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Katholischer Irrflug erster Klasse

Kann es Gläubigen oder Gottlosen egal sein, wie der Bischofshaushalt verjubelt wird? Nein! Die Bequemlichkeit des Limburger Oberhirten Tebartz-van Elst schadet der Moral der ganzen Gesellschaft.

Ein Kommentar von Frank Ochmann

  Der Oberhirte reist gern bequem: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nahm ein Upgrade in die erste Klasse auf einem Flug nach Indien in Anspruch

Der Oberhirte reist gern bequem: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nahm ein Upgrade in die erste Klasse auf einem Flug nach Indien in Anspruch

Wäre ich gern in der Holzklasse nach Indien geflogen? Eine rhetorische Frage. Wenn der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darauf verzichtet hat, seine Knie für ein paar Stunden in den Sitz vor sich zu pressen und es vorzog, im Oberdeck des Flugzeuges zu dinieren, statt sich beim Abziehen der Schutzfolie über dem Einheitspapp ein Stockwerk darunter die Finger zu verbrennen, dann ist das durchaus verständlich. "Menschlich verständlich", wie es an solchen Stellen gern heißt. Aber Menschen begehen auch schreckliche Dummheiten, die für sich betrachtet sehr verständlich sein können. Und es war wohl mehr als nur ein bisschen dumm, was sich der Limburger Bischof Mitte Januar geleistet hat.

Schon eine ganze Weile reden die treuen Verteidiger Tebartz-van Elsts davon, es sei eine "Jagd" auf diesen Bischof eröffnet worden. Denn der fällt in der First Class keineswegs zum ersten Mal auf. Naserümpfen gab es auch schon wegen eines millionenteuren neuen Amtssitzes - in dem der Oberhirte natürlich nur ein Apartment samt Privatkapelle beziehen wird. Dann war da noch die Luxuskarosse mit den verdunkelten Scheiben. Aber sicher dient auch die, wie der jetzt bekannt gewordene Wohlfühl-Flug, vor allem dem "Leistungserhalt" des eifrigen Kirchenmannes. Und, ach ja, der Leasingvertrag des schwarzen Schlittens stammte schon vom Vorgänger.

Es sind weniger die einzelnen hohen Rechnungen als die so billigen und ihre Adressaten und Kritiker so offensichtlich für dumm verkaufenden Ausflüchte, die einen auf die Palme bringen können. Es geht doch nicht um ein paar Tausend Euro, um Meilenkonten oder breite Liegesitze im Flieger. Es geht auch nicht darum, wie juristisch wasserdicht die einzelnen Verteidungsargumente sind. Es geht um die Glaubwürdigkeit eines Mannes, der von Amts wegen "in persona Christi" auftritt und um die Glaubwürdigkeit einer Institution, die angeblich so anders ist als "die Welt" und darum auch mit anderen Maßstäben gemessen werden möchte. Warum aber kommen einem dann die Erwiderungen vor, als stammten sie noch aus Schloss Bellevue zu Zeiten der Affäre Wulff und nicht aus dem Limburger Generalvikariat?

Gegner warten nur auf solche Fehltritte

Weiß der Bischof das alles nicht? Weiß er nicht, dass er sich als Geistlicher nicht wie ein narzisstischer Manager oder Großgrundbesitzer von Gottes Gnaden aufführen sollte? Dass er das ganz sicher nicht sollte, wenn ihm seine Glaubwürdigkeit und sein missionarischer Auftrag lieb sind? Papst Benedikt XVI. hat bei seinem letzten Deutschlandbesuch mehrfach deutlich gemacht, welche fatalen Folgen es für die Kirche hat, wenn sie gar zu satt daherkommt. "Entweltlichung" hatte Benedikt provozierend gefordert. Ist Tebartz-van Elst nicht klar, dass seine Gegner - und die hat er weiß Gott nicht nur außerhalb der Kirche - auf eine solche Blöße, wie er sie sich in der First Class gegeben hat, nur warten?

Es könnte zumindest den Nichtkatholiken und Gottlosen unter uns ganz egal sein, wie ein Bischofshaushalt der katholischen Kirche verjubelt wird. Es könnte uns auch ungerührt lassen, ob sich der entsprechende Bischof seinen Kritikern gegenüber gesprächsbereit zeigt oder nach Gutsherrenart. Doch das wäre zu kurzsichtig. Denn das Vertrauen, das einer wie Tebartz-van Elst öffentlich verspielt, ist nicht nur eines, das seiner Kirche verloren geht. Wer in einer verantwortlichen Position den Maßstab verliert und das eigene Wohl gut sichtbar über das der Gemeinschaft stellt, schadet dem moralischen Klima einer Gesellschaft insgesamt. Das gilt für Bischöfe wie für Bundespräsidenten. Wie es eigentlich gemeint war und ob es nicht doch noch irgendwo einen guten Grund für ein bisschen mehr Bequemlichkeit gab, spielt keine Rolle. Denn bereits auf den Anschein kommt es an. Bei dieser Erkenntnis sollte die katholische Kirche mit einem in 2000 Jahren geschärften Sinn für Symbolik nun wirklich keinen Nachholbedarf haben.

"Wer die Kirche öffentlich vertritt, muss durch seine Lebensordnung Zeugnis geben." Sagte Bischof Tebartz-van Elst vergangenen September vor der Diözesanversammlung seines Bistums. Kurz darauf muss er das vergessen haben.

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