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Weiblich, ledig, 80 Hektar, sucht

Sie sind gestandene Frauen. Sie bewirtschaften große Höfe, fahren Trecker und helfen auch mal nachts um vier einem Kalb auf die Welt. Alles bestens. Nur den richtigen Mann finden junge Bäuerinnen oft nicht. Und das liegt nicht an ihnen.

Von Anette Lache

  • Anette Lache

Sie sieht aus wie die Bäuerin aus der Buttermilch-Werbung: schöne Haut, schöne Haare, makellose Zähne, flacher Bauch. Alles Natur. Sie wäre in der Rolle genauso überzeugend wie Rudi Assauer in seinen Bier-Spots.

Carolin Beering ist tatsächlich Landwirtin. Auf einem Hof in Ostfriesland, mit 100 Milchkühen und 126 Hektar Land. Sie liebt diese Arbeit, lebt für sie. Hinterfragt nie, ob es sich lohnt, für 1300 Euro im Monat sieben Tage die Woche in Gummistiefeln im Stall zu stehen, in Kuhfladen, zwischen rülpsenden Kühen, die auch noch Helga oder Hannelore heißen. "Milchviehwirtschaft ist einfach mein Ding", sagt sie. Eine "fachlich kompetente Kuhliebhaberin" nennt sie sich.

Jan Janssen, ihr Chef, fährt gut mit ihrer Begeisterung: Die taffe Landwirtschaftsmeisterin schmeißt den Hof schon mal für eine Woche allein, wenn der Chef und Hofbesitzer mit seiner Familie in den Urlaub fährt. Carolin, allein unter Kühen? Kein Problem. Als Herdenmanagerin auf zwei riesigen Milchfarmen in Kanada hat sie genügend Wissen gesammelt.

Klare Vorstellungen vom Traummann

Nur mit Männern hat sie nicht so viel Erfahrung. Ein paar Affären gab es schon, sagt sie, auch in Kanada, aber bisher noch keine längere Beziehung. "Vielleicht, weil mir meine Freiheit - zumindest bis vor einiger Zeit - wichtiger gewesen ist. Ein Psychologe hätte das vielleicht Bindungsangst genannt." Ihre Freunde haben eine andere Erklärung für ihr Single-Dasein: "Sie sagen, ich sei zu anspruchsvoll, suche die karierten Maiglöckchen."

Carolin sucht, aber nicht verzweifelt. Schließlich ist sie erst 25. Aber schon jetzt merkt sie: "Einfach ist es nicht, als Landwirtin einen Mann fürs Leben zu finden. Ich liebe meinen Beruf, letztlich ist er eine Lebensform. Und die müsste mein Partner akzeptieren. Das ist nichts für Agrarromantiker. Die Kühe müssen sieben Tage die Woche zweimal täglich gemolken werden, das ist nun mal so. Milchviehwirtschaft ist mehr als Kühestreicheln und Melken, wie das im Fernsehen bei ‚Bauer sucht Frau‘ vermittelt wird." Und wäre ihr Mann auch Landwirt, dann dürfte er vor allem eines nicht: "Versuchen, mich auf Küche, Kinder und Buchhaltung zu reduzieren, wie das heute immer noch viele Bauern mit ihren Frauen machen."

Moderne Landwirtinnen wie Carolin sind gut ausgebildet, klug, selbstbewusst, haben Fachhochschulreife oder Abitur, waren im Ausland. Sie wollen folglich nicht den Langweiler, den Bierdimpfel, der jenseits seiner Äcker gerade mal die nächste Kreisstadt kennt. Moderne Landwirtinnen wollen gleichberechtigt im Betrieb arbeiten, mitentscheiden, Verantwortung tragen. Sie wissen, wie man Maschinen, Tiere und Menschen betriebswirtschaftlich optimal einsetzt, Ackerbau betreibt, Mitarbeiter und Bücher führt, Kühe mit tiefgekühltem Bullensperma besamt und hart mit Viehhändlern verhandelt. Was die Männer können, können sie auch. Warum also sollten sie nur Marmelade im Hofladen verkaufen?

In Frauenhand

Birgit Groth hatte vor ein paar Jahren mal so einen "jungen Landwirt vom alten Schlag" zwei Jahre lang an ihrer Seite. "Obwohl er erst Anfang 20 war, hat er nicht begriffen, dass man einen Hof partnerschaftlich bewirtschaften kann oder eine Landwirtin einen Hof heute selbstverständlich auch alleine führen kann." Genau das macht die 26-Jährige aus Garding in Nordfriesland. Rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden heute von Frauen geführt.

Schon mit 25 bekam Birgit Groth den Hof von ihren Eltern überschrieben. Selbstbewusst krempelte sie das Unternehmen um, schaffte die Milchkühe ab und setzt seither auf Kälberaufzucht und plant den Einsatz erneuerbarer Energien. "Die Kinderstation" nennt sie ihren modernen Stall mit Platz für 100 Kälbchen. Und ist erfolgreich damit. Zweites Standbein der Jungunternehmerin ist der Ferienhof. Außerdem bewirtschaftet sie noch 80 Hektar Land.

