Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Weltweite Jagd nach Babymilchpulver

Immer öfter kommt es zu Engpässen bei Trockenmilchpulver. Grund dafür: Große Mengen der Babynahrung werden nach China exportiert. Dort sind Eltern bereit viel Geld für ausländische Produkte zu zahlen.

  Die Sorge chinesischer Eltern um ihre Kinder führt in Deutschland zu Lieferengpässen für Säuglingsnahrung. In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage nach den Trockenmilch-Produkten Milumil und Aptamil sprunghaft angestiegen.

Die Sorge chinesischer Eltern um ihre Kinder führt in Deutschland zu Lieferengpässen für Säuglingsnahrung. In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage nach den Trockenmilch-Produkten Milumil und Aptamil sprunghaft angestiegen.

Ausländisches Babymilchpulver ist heiß begehrt in China - und das hat drastische Folgen in Läden von Europa bis Australien. Regale sind leergekauft, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Verantwortlich dafür sollen Netzwerke privater chinesischer Händler sein, die Milchersatz aufkaufen und in ihre Heimat verschicken. Aber selbst sie stoßen inzwischen an Grenzen.

"Es wird schwieriger, Milchpulver zu finden. Für jede Packung muss ich weiter laufen", sagt eine Chinesin mit dem Nachnamen Shao, die irgendwo in Deutschland lebt und Babymilch über das Internet zum Verkauf anbietet. Sie gehört zu jener kleinen Armee von Geschäftsleuten, die überall in Europa an ihren Wohnorten die Bestände aufkaufen und Händler zu Rationierungen treiben.

Chinesische Eltern trauen den heimischen Produkten nach Skandalen um Gift in Babymilch nicht mehr über den Weg. Sie zahlen Höchstpreise für Produkte aus Europa - selbst wenn diese drei bis viermal so teuer sind wie die chinesischen. Auf der Internet-Verkaufsplattform Taobao gibt es über 4000 Einträge für Milchpulver aus Deutschland. Hinzu kommt eine ähnliche Zahl für Babymilch aus Großbritannien, 3000 Treffer beziehen sich auf Frankreich.

Melamin-Skandal verunsichert Eltern

"Ich begann damit, das Pulver an Verwandte und Freunde zu schicken", sagt Shao, eine Hausfrau und Mutter, die nach eigenen Angaben eine "kleine Summe" mit ihrem Geschäft verdient. "Mütter bestellen normalerweise sechs bis acht Packungen auf einmal, weil die Lieferung einen Monat dauert und sie sich einen konstanten Vorrat sichern wollen." Neben findigen Privatleuten wie Shao gibt es aber auch Unternehmer, die anscheinend in größerem Stil aktiv sind. Ein Mann namens He berichtete AFP stolz, er beschäftige zehn deutsche Angestellte.

In China stillen relativ wenige Mütter ihre Kinder. Das liegt an den kurzen Mutterschaftspausen und aggressiver Werbung für Folgemilch. Der Ruf heimischer Produkte aber ist dauerhaft ruiniert. 2008 starben sechs Kinder an mit der Chemikalie Melamin verseuchter Babymilch, tausende weitere wurden geschädigt.

"Junge chinesische Eltern nehmen internationale Marken, insbesondere die importierten Marken in Original-Verpackung, als gesünder wahr", sagt die Analystin Vera Wang. Dafür sind sie bereit, die heftigen Aufpreise zu zahlen, die Internet-Händler verlangen. Eine 600-Gramm-Packung Aptamil des deutschen Herstellers Milupa, hierzulande für etwa zwölf Euro zu haben, kostet in China 220 Yuan: etwa 27 Euro.

Abgabemenge wird beschränkt

In den "Export-Ländern" hat die Babymilch-Knappheit bereits dazu geführt, dass Einzelhändler ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen. So rationiert die deutsche Drogeriemarkt-Kette DM die Menge an Milchpulver, die Kunden in ihren Filialen erwerben können. Dabei gibt es nach Unternehmens-Angaben keine starren Vorgaben, weil das Phänomen nicht flächendeckend auftritt. Bei Bedarf können die Filialleiter aber tätig werden. Auch in Großbritannien und Australien beschränkten Geschäfte schon die Abgabe.

"Seit einiger Zeit verzeichnen wir eine extrem hohe Nachfrage nach den Säuglingsnahrungen der Marke Aptamil", sagt der DM-Geschäftsführer für den Bereich Marketing und Beschaffung, Christoph Werner. Daher habe DM entschieden, die Aptamil-Abgabemenge vorübergehend zu beschränken, bis sich die Lage wieder normalisiere. Der Babynahrungshersteller Milupa will die gravierenden Engpässe bei seinen Trockenmilch-Produkten sehr bald entschärfen. Eine neue Produktionslinie sei angelaufen, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. "Wir hoffen auf eine spürbare Entspannung in den kommenden Wochen."

Manche der chinesischen Händler in Deutschland berichten, dass sie planen ihr Geschäft zu stoppen, weil es zu schwierig geworden sei, Folgemilch zu kaufen. Shao jedoch lässt sich davon nicht abschrecken. "Wenn ein Supermarkt ausverkauft ist, werde ich zum nächsten weitergehen", sagt sie. "Ich tue es für die Mütter und ihre Kinder. Ich bin selbst Mutter und weiß, wie wichtig Milchpulver ist."

vim/DPA/AFP/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools