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Obdachlose, Prostitution und Mord: Berlins Tiergarten hat Probleme

Dass sich des Nachts allerlei Gestalten in Deutschlands Parks tummeln, ist nicht neu. Auch nicht im Berliner Tiergarten. Doch nun zieht der Bürgermeister des Bezirks die Reißleine. Die Situation sei "völlig außer Kontrolle".

Vor gut einem Monat wurde die Kunsthistorikerin Susanne F. nahe des Bahnhof Zoo im Berliner Tiergarten ermordet. Die 60-Jährige war überfallen und getötet worden. Die geht davon aus, dass das Motiv für die Tötung Raub war. Inzwischen wurde Haftbefehl gegen einen 18-Jährigen erlassen.

Der Fall von Susanne F. rückt die Situation im Berliner Tiergarten ins öffentliche Bewusstsein. Seit Jahrzehnten ist der Park nicht nur Naherholungsgebiet für Anwohner. Zwischen Joggern und Familien gab es auch immer Obdachlose oder dubiose Gestalten. Doch die Situation hat längst neue Dimensionen erlangt. "Unsere Mitarbeiter aus dem Grünflächenamt brauchen dringend Hilfe, die Situation im Großen Tiergarten ist völlig außer Kontrolle", sagt Bürgermeister des Bezirks Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), zur "Berliner Morgenpost".  

Obdachloser im Tiergarten in Berlin

Ein Obdachloser übernachtet auf einer Bank im Tiergarten in Berlin

Tiergarten Berlin: Obdachlose, Drogen, Prostitution

"Im Tiergarten hatten auch früher schon Obdachlose ihr Lager", sagte von . Doch inzwischen seien es rund 50 bis 60 Menschen, die in dem Park campieren. Besonders problematisch sei eine Gruppe osteuropäischer Obdachloser, die sich aus Alkohol- und Drogenabhängigen zusammensetze, so der Bürgermeister weiter. Sie würden auf die Mitarbeiter der Stadt äußerst aggressiv reagieren. Polizeieinsätze würden kaum helfen. Die Menschen würden einfach nach einem Platzverweis zwei Stunden später weider auftauchen. Auch die Zahl der Straftaten ist rund um den Tiergarten massiv gestiegen. Verzeichnete die Polizei 2016 nur 26 Straftaten, waren es allein im ersten Halbjahr 2017 45. Vor allem Diebstähle haben stark zugenommen.

Von Dassel fordert nun schnellere Abschiebungen - eine Äußerung, die bei seinen Parteikollegen sicherlich nicht gut ankommt. "Aber es ist mir relativ wurscht, was die Partei sagt, ich bin zuallererst meinen Mitarbeitern verpflichtet", so von Dassel weiter zur "Morgenpost".

Der Frust sitzt tief, bei den Polizeibeamten, den Mitarbeitern der Stadt - und offenbar auch beim Bürgermeister. Klar ist, dass die Flüchtlingswelle Berlin vor neue Herausforderung gestellt hat. Die campenden Obdachlosen sind dabei nur ein Problem. Auch die illegale Prostitution im Park hat drastisch zugenommen. Neu dabei ist die Gruppe männlicher Geflüchtete. Junge Männer verkaufen - meist aus Not - ihre Körper in den dunklen Ecken des Parks. Für 20 Euro, einige sind noch minderjährig, berichtet der "Tagesspiegel"."Unter Flüchtlingen hat sich dieser Ort rasend schnell herumgesprochen, sagt Ralf Rötten, Geschäftsführer des Vereins "Hilfe-für-Jungs“, zum "Tagesspiegel". 2015 hatte der Verein mit 50 männlichen Prostituierten Kontakt aufgebaut, 2016 waren es schon 382 - darunter sehr viele Flüchtlinge. 

"Tiergarten wird rechtsfreie Zone"

Perspektivlosigkeit, Obdachlosigkeit, Drogensucht, Prostitution - ein Teufelskreis für Viele, die gesellschaftlich durchs Raster gefallen sind. "Der Tiergarten wird mehr und mehr zur rechtsfreien Zone", so von Dassel. "Wir können das nicht mehr hinnehmen." Wie Berlin wieder Herr der Lage werden will, ist unklar. Am Montag will der Innensenator Berlins eine Stellungnahme zu den Forderungen des Bezirksbürgermeisters abgeben. 

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kg

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