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25.000 Abiturienten fallen durch Aufnahmeprüfung

Nicht ein einziger hat bestanden: 25.000 Abiturienten haben am Einstellungstest für die Universität von Liberia teilgenommen - erfolglos. Die Erklärung der Universität ist schlicht, aber einleuchtend.

Von Simon Heinrich

  Eine Schulklasse aus Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Wer von ihnen später einmal studieren will, ist auf eine staatlich subventionierte Universität angewiesen.

Eine Schulklasse aus Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Wer von ihnen später einmal studieren will, ist auf eine staatlich subventionierte Universität angewiesen.

  • Simon Heinrich

Sie waren alle am Boden zerstört, als sie die Ergebnisse ihres Einstellungstestes erhielten. Rund 25.000 Abiturienten hatten am Einstellungstest für die staatliche Universität von Liberia teilgenommen, eine von zwei staatlichen Universitäten des Landes. 25 Dollar hatten sie für die Anmeldung gezahlt. Ein monatlicher Durchschnittslohn in Liberia. In einem Land, das im Human Development Index auf Platz 182 von 187 Ländern steht und eine Arbeitslosenquote von nahezu 80 Prozent aufzuweisen hat, sehen die meisten von ihnen in einem Studienabschluss die einzige Möglichkeit, ein geregeltes Leben führen zu können. Doch dann das: Wer sein Ergebnis erhielt, bekam eine Absage. Jeder einzelne Bewerber. Im kommenden Semester wird daher kein neuer Student an der Universität begrüßt, 25.000 Träume von einer Zukunft in einem bis dato zukunftslosen Land sind zerstört.

Die Universität hat eine einfache Begründung für ihre Entscheidung: Es waren schlichtweg alle Bewerber zu schlecht. "Den Studenten fehlt es an Enthusiasmus und sie haben nicht einmal Grundkenntnisse der englischen Sprache, die essentiell für das Studium sind", rechtfertigt ein Verantwortlicher der Universität die Entscheidung gegenüber der BBC.

Tatsächlich sind die Schulen in dem verarmten Land oft sehr schlecht ausgerüstet und die Lehrer nur unzureichend ausgebildet. "Das Bildungssystem in unserem Land ist ein echtes Problem", muss selbst die Friedensnobelpreisträgerin und Präsidentin Liberias, Ellen Johnson Sirleaf eingestehen. Doch das kein einziger der Bewerber einen Platz an der Universität erhalten hat, kommt nicht nur ihr sehr fragwürdig vor. Kaum ein Liberianer kann sich eine private Universität leisten, deshalb sind die beiden staatlichen Universitäten total überfüllt. Dieses Semester keine neuen Studenten zuzulassen, entspannt daher die Lage an der Uni, wird aber verständlicherweise von keinem Verantwortlichen als Grund für die Ablehnung aller Bewerber genannt.

"Lassen uns von Emotionen nicht beeinflussen"

Die Bildungsministerin des Landes Etmonia David-Tarpeh will sich mit der Entscheidung der Universität nicht zufrieden geben und will ein Treffen mit der Universität veranlassen. "Ich weiß, dass unser Schulsystem viele Schwächen hat, aber eine Gruppe von 25.000 Abiturienten zum Einstellungstest einzuladen und dann jeden einzelnen von ihnen durchfallen zu lassen, daran habe ich meine Zweifel", meint die Ministerin. "Das ist wie Massenmord." Sie will daher die Ergebnisse der Studenten selbst begutachten, um sich ein Bild davon zu machen, warum keiner von ihnen an der Universität angenommen wurde.

Der Sprecher der Universität, Momodu Getaweh, sagte der BBC, dass die Universität zu ihrer Entscheidung stehe und dabei bleibe. "Wir werden uns dabei von Emotionen nicht beeinflussen lassen." Das Englisch der Bewerber sei flächendeckend unzureichend gewesen, die Regierung sei daher zunächst einmal am Zug und müsse etwas dagegen unternehmen, mahnt er in Richtung der Präsidentin Sirleat.

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