HOME

Bischöfe dürfen schwul sein - gedanklich

Kuriose Regelung in Großbritanniens Anglikanischer Kirche: Der Erzbischof von Canterbury sagt, Schwule könnten auch Bischof werden - wenn sie enthaltsam leben. Für Heterosexuelle gilt das nicht.

In der anglikanischen Kirche von England sollen künftig auch Homosexuelle zum Bischof ernannt werden können. Das sagte der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, in einem Interview mit der "Times". Williams ist geistliches Oberhaupt der Kirche, weltliches Oberhaupt ist Queen Elizabeth II.

In der Church of England gibt es seit langer Zeit eine Diskussion darüber, wie mit homosexuellen Priestern umgegangen werden soll. Williams sagte, er habe kein Problem damit, wenn Homosexuelle auch Bischöfe werden. Das dürfte die Spaltung der anglikanischen Kirche in einen orthodoxen Teil, der zum Katholizismus tendiert, und einen modernen Teil weiter befördern. Papst Benedikt XVI. war kürzlich zu Besuch auf der Insel, auch zu Gesprächen mit Williams.

Schwule Bischöfe dürfen nicht "aktiv" sein

Für homosexuelle Kleriker müsse aber Ehelosigkeit gelten. "Tradition und Standards" des Bischofsamtes erlaubten es nicht, die Homosexualität im Amt auch "aktiv auszuleben". "Der Preis für die Kirche wäre untragbar hoch." Heterosexuelle Beziehungen sind für Geistliche der Kirche dagegen möglich.

Der Kirche von England gehören rund 25 Millionen Gläubige an. Sie ist Mutterkirche der anglikanischen Gemeinschaft mit weltweit 77 Millionen Gläubigen. In den 1990er Jahren hatte die englische Staatskirche einen Kurs der Öffnung eingeschlagen. 1994 wurde die Priesterweihe für Frauen möglich. 2008 folgte ein Vorstoß für Frauen im Bischofsamt. Eine Bischöfin wurde bisher aber nicht geweiht.

red/DPA/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren