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"Schäm dich, so etwas machen Deutsche nicht"

Ein pensionierter Polizist engagiert sich stark für Flüchtlinge und initiiert mehrere Hilfsaktionen. Das kommt nicht überall gut an: "Kollegenschwein", schreibt man ihm. Die Geschichte von Manfred Bruns und seinem Kampf gegen "bekloppte" Meinungen.

Von Jenny Kallenbrunnen

  Manfred Bruns ist sozial sehr engagiert - das passt nicht jedem

Manfred Bruns ist sozial sehr engagiert - das passt nicht jedem

Manfred Bruns ist in Emden bekannter als Otto. Das sagt sogar Otto selbst über ihn. Bruns wohnt schon sein ganzes Leben in der 50.000-Einwohner-Stadt in Ostfriesland. Hier war er lange Polizist, 40 Jahre lang, im vergangenen Frühjahr ging er in Rente. Aber Polizist bleibt man doch irgendwie ein Leben lang, ob nun im Dienst oder nicht.

Bruns ist sozial engagiert und hilft, wo er kann. Für eine junge Familie aus Emden hatte er ein Spendenkonto eingerichtet, nachdem ihre kleine Tochter ermordet worden war, damit sie die Beerdigung bezahlen kann. Und auch für Flüchtlinge setzt Bruns sich stark ein. Seit Oktober, als in Emden zwei Schulen für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wurden, hat er mehrere Aktionen gestartet, um die Geflohenen gebührend in Ostfriesland zu begrüßen oder Geld für sie zu sammeln. "Ich bin schon sehr sozial eingestellt", sagt der ehemalige Polizist.

"Schäm dich, so etwas machen Deutsche nicht"

In den vergangenen Monaten waren in Emden mehrere hundert Flüchtlinge angekommen, viele von ihnen sind inzwischen schon wieder umverteilt worden. Um sie in seiner Stadt willkommen zu heißen, hat Bruns Benefizabende unterstützt und mehrere Aktionen mit der "Flüchtlingshilfe Emden", die er populär gemacht hat. Gerade steckt er in der Vorbereitung der nächsten Veranstaltung, da liegt ein Brief in seinem Briefkasten.

"Wie kann man als Polizist solche Aktionen starten", steht da, "für 'Menschen', die die eigenen Kollegen anspucken und denen den Stinkefinger zeigen. Auf meiner Arbeit nannte man solche Menschen früher Kollegenschweine."

Der Brief kam mit der Post, zusammen mit einigen ausgeschnittenen Zeitungsartikeln zum Thema Flüchtlinge. Bruns liest sie nicht. "Wenn du dann nicht zu der Erkenntnis gekommen bist, dass du dich in Grund und Boden schämen musst, dann tust du mir sehr leid", schreibt der Absender. Da diese Artikel laut Brief vom 9. Januar stammen, geht es darin vermutlich um die Übergriffe in Köln in der Silvesternacht, die viel zu schnell Flüchtlingen angelastet wurden. "Mir tut es sehr leid, dich zu kennen. Schäm dich, so etwas machen Deutsche nicht." Mit diesen Worten endet der Brief.

"Ich würde mit ihm ein Bier trinken gehen und mit ihm reden"

"Ich habe keine Ahnung, wer das ist", sagt Bruns. Zwar steht ein Name unter den Zeilen - gedruckt - mit dem kann er jedoch nichts anfangen. "Aber der weiß ganz genau, wer ich bin", sagt Bruns. Denn der Absender nennt ihn "Manni", er duzt ihn und weiß, wie aus dem Brief hervorgeht, auch, dass Bruns alleine lebt. Trotzdem: "Bedroht fühle ich mich überhaupt nicht", sagt er. "Aber natürlich beschäftigt einen das."

Wer hinter dem Brief steckt, interessiert Bruns schon. "Ich wüsste gerne, ob das jemand ist, der mit dem Brief erst sein wahres Gesicht zeigt, oder eher jemand, von dem man sowas erwartet." Mit dem Absender will er darüber sprechen, "wie man so eine bekloppte Meinung haben kann. Ich würde mit ihm ein Bier trinken gehen und mit ihm reden", sagt er. 

Freilich hat Bruns mit seiner ehrenamtlichen Arbeit nicht nur Gegner. Seine Facebookseite "Flüchtlingshilfe Emden - Bürger helfen"  hat mehr als 2000 Mitglieder. Trotz der Kritik: "Natürlich mache ich weiter!", sagt Bruns. Die "Ostfriesen-Zeitung" berichtet von 40 neu ankommenden Flüchtlingen pro Woche. Die nächste Aktion steht bereits: Am 23. Januar veranstaltet er einen musikalischen Abend, um Geld für die Flüchtlingshilfe zu sammeln. Der Vorverkauf läuft schon.

  "Schäm dich, so etwas machen Deutsche nicht", schreibt ein unbekannter Absender.

"Schäm dich, so etwas machen Deutsche nicht", schreibt ein unbekannter Absender.

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