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Missbrauchsfall bringt Charité in Misskredit

Ein Pfleger missbraucht eine Patientin. Die Klinikleitung suspendiert den Mann zwar, schaltet aber nicht die Behörden ein. Etwas ist faul an der Berliner Charité. Der Klinikchef räumt Probleme ein.

  In Erklärungsnot: Charité-Chef Karl Max Einhäupl

In Erklärungsnot: Charité-Chef Karl Max Einhäupl

Der Fall kam gestern, eine ganze Woche nach der Tat, ans Licht: Ein Krankenpfleger soll ein Mädchen auf der Kinderrettungsstelle der Berliner Universitätsklinik missbraucht haben. Als wären die Tat selbst und die zögerliche Informationspolitik des Krankenhauses nicht schon schlimm genug, gibt die Charité-Leitung nun auch noch zu, dass der Beschuldigte wohl schon früher Kinder unsittlich berührt habe. "Mir sind drei Ereignisse bekannt, die allerdings schon mindestens fünf Jahre zurückliegen", sagte der Klinikchef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl. Er räumte ein Kommunikationsproblem an dem Großkrankenhaus ein.

Obwohl der Pfleger wegen des Übergriffs suspendiert wurde, schaltete niemand die Behörden ein. Der Mann soll seit 40 Jahren an der Klinik tätig sein. Klinikchef Einhäupl zeigte sich erschüttert und sagte, er selbst habe erst am Dienstag von dem Fall erfahren. An der Glaubwürdigkeit des 16-jährigen Mädchens zweifele er nicht.

Inzwischen hat die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen eingeleitet. "Wir ermitteln mit Hochdruck", sagte ein Sprecher der Anklagebehörde. Der Fall sei nicht einfach, da der Übergriff schon vor mehr als einer Woche passiert sei. "Beweismittel wie DNA-Spuren gibt es leider nicht mehr. Darum müssen wir vor allem auf Zeugenaussagen zurückgreifen - etwa die der mutmaßlich Geschädigten."

"Wir wollten nichts vertuschen"

Der Pfleger soll die Patientin schon in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche missbraucht haben. Wie der stellvertretende Pflegedirektor Helmut Schiffer berichtete, war die Jugendliche kurz nach Mitternacht in der Rettungsstelle aufgenommen worden. Der Pfleger habe ihr beim Ausziehen der Hose geholfen und sie dabei unsittlich berührt. Für kurze Zeit waren beide allein, zuvor habe das Mädchen Beruhigungsmittel genommen.

Die 16-Jährige habe anschließend ihre Eltern informiert, diese sprachen jedoch erst am folgenden Nachmittag mit dem zuständigen Arzt darüber. Daraufhin wurde der Pfleger suspendiert. Dennoch wurde der Fall knapp eine Woche lang nicht den Behörden mitgeteilt.

Klinikchef Einhäupl begründete dies damit, dass intern erst einmal die Vorwürfe geprüft worden seien: "Wir wollten nichts vertuschen, sondern sicher sein, dass wir den Richtigen treffen." Allerdings sei dem Vater freigestellt worden, selbst Anzeige zu erstatten. Erst am Donnerstag wurde seine Tochter aus der Klinik entlassen.

Staatsanwaltschaft reagierte auf Medienberichte

Mit Bezug auf den Pfleger sagte Einhäupl: "Es dürfte ja wohl klar sein, dass dieser Mensch keine Gelegenheit mehr haben wird, an der Charité zu arbeiten." Zudem werde die Klinik "alles dafür tun", den Vorfall aufzuklären. Noch am Mittwochabend wollte der Klinikchef die Eltern der 16-Jährigen besuchen.

Die Berliner Polizei nahm erst am Mittwoch die Ermittlungen auf, nachdem die "Bild"-Zeitung den Fall bekanntgemacht hatte. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren, wie deren Sprecher Martin Steltner sagte.

Ein ähnlicher Fall war im Frühjahr im Berliner Landgericht verhandelt worden. Ein Pfleger hatte gestanden, auf der Kinder-Intensivstation der Helios-Klinik Berlin-Buch kleine Jungen missbraucht zu haben. Er wurde zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

dho/DPA/DPA

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