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Barfuß trotz Happyend

Weil ein New Yorker Polizist einem Obdachlosen Schuhe geschenkt hat, wurde er zum Helden. Doch der Mann von der Straße ist wieder barfuß unterwegs.

Von Sophie Albers

  Polizist Lawrence DePrimo ist zum Symbol für Menschlichkeit geworden. Der obdachlose Jeffrey Hillman versteht die Welt nicht mehr.

Polizist Lawrence DePrimo ist zum Symbol für Menschlichkeit geworden. Der obdachlose Jeffrey Hillman versteht die Welt nicht mehr.

Seine nackten, zerschundenen Füße sind berühmter als sein Gesicht. Jeffrey Hillman heißt der Obdachlose, dem der New Yorker Polizist Lawrence DePrimo in einer eisigen Novembernacht ein paar Winterstiefel gekauft hat. Eine Touristin machte ein Foto der guten Tat, das sich im Netz verbreitete. Dieser Akt der Menschlichkeit ist zum Märchen aus dem Moloch geworden, zu einem Symbol der Hoffnung auf mehr Mitgefühl ausgerechnet auf dem harten Pflaster New Yorks. Und auch der Rest der Welt hat sich an diesem emotionalen Glühwein pünktlich zum ersten Adventswochenende gewärmt. Hillman allerdings ist schon lange wieder barfuß unterwegs.

Während DePrimo in den sozialen Netzwerken als Held gefeiert wird, seitdem das Foto in der vergangenen Woche auf der Facebook-Seite der New Yorker Polizei erschien, wandert der 54-jährige Obdachlose wieder auf blanken Sohlen durch die Stadt am Hudson. Sonntagnacht war er zwischen Upper West Side und Times Square unterwegs, als die "New York Times"-Reporter Marc Santora und Alex Vadukul ihn fanden.

"Die Stiefel sind eine Menge Geld wert"

Die erste Frage galt den Stiefeln, die der Polizist am 14. November für 75 Dollar in einem Schuhladen nahe der 42. Straße gekauft hatte. Hillmans Antwort: "Ich habe sie versteckt. Sie sind eine Menge Geld wert. Ich könnte umgebracht werden." Und so wird aus dem Märchen eine düstere Fabel darüber, dass die Welt eben doch nicht so gut ist, wie Märchen sie aussehen lassen.

Er begreife die ganze Aufregung nicht, wird Hillman zitiert, der auf die Journalisten dankbar, doch gleichzeitig auch betrübt wirkte. Seine Geschichte sei veröffentlicht worden, ohne dass er je um Erlaubnis gefragt wurde. "Was habe ich davon? Ich will auch ein Stück vom Kuchen." Er erinnere sich nicht daran, dass das Foto geschossen wurde, so Hillman, aber er danke dem Polizisten von ganzem Herzen. "Ich wünschte, es gebe mehr Menschen wie ihn." Er danke allen Menschen, die damit zu tun haben. Es bedeute ihm eine Menge. Nur - anders als im Märchen - ändert sich deshalb Hillmans Leben nicht.

Nach der Armee in die Obdachlosigkeit

Vor etwa zehn Jahren sei er nach New York gekommen und habe die meiste Zeit auf der Straße gelebt, so der Obdachlose. Seine Heimat sei South Plainfield im Bundesstaat New Jersey. 1978 sei er zur Armee gegangen und habe fünf Jahre lang in den USA und Deutschland in Armeeküchen gearbeitet. Als Beweis zeigte Hillman den Journalisten einen vergilbten Veteranen-Pass. Nach dem Armeedienst habe er in New Jersey in verschiedenen Küchen gearbeitet, dann wurde er obdachlos. Die Frage, wie es dazu kam, lässt Hillman ins Nichts starren, so der Bericht. Nach einer langen Pause habe er den Kopf geschüttelt und gesagt: "Ich weiß es nicht."

Während des Interviews wurden Hillmans nackte Füße immer wieder von Fußgängern erkannt. Und natürlich haben sie nach den Stiefeln gefragt.

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