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Friedensnobelpreis für einen leeren Stuhl

Chinas Staatsfeind Nr. 1, der Bürgerrechtler Liu Xiaobo, ist in Oslo in Abwesenheit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Demonstrativ legte der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees die Urkunde auf einen leeren Stuhl und forderte die sofortige Freilassung des Dissidenten.

Begleitet von scharfen Protesten aus Peking ist am Freitag in Oslo der Friedensnobelpreis an den inhaftierten chinesischen Schriftsteller und Menschenrechtsaktivisten Liu Xiaobo verliehen worden. Der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Thorbjoern Jagland, legte die Auszeichnung symbolisch auf einen leeren Stuhl. Weder Liu, der in China im Gefängnis sitzt, noch seine unter Hausarrest stehende Ehefrau Liu Xia konnten an der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt teilnehmen.

Jagland forderte in seiner Rede die Regierung in Peking auf, den Preisträger freizulassen. "Liu hat nur seine Bürgerrechte ausgeübt. Er hat nichts Falsches getan", sagte Jagland. "Er muss freigelassen werden."

Medaille und Preisgeld werden aufbewahrt

Urkunde und Medaille für den Friedensnobelpreis sowie das Preisgeld in Höhe von 10 Millionen schwedischen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) sollen in Oslo aufbewahrt werden, bis Liu sie persönlich entgegennehmen kann. Der Schriftsteller wurde 2009 in China wegen Untergrabung der Staatsgewalt zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Regierung in Peking bezeichnet den Mitverfasser der Charta 08, die tiefgreifende politische Reformen in China fordert, als "Kriminellen".

China hat am Freitag die Live-Übertragung von der Vergabezeremonie für den Friedensnobelpreis an den inhaftierten chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo aus Olso blockiert. Der Bildschirm war sowohl beim amerikanischen Nachrichtensender CNN wie auch bei der britischen BBC schwarz. Auch die Webseite des norwegischen Nobelkomitees mit der Übertragung im Internet war gesperrt. Die chinesische Zensur hatte zuvor schon die ohnehin weitreichenden Internetsperren noch verschärft.

20 Staaten nahmen nicht an der Verleihung teil

Einschließlich China haben etwa 20 Staaten Norwegens Einladung zur Teilnahme an der Verleihung abgelehnt, darunter Afghanistan, Irak, Iran und Russland. Die meisten der Länder unterhalten enge wirtschaftliche oder militärische Verbindungen zur Volksrepublik, wollen Peking nicht verärgern oder verfolgen selbst einen harten Kurs gegen Regierungskritiker im eigenen Land.

Dem hingegen setzt sich die Bundesregierung weiter für die Freilassung von Liu ein. Liu habe sich mutig für die politische Freiheit und die Menschenrechte eingesetzt, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. "Insbesondere hat er sich immer wieder dafür ausgesprochen, diesen Kampf mit friedlichen Mitteln zu führen." Die Regierung bedauere es ausdrücklich, dass es Liu Xiaobo nicht gestattet worden sei, an der Preisverleihung in Oslo teilzunehmen, sagte Steegmans. "Die Bundesregierung wird sich weiter für seine Freilassung einsetzen", kündigte er an.

be/DPA/DAPD/AP/AP/DPA
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