepräsidentin Charlotte Knobloch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert. "Tal der Wölfe" läuft seit anderthalb Wochen in deutschen Kinos. In dem Film geht es um die Verschleppung türkischer Soldaten durch amerikanische Elitetruppen im Nordirak. Im Film rächt sich ein türkischer «Rambo» an den Amerikanern.

Jugendfreigabe soll am Montag fallen

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) will zunächst die Jugendfreigabe des Films kippen. Am Montag werde er einen entsprechenden Antrag beim Appellationsausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) der Filmwirtschaft stellen, sagte Laschet. Damit bestätigte er einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Die FSK selbst hatte den Film zunächst erst ab 18 freigegeben. Nach dem Einspruch des türkischen Filmverleihs musste sie die Altersbegrenzung jedoch auf 16 Jahre senken.

Bereits 200.000 Kinobesucher

Der Film, den in Deutschland in den ersten zehn Tagen mehr als 200.000 überwiegend jugendliche deutsch-türkische Zuschauer sahen, zeige viele Gewaltszenen in Nahaufnahmen, kritisierte Laschet. Es werde unter anderem gezeigt, wie sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprenge und einem Gefangenem bei lebendigem Leib Organe entnommen würden. "Ich denke, dass das erste Votum der FSK gerechtfertigt war", sagte der Minister.

"Unabhängig von der Überprüfung der Altersgrenze muss eine politische Debatte über den Film stattfinden", forderte Laschet. In dem Streifen werde ein christlich-jüdischer Feldzug gegen die Muslime dargestellt. Dies könne auf Jugendliche sozial desorientierend wirken, sagte der Minister. Der Film schüre Hass und entfremde die Religionen.

Unterdessen forderte Bayerns Ministerpräsident Stoiber die Türkei zu einer klaren Stellungnahme auf: "Nach der positiven mäßigenden Rolle der türkischen Regierung zu den Mohammed-Karikaturen wäre auch jetzt zu diesem antiwestlichen Hass-Film ein klares Wort notwendig", sagte er der "Bild am Sonntag".

DPA/DPA
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