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Holt die Elite in die Klassenzimmer

Lehrer haben einen schweren und wichtigen Beruf. Doch in ihrer Auswahl und Ausbildung liegt das Hauptproblem des kränkelnden deutschen Schulwesens. Dabei sollten nur die Besten in Klassenräumen unterrichten dürfen - und dafür nach Leistung und nicht nach Beamtentarifen bezahlt werden.

Ein Kommentar von Catrin Boldebuck

Lehrer haben eine wichtige pädagogische Aufgabe zu erfüllen

Lehrer haben eine wichtige pädagogische Aufgabe zu erfüllen

Lehrer haben einen der schönsten und wichtigsten Berufe. Sie formen junge Menschen. Sie stoßen ihnen das Tor zu neuen Welten auf. Sie entscheiden ob Primzahlen schillern oder Angst einjagen, Hannibals Feldzug zum Abenteuer-Trip wird oder eine verstaubte Legende bleibt. Lehrer haben einen anstrengenden Job. Es ist keine leichte Aufgabe, 25 bis 30 Kinder einzeln zu fördern, alle 45 Minuten vor eine neue Klasse hin zu treten. Lehrer machen nicht irgendeinen Job wie in der Schraubenfabrik. Sie haben viel Verantwortung. Denn Lehrer verteilen Chancen: Sie entscheiden, wer Abitur macht, wer es zu etwas bringt und wer nicht. Das kann nicht jeder.

Aber in Deutschland kann jeder Lehrer werden, der ein mittelmäßiges Abitur hat. Für ein Viertel der angehenden Pädagogen ist der Beruf nur eine Verlegenheitslösung. Das zeigt eine Langzeitstudie des Erziehungswissenschaftlers Udo Rauin von der Universität Frankfurt. Viele Junglehrer stellen erst während des Referendariats fest: "Der Job ist nichts für mich."

Zu wenig gute Lehrer

Denn die brutale Wahrheit ist: In Deutschland gibt es zu wenig gute Lehrer. Aber wir diskutieren nicht über das Personal an den Schulen, wir doktern lieber an den Strukturen herum. In Hamburg streiten Lehrer, Eltern und Schüler über die Einführung der Primarschule bis 2010, Schleswig-Holstein schafft die Hauptschule ab. Alle Bundesländer verkürzen die Zeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre. Doch es ist nicht entscheidend, ob Schüler ein Jahr länger oder kürzer zur Schule gehen. Wichtig ist, wie sie unterrichtet werden. Wie gut die Pädagogen sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel war auf Bildungsreise - im eigenen Land. Sie besuchte 13 Kitas, Schulen, Betriebe und Universitäten. Aber kaum ein Wort zum Kernproblem: den Lehrern. In einem Beschluss des Bundesvorstands der CDU aus der vergangen Woche heißt es: "Der Lehrerberuf verdient mehr Respekt und Anerkennung." Eine Exzellenzinitiative "Lehrerbildung" soll helfen, die besten Ausbildungskonzepte an deutschen Hochschulen weiter zu entwickeln. Konkrete Maßnahmen? Fehlanzeige.

Das Problem beginnt bereits bei der Auswahl. Lehrer müssen handverlesen werden. Nur die Besten sollten zum Studium zugelassen werden. Dazu müssen Tests eingeführt werden, bei denen es vor allem auf Pädagogik ankommt und nicht auf Fachwissen.Wie das funktioniert kann man bei den Finnen abkucken. In Finnland sind die Schüler vor allem deshalb so gut, weil ihre Lehrer gut sind. Die Auswahl der Lehrer ist hart und gefürchtet: Nur jeder zehnte Bewerber besteht die drei Tests, bei denen sich alles um Pädagogik dreht.

Gute Lehrer sorgen dafür, dass jedes Kind in seinem Tempo lernt. Damit kein Kind mehr zurück bleibt. Doch zu wenig Lehrer wissen, was bei ihren Schülern ankommt, wie sie jeden einzelnen fördern. Deshalb muss das Studium reformiert werden: weniger Fachwissen, mehr Pädagogik. Die Hälfte der Lehrer ist über 50 Jahre alt. In den nächsten Jahren läuft eine gigantische Pensionierungswelle durch die Lehrerzimmer. Doch die Chance, Lehrer neuen Typs einzustellen, wurde vertan. Der Bildungsforscher Klaus Klemm sagt: "Die Lehrer werden nach altväterlicher Sitte ausgebildet. 35 Jahre lang habe ich Lehrerprüfungen abgenommen - es hat sich nichts verändert."

Beamtentum sollte abgeschafft werden

Leistung muss sich für Lehrer lohnen. Für Pädagogen ist es vollkommen egal, wie viele ihrer Schüler fehlerfrei lesen können, den Dreisatz kapieren oder beim Abitur durchfallen. Ihr Gehalt steht fest. Sie verdienen mehr wenn sie älter werden, heiraten oder Kinder bekommen. Aber nicht, wenn sie besseren Unterricht machen. Am wenigsten erhalten Grund- und Hauptschullehrer, obwohl sie die meisten Stunden in der Klasse stehen und die schwierigsten Schüler haben. Alle Lehrer sollen das gleiche Grundgehalt bekommen und dazu Prämien für Leistung. Auch hier lohnt sich ein Blick über die Grenze: nach Finnland, Dänemark oder den Niederlanden. Dort bekommen Lehrer für die Förderung von Schülern oder die Betreuung der Theater AG zusätzliches Geld.

Und wenn man schon mal dabei ist, den Beruf der Lehrer zu reformieren, dann sollte auch gleich das Beamtentum abgeschafft werden. Es sendet das falsche Signal: Es suggeriert Sicherheit, geregelte Arbeitszeiten, wenig Stress. Aber Lehrer ist kein Halbtagsjob, viele Pauker arbeiten 40 Stunden und mehr, sind auch am Wochenende für die Schüler da. Sie machen einen wichtigen und schweren Job. Dafür sollte die Elite gerade gut genug sein. Zum Wohl der Schüler - und der Lehrer. Denn nur die Pädagogen, die nie wirklich für ihren Beruf entflammt waren, brennen am Ende aus.

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