"Mein Partner müsste dennoch nicht zwingend den Betrieb mit mir führen", sagt sie. Aber er müsste natürlich hier leben. Und wenn er Landwirt wäre: umso besser. "Dann müssten wir allerdings den Betrieb erweitern und die Anzahl der Kälber erhöhen, damit wir beide davon leben können." Womöglich ist ihr schöner Hof mehr Handicap als hilfreich bei der Suche nach dem Mann für immer. Eingeheiratet wurde schließlich über Jahrhunderte fast nur umgekehrt. Ein Landwirt in der Rolle des Prinzgemahls? So viel Moderne erträgt der Bauer noch nicht.

Eingeschränkte Auswahl

Von ihrem Traummann hat Birgit Groth ansonsten eine klare Vorstellung: Stark, selbstbewusst und klug muss er sein, mit eigenen Zielen. Und redegewandt. Es darf kein Mann sein, der "Moin" sagt und dann stundenlang nichts mehr. Keiner, der sich nur über Trecker, Maschinen und Viehpreise unterhalten will. Was die Auswahl auf Eiderstedt, wo sie lebt, womöglich etwas einschränkt.

Beruf- und Privatleben sind auf einem Hof nicht wirklich voneinander zu trennen. Abgesehen davon, dass den Landwirtinnen für Privates sowieso nicht viel Zeit bleibt. Auf 70 bis 80 Arbeitsstunden in der Woche kommen Birgit Groth und Carolin Beering - außer in den Wintermonaten. Das Füttern der Kälber oder Kühe, ihre Pflege und die sonstigen Stallarbeiten sind nur ein Bruchteil der Arbeit. "Es gibt noch tausend andere Dinge zu tun", sagt Carolin Beering: Gras mähen, Heu wenden, pflügen, Gülle fahren, den Mais und das andere Getreide spritzen, ernten, Zäune aufstellen und reparieren. "Und das ist immer noch nicht alles." 40 Prozent seien inzwischen nervige Büroarbeit. Alles muss detailliert dokumentiert werden: die eingesetzten Arzneimittel, die Düngung, der An- und Verkauf von Tieren, die Besamung. Jeder kann jetzt nachlesen: Zuletzt kam das tiefgekühlte Sperma des Bullen "Chianti" zum Einsatz. Kuh Annabell war die Glückliche.

Urlaub machen die Bäuerinnen allenfalls mal eine Woche und auch nicht jedes Jahr. Und morgens mal mit dem Partner länger im Bett bleiben? Geht nicht. Die Kühe haben ihren Rhythmus. Mist für jede Partnerschaft.

Als potenzieller Partner unbeliebt

Zumindest Männer, die in der Stadt leben, zieht es nicht zu den hart arbeitenden Frauen aufs Land. Eine Umfrage der Internet-Partnerbörse "Parship" unter Münchner Männern ergab: 30 Prozent der Männer hätten am liebsten eine Ärztin als Partnerin - und nur zwei Prozent eine Landwirtin.

Moderne Landwirtinnen scheitern mit ihren Beziehungen aber manchmal auch an ihren potenziellen Schwiegermüttern, die häufig mit unter dem Hofdach leben und ihre Söhne anderen Frauen nicht überlassen wollen. Oder aber sie treffen auf Landwirte, die vor allem eine Arbeitshilfe suchen, um die Mutter zu ersetzen, die bisher die vergilbten Gardinen zurechtgezurrt und die Metzelsupp' mit Blut- und Leberwürsten gekocht hat und auf einmal sagt: "Ewig leb ich auch nicht mehr."

Überholtes Frauenbild

Carolin Beering hat sich kürzlich im Fernsehen die neuen Singles der nächsten Staffel von "Bauer sucht Frau" angeschaut. Ein junger Kandidat lebt sogar in allernächster Nähe, nur ein paar Kuhweiden und Kartoffelacker weiter. "Er stylt seine Kühe, rasiert Herzen ins Kuhfell und träumt von einer sexy Frau, die ihm Kuchen backt. Dann bleibe ich doch lieber allein", befindet die Ostfriesin. Genauso wenig infrage käme für sie Kandidat Josef, der abends einsam im Chiemgau Tiefkühlkost isst und unbedingt eine "frische, fromme Frau" will, "die sauber daherkommt". Oder der schwäbische Rinderwirt Dieter, der eine Stimme wie Günter Oettinger hat und von einem Hofleben mit Frau und süßen Pfannkuchen träumt. "Die sollten dringend ihr Frauenbild überarbeiten."

Nach einem drei Monate währenden Versuch, über das Internet-Verkuppelungsportal Landflirt.de einen Mann "für Herz und Heu" zu finden - wie "Bauer sucht Frau"-Moderatorin Inka Bause das jetzt vermutlich formuliert hätte -, weiß Carolin Beering, dass noch weitere seltsame Exemplare einsam auf deutschen Höfen sitzen. Fast 160 Männer schickten der attraktiven Landwirtin Mails. "Ich bin der Konrad, 37 Jahre alt, 1,83 Meter, habe schwarze kurze Haare und noch einiges mehr …", schrieb ein kontaktfreudiger Junggeselle aus dem fränkischen Hinterland - und ließ offen, ob er damit seinen Rindviecher-Bestand meinte. Und Bauer Retty versprach ihr "ein Stück DNA mit ungeahnten Möglichkeiten". Auch Retty wird wohl noch lange allein bleiben.

Birgit Groth fängt allmählich an, sich jetzt auch in anderen Branchen umzusehen. "Zimmermänner", sagt sie, "sehen fast alle sehr gut aus. Und die haben auch noch was von der Welt gesehen."

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