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Warum niemand das Schaltjahr braucht - Plädoyer für eine Kalenderreform

Der Februar hatte mal wieder 29 Tage. Doch wer will schon einen längeren Februar? Es ist höchste Zeit für eine wirklich mutige Kalenderreform.

Von Meike Winnemuth

Abreiß-Kalenderblatt mit dem 29. Februar als Datum

stern-Kolumnistin Meike Winnemuth kann den Februar schon an sich nicht ausstehen - noch schlimmer wird's, wenn er alle vier Jahre 29 tage lang ist

Wir haben 2016 bekanntlich ein Schaltjahr, es gab also einen 29. Februar. Warum, ist hinreichend bekannt: Die Erde braucht 365 Tage, fünf Stunden und 49 Minuten, um es einmal um die Sonne herum zu schaffen, alle vier Jahre werden also Kalenderjahr und Sonnenjahr mittels eines zugeschalteten Tages grob synchronisiert. Weil das nicht sehr genau ist, kommen diverse Sonderregelungen hinzu: Ist die Jahreszahl durch vier und durch 100 teilbar, gibt es kein Schaltjahr, wenn durch 400, dann doch; im Jahr 4800 aber wieder nicht. Zusätzlich werden ungefähr alle 18 Monate Schaltsekunden zwischengeschaltet, die vom "Internationalen Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme" verhängt werden, zuletzt am vergangenen 30. Juni. Stimmt, der zog sich ein bisschen, nicht?

Jetzt meine Frage: Warum statt 29. Februar nicht der 32. Dezember? Wieso ist überhaupt der Februar so kurz, wenn es doch sieben Monate mit 31 Tagen gibt? Kriegt man das nicht ein bisschen ordentlicher hin? Zum Beispiel indem es jedes Jahr sechs Monate mit 31 und sechs mit 30 Tagen gibt, immer hübsch im Wechsel, macht 366 Tage, und alle vier Jahre ist dafür der blöde nasskalte Februar drei Tage kürzer, da freut sich doch jeder, oder? Oder noch besser: Alle Monate sind ab sofort 30 Tage lang, nur der Juli 35 beziehungsweise 36. Das wäre mal eine Kalenderreform! Ich gehe mir schnell einen Tee aus der Küche holen, Sie diskutieren das bitte in der Zwischenzeit unter sich aus.

Je schneller der Februar vorbei ist, desto besser

So, bin wieder da. Und? Ach, der Herr vom humanistischen Zweig hat es Ihnen schon verraten: Zu römischen Zeiten begann das neue Jahr ursprünglich am 1. März, der Februar war also das Allerletzte und zog den Kürzeren, als es um die Vergabe der Tage ging. Schön, können wir gern so lassen. Bin, wie gesagt, ohnehin kein großer Freund des Februars: Je schneller der vorbei ist, desto besser. Aber jetzt noch mal die Frage: Ist es nicht höchste Zeit für eine neuerliche Kalenderreform? Das war doch von Anfang an Murks, diese Sache mit den Monaten. Am Umlauf des Mondes um die Erde, wie der Name suggeriert, orientiert sich noch am ehesten der Februar, wobei der mittlere Mondmonat nicht 28, sondern 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden lang ist.

Leute, so kann man doch nicht arbeiten! Wenn das ohnehin alles schon so durcheinander ist, kann man nicht gleich eine ganz neue Zeitrechnung beschließen, so wie 1582, als mit der Einführung des gregorianischen Kalenders mal eben die Tage zwischen dem 4. und dem 15. Oktober gestrichen wurden?

Im Jahr 3502016 wird der Februar nur 27 Tage haben

Erste kreative Bemühungen gibt es bereits: Der Düsseldorfer Rosenmontag findet dieses Jahr am 13. März statt. Wenn es um gutes Wetter gehen sollte, hätten sie sich allerdings gleich an den Nachbarn aus Köln orientieren können, die ihren traditionellen Sommerkarneval "Jeck im Sunnesching" Ende August feiern. Ein schönes Vorbild ist hier die britische Königin, die ihren eigentlichen Geburtstag (21. April) traditionell am zweiten Samstag im Juni begeht, dieses Jahr allerdings gleich drei Tage lang, ergänzt durch ein paar zusätzliche Pferdeparaden Mitte Mai. Ist ja auch Lisbeths Neunzigster, da muss das mal drin sein.

Prinzipiell finde ich die Idee, sich der ja ohnehin völlig willkürlichen Kalenderrechnung zu widersetzen, indem man seinen persönlichen Lieblingstag zum Feiertag erklärt, sehr sympathisch. Die Zeit wird ohnehin immer knapper: Die Gezeiten bremsen die Erdrotation langsam, aber sicher ab, schon im Jahr 3502016 wird der Februar nur noch 27 Tage haben. Carpe diem! Meine Geburtstagsparade findet dann wie gewohnt am 33. Juni statt.

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