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Gymnasium darf Schülern das Beten verbieten

Kann ein Gebet den Frieden stören? Ein Gericht in Berlin meint Ja und erlaubte einem Gymnasium im Stadtteil Wedding, muslimischen Schülern das Beten zu verbieten.

Diese Szene drohte, eine Schule im Berliner Stadtteil Wedding zu spalten: Acht muslimische Schüler knien in einer Pause auf ihren Jacken und beten gen Mekka, mitten im Schulflur, vor den Augen staunender Mitschüler. Seit Donnerstag ist klar: Die Schule darf Muslimen ihr Gebet verbieten. Elternrechte, die Glaubensfreiheit der anderen und insbesondere der Schulfrieden schränkten in diesem Fall die Religionsfreiheit ein, begründete das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sein bundesweit einmaliges Urteil. Revision ist jedoch zugelassen.

Einer der acht Muslime auf dem Flur des Diesterweg-Gymnasiums war der 16 Jahre alte Yunus. Der Muslim mit deutschem Familiennamen betet nach Worten seines Anwalts fünf Mal täglich. Weil sich die Zeiten nach Sonnenauf- und -untergang richten, müsse er zumindest an den kurzen Wintertagen auch in der Schule beten, argumentierte er vor Gericht und berief sich auf Artikel 4 des Grundgesetzes. "Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet", heißt es dort.

Das Berliner Verwaltungsgericht gab Yunus im September 2009 Recht. Das Gebet störe den Schulbetrieb nicht und verletzte auch nicht die Neutralitätspflicht der Schule. Einmal täglich dürfe der Junge auf dem Schulgelände beten. Die höhere Instanz hat nun dieses Urteil gekippt und folgte damit den Argumenten der Schulverwaltung.

"Das islamische Ritualgebet hat Demonstrationscharakter und dient auch der sozialen Kontrolle", begründete der Abteilungsleiter Ludger Pieper am Donnerstag die Beschwerde des Berliner Senats. Er sah den Schulfrieden gefährdet und führte auch organisatorische Schwierigkeiten an. Die Verwaltung hatte angeordnet, Yunus einen Raum zuzuweisen, um sein Gebet von den anderen Schülern abzuschirmen.

Die Schüler des Gymnasiums kommen aus Familien, die aus 29 unterschiedlichen Ländern stammen. Laut Gericht gab es wiederholt Streit um Kopftücher, das richtige Fasten und Beten. Die Vorsitzende Richterin Hildegard Fitzner-Steinmann sprach von einem erheblichen Konfliktpotenzial. Schulleiterin Brigitte Burchardt stellte vor allem nach dem Verwaltungsgerichts-Urteil mehr Diskussionen fest.

Ein eigener Gebetsraum sei daher plausibel, sagte die Richterin. Im Sinne der Gleichbehandlung müssten dann aber auch Schüler anderer Bekenntnisse einen solchen Raum bekommen: "Das würde bei der Vielzahl der Konfessionen die Kapazität der Schule sprengen."

Der Gebetstraum stand im Zentrum der Verhandlung am Donnerstag: "Er nutzt den Raum nur sehr sporadisch", nämlich 14 Mal in den vergangenen zwei Jahren, warf die Anwältin der Verwaltung, Margarete Mühl-Jäckel, Yunus vor. Der bestritt das und erwiderte, dass Lehrer ihm den Raum häufig nicht aufsperrten. Der 16-Jährige vermutet, dass einige Pädagogen nicht wollen, dass er betet.

Es ging auch um die Frage, ob der Junge überhaupt in der Schule beten muss. Die Verwaltung präsentierte ein Gutachten des Göttinger Islamwissenschaftlers Tilman Nagel. Demnach dürfen gläubige Muslime ihr Mittagsgebet auch auf den Nachmittag verschieben - der 16-Jährige könnte folglich auch zu Hause beten. "Mohammed will es seinen Glaubensbrüdern leicht machen", sagte Mühl-Jäckel.

Schulleiterin Burchardt sagte nach dem Urteil:  "Dies ist ein guter Tag für die Berliner Schule." Konflikte und Spaltung der Schülerschaft würden vermieden. Zumindest in einer Frage gab das Gericht Yunus allerdings Recht: Es sei unbestritten, dass es dem Jungen mit der Ausübung seines Glaubens ernst sei.

Burkhard Fraune, DPA/DPA

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