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Verteidiger Johann Schwenn attackiert Gutachterin

Der 20. Verhandlungstag im Prozess gegen Jörg Kachelmann hat begonnen, wie der 19. endete: mit scharfen Angriffen der Verteidigung. Diesmal nahm Anwalt Johann Schwenn erneut die Gutachterin Luise Greuel ins Visier.

Jörg Kachelmanns Verteidiger hat einer Gutachterin vorgeworfen, sie übernehme unkritisch Thesen "radikalfeministischer Autorinnen". Verteidiger Johann Schwenn bezog sich dabei auf Passagen aus dem Gutachten der Psychologin Luise Greuel, die das mutmaßliche Opfer untersucht hatte. Bereits vorletzte Woche hatte Schwenn einen Befangenheitsantrag gegen Greuel gestellt.

Greuel hatte in ihrem Gutachten auch zu der Möglichkeit einer Traumatisierung der Frau Stellung genommen. Dabei, kritisierte Schwenn, stelle sie "eine von radikalfeministischen Autorinnen ersonnene Theorie" über die Traumatisierung von Vergewaltigungsopfern als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis dar. Über den Befangenheitsantrag gegen Greuel ist noch nicht entschieden.

Die Verhandlung wurde kurzzeitig unterbrochen und sollte mit der Vernehmung des Rechtsmediziners Bernd Brinkmann fortgesetzt werden. Brinkmann war ursprünglich von der Verteidigung als Sachverständiger benannt worden. Sein Gutachten sollte belegen, dass sich das mutmaßliche Opfer ihre Verletzungen selbst zugefügt haben könnte. Das Gericht lehnte Brinkmann wegen Besorgnis der Befangenheit als Gutachter ab, will ihn aber als sogenannten "sachverständigen Zeugen" anhören. Außerdem wollen die Richter einen Sachverständigen des Landeskriminalamts in den Zeugenstand rufen.

Burda nennt Vorwürfe von Anwalt Schwenn absurd

Vergangene Woche hatte Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn die Staatsanwalt scharf attackiert: Die Ankläger hätten sich möglicherweise strafbar gemacht, weil sie Ergebnisse ihrer Ermittlungen gegen den Wettermoderator an die Presse weitergegeben hätten. Die Hubert Burda Media Gruppe dementierte die Vorwürfe. "Diese Verdächtigungen sind Teil der Strategie des Strafverteidigers Schwenn, das Verfahren vor dem Landgericht zu destabilisieren", sagte Verlagsvorstand Philipp Welte. "Der Vorwurf, die Zeitschriften 'Focus' und 'Bunte' hätten sich mit der Staatsanwaltschaft Mannheim gegen Kachelmann verschworen, ist nicht nur unrichtig, sondern genauso absurd wie die Unterstellung, Hubert Burda hätte sich beim Intendanten des Fernsehsenders MDR dafür stark gemacht, dass Kachelmann vom Bildschirm verschwindet", fügte Welte hinzu. Wörtlich hatte Schwenn vor dem Landgericht Mannheim an die Adresse des Oberstaatsanwalts und des Staatsanwalts gesagt: "Die beiden Herren sind um einiges verdächtiger als Herr Kachelmann". Er kündigte hierzu auch noch Beweisanträge an.

Anlass der heftigen Attacken der Verteidigung gegen die Hubert Burda Media war ein Bericht des "Focus". Eine über das Handy Kachelmanns herausgefundene Ex-Geliebte in der Schweiz habe der Staatsanwaltschaft telefonisch von gewaltsamen sexuellen Übergriffen durch Kachelmann berichtet. Diese hätten sich am 17. Januar wenige Wochen vor der angeblichen Vergewaltigung ereignet. Die Schweizerin lehnt ein Erscheinen vor dem deutschen Gericht ab. Die Staatsanwaltschaft will die Frau nun im Wege der Rechtshilfe vernehmen lassen. Dem trat Verteidiger Schwenn entschieden entgegen. Die Zeugin müsse als "unerreichbar" eingestuft werden.

Kachelmann muss sich seit 6. September wegen Vergewaltigung seiner langjährigen Freundin in Schwetzingen verantworten. Der 52-Jährige bestreitet die Tat, schweigt aber vor Gericht.

mad/be/DPA/DAPD/DPA

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