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Trio mit eisernem Willen

Der Friedensnobelpreis 2011 geht an drei Frauen aus Liberia und dem Jemen, darunter auch eine Staatschefin. Wer sind die Preisträgerinnen? stern.de stellt sie vor.

Von Niels Kruse

Es sind Namen, die Europäern eher schwer über die Zunge kommen und die wohl auch nur den wenigsten etwas sagen: Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee aus Liberia und Tawakkul Karman aus dem Jemen sind mit dem Friedensnobelpreis 2011 ausgezeichnet worden. Es ist eine Würdigung ihres Kampf für "ihren Einsatz für die Stärkung der Rollen der Frauen", wie das Komitee in Oslo erklärte. Die Norweger vergeben einen der höchsten Auszeichnungen der Welt damit wieder an Vertreter der Dritten Welt, in denen Frauenrechte sicher nur eines von sehr vielen Problemen sind.

Etwa nach Liberia. Deren Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf ist die bislang einzige gewählte Staatschefin eines afrikanischen Landes. Eiserne Lady wird sie genannt. Und das zu Recht: Als sie 2006 an die Spitze des kleinen westafrikanischen Staates rückte, übernahm sie das Land in Trümmern. 14 Jahre lang wütete in ihrer Heimat ein Bürgerkrieg, der berüchtigte Schlächter und Vorgänger-Präsident Charles Taylor war kurz zuvor aus Liberia geflohen. Es gab damals viel zu tun, Johnson-Sirleaf kümmerte sich zunächst um die zahllosen traumatisierten Kindersoldaten - deren Reintegration sollte ein Rückfall in Krieg und Chaos verhindern. Zudem richtete sie nach südafrikanischem Vorbild eine "Wahrheits- und Versöhnungskommission" ein, die die Schreckenstaten des Bürgerkriegs untersuchen sollte.

Atemberaubende Karriere endet in Präsidentenamt

Zu dem Zeitpunkt hatte die 72-Jährige bereits eine atemberaubende Karriere hinter sich: Studium in Harvard, hohe Posten bei den Vereinten Nationen und der Weltbank. Vier Kinder hat Johnson-Sirleaf in der Zwischenzeit auch noch großgezogen. Ihr Opa mütterlicherseits kam übrigens aus Deutschland. Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte sie dann mit ihrer Wahl zum ersten weiblichen Staatschefs Afrikas. "Dies öffnet die Tür für Frauen auf dem gesamten Kontinent", sagte das frischgekürte Staatsoberhaupt damals. "Und ich bin stolz darauf, dass ich diejenige bin, die die Tür öffnet." Integer, unbeugsam und willensstark - so wird sie gerne beschrieben. Es sind Eigenschaften, die man wohl braucht, um ein solches Lebenswerk zu errichten. Die Zeitschrift "Newsweek" wählte sie 2010 in die Topten der besten Staatschefs der Welt.

Auch die zweite Nobelpreisträgerin aus Liberia, Leymah Roberta Gbowee, hat sich dem Frieden in ihrem Land verschrieben. Wie Johnson-Sirleaf wurde sie in der Hauptstadt Monrovia geboren, wie sie gilt sie als unbeugsam und willensstark, ist mit 39 Jahren aber deutlich jünger als die Präsidentin. Ihr Verdienst: Seit zehn Jahren koordiniert sie die Friedensorganisation "Women in Peacebuilding". Vor neun Jahren gründete Gbowee die Bewegung "Women of Liberia Mass Action for Peace". Das Ziel der Initiative war es, gewaltfreie Protestaktionen von Frauen und Müttern gegen den damaligen Präsidenten Charles Taylor zu initiieren. Als Zeichen für Reinheit und Friedenswillen trugen alle Teilnehmerinnen damals konsequent weiße Kleidung.

"Frauen spielen wichtige Rolle bei Konfliktlösung"

Mit der Wahl Gbowees will das Nobelpreiskomitee deutlich machen, welch wichtige Rolle Frauen bei der Lösung von Konflikten und beim Schaffen von Frieden spielen. Schon in ganz jungen Jahren arbeitete sie als Streetworkerin. Sie versuchte, den unzähligen vom Krieg gezeichneten liberianischen Kindern und Jugendlichen zu helfen - noch eine Parallele zu Johnson-Sirleaf. Und: Auch Gbowee hat in den USA studiert, am Eastern Mennonite University in Harrisonburg, Virginia. 2006 wurde sie zur regionalen Beraterin des "Women Peace and Security Network Africa" ernannt. Heute leitet sie die Organisation.

Die dritte im Bunde, Tawakkul Karman, ist die erste Araberin, die den Friedensnobelpreis erhält. Sie widmete die Auszeichnung prompt dem arabischen Frühling. Der Preis sei eine Ehre für alle Araber, Muslime und Frauen, sagte sie dem in Dubai ansässigen Sender al Arabija. Karman gehört zu den herausragenden Figuren der Protestbewegung gegen Staatschef Ali Abdullah Saleh im Jemen. Saleh ist seit 33 Jahren an der Macht. Ende September kehrte er nach einem Kurzzeit-"Asyl" in seine Heimat zurück.

Neue Hoffnung für jeminitische Opposition

Die 32-Jährige gründete 2005 die Organisation "Women Journalists Without Chains" (Journalistinnen ohne Ketten), der sie auch vorsteht. Sie gilt als eine der wichtigsten Oppositionellen im , das Regime von Präsident Salih wollte sie mundtot machen, radikale Islamisten werfen ihr vor, die Frauen zur Rebellion gegen ihre Männer anzustacheln. Ihre drei Prinzipien Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit klingen simpel, machen aber vielen Jemeniten Mut. Vor allem den hunderttausenden von Demonstranten, die an diesem Freitag wieder gegen gegen Ali Abdullah Salih protestieren, dürfte der Nobelpreis für eine der ihren einen neuen Schub Hoffnung geben.

mit DPA/AFP/Reuters/Reuters

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