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Als sich plötzlich Hunderte nach Spaghetti-Bäumen erkundigten

Schabernack und Schadenfreude: Am 1. April schicken sich Menschen kreativ aufs Glatteis. Woher kommt der Brauch des Aprilscherzes eigentlich? Und was sorgte in den vergangenen Jahrzehnten für besonders viel Aufsehen?

Aprilscherz -  1. April - Brauch

Veräppeln am 1. April: Der Brauch des Aprilscherzes hat in vielen Kulturen Tradition

An diesem Samstag ist es wieder soweit: Weltweit versuchen sich Menschen gegenseitig mit aufs Kreuz zu legen. Zumindest in Deutschland größtenteils mit Erfolg. Wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, sind hierzulande sieben von zehn Personen schon einmal auf einen Aprilscherz hereingefallen. Jeder Zehnte plant der Studie zufolge in diesem Jahr, jemanden am 1. April zu veräppeln. Die meisten, 66 Prozent, wollen einen Menschen aus ihrer Familie foppen. 60 Prozent wollen auch einen Freund oder Bekannten in den April schicken, 29 Prozent wollen sich das auch unter Arbeitskollegen herausnehmen.

Doch woher stammt die Idee des Aprilscherzes überhaupt? Fragen und Antworten zur Tradition am 1. April:

Woher kommt der in vielen Kulturen verwurzelte Brauch?

So genau weiß das niemand. In Deutschland erstmals bezeugt wurden Aprilscherze wohl schon 1618 in Bayern. Geht es jedoch um den exakten historischen Ursprung, so scheiden sich die Geister. Eine beliebte Entstehungstheorie geht auf die Kalenderreform des französischen Königs Karl IX. zurück. Der verlegte den Neujahrstag 1564 vom 1. April auf den 1. Januar. Witzbolde verschickten ihre Einladungen zu Neujahrsfeiern angeblich trotzdem weiterhin zum 1. April. Wer darauf reinfiel, wurde verspottet. Möglicherweise begann der Brauch aber auch schon in antiker Zeit mit den römischen Feiern zu Ehren des Gottes Quirinus. Die sogenannten Quirinalien galten als Fest der Dummen und Narren. Im römischen Kalender fielen sie zwar auf den 17. Februar, Kalenderreformen bewirkten aber möglicherweise seine Verschiebung auf den 1. April.

Welche Aprilscherze sorgten in den Medien für viel Aufsehen?

Ein besonderes mediales Verwirrspiel lieferte 1957 die altehrwürdige britische BBC und zeigte Bilder von der Spaghetti-Ernte im schweizerischen Tessin. Mit Erfolg: Hunderte fragten damals nach, wo denn die hübschen Bäumchen, an denen Nudeln wachsen, zu kaufen seien. 2008 machte der Sender mit fliegenden Pinguinen Furore: Millionen sahen sich das zum Teil computeranimierte Video im Internet an. Voriges Jahr sorgte die ARD für Schmunzeln: "Tatort"- und Kinostar Til Schweiger solle eine Woche lang die Nachtausgabe der "Tagesschau" moderieren, hieß es auf der ARD-Aktuell-Website. Schweiger, der zum Nuscheln neigt, profitiere künftig "von der besseren Artikulation".

Und was ist los, wenn Aprilscherze nach hinten losgehen?

Dann ist Chaos meist programmiert. So stoppten Hunderte Autofahrer 1989 bei London mitten auf der Autobahn, um ein angebliches UFO zu beobachten. Doch es war nur Richard Branson, Chef des Musikkonzerns Virgin, der mit einem Heißluftballon in Form eines Suppentellers unterwegs war - im "Marsmenschenkostüm". Die Polizei jedenfalls war über den Aprilscherz "not amused". Eher genervt waren am 1. April 2011 auch die Mitarbeiter des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg. Um das Image des KBA aufzupolieren, würden Verkehrssündern per Lotterie Punkte erlassen, hatten bundesweit Dutzende Radiosender gemeldet. Die Telefone im Bundesamt klingelten pausenlos.


mod/DPA

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