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Das Märchen aus dem Moloch

Die gute Tat von New York: Ein Polizist schenkt einem Obdachlosen Schuhe und wird zum Internet-Helden. Und das ist nicht der einzige Grund zur Freude im Big Apple.

Von Sophie Albers

  Polizist Lawrence DePrimo ist zum Symbol für Menschlichkeit geworden. Der obdachlose Jeffrey Hillman versteht die Welt nicht mehr.

Polizist Lawrence DePrimo ist zum Symbol für Menschlichkeit geworden. Der obdachlose Jeffrey Hillman versteht die Welt nicht mehr.

Ausgerechnet das hartgesottene New York hat die tragische Medien-Wahrheit "Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" widerlegt. Nicht nur, dass am vergangenen Montag 24 Stunden lang niemand erstochen, erschossen, erdrosselt oder sonstwie vom Leben zum Tode befördert wurde, was dem Sprecher des New York Police Department die Meldung wert war: "Schön, wenn die Woche so anfängt". Seit Tagen schlägt das Foto einer Touristin aus Arizona in den sozialen Netzwerken warme Wellen.

Darauf zu sehen ist der NYPD-Beamte Lawrence DePrimo, der einem barfüßigen Obdachlosen dabei hilft, Schuhe anzuziehen. Eine gute Tat, die den historischen Einschnitt in der New Yorker Kriminalitätsstatistik krönt. Denn so einen Tag ohne tödliches Gewaltverbrechen habe es seit Beginn der Aufzeichnungen im Big Apple nicht gegeben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Mit bisher 400 Morden sei das Jahr 2012 ein Rekordjahr des freundlicheren Miteinanders. Anfang der 90er Jahre waren es mehr als 2200 Tötungsdelikte.

Eine halbe Million Likes

Polizist DePrimo ist nun das Symbol dieser Hoffnung auf mehr Güte in "Gotham-City". Seitdem die Polizei das Foto am Mittwoch auf die hauseigene Facebook-Seite gestellt hat, wird der "Samariter in Uniform" begeistert durchs Netz gereicht. Knapp eine halbe Million User haben es geliked und in fast 40.000 Kommentaren wird die unerwartete Menschlichkeit gefeiert.

DePrimo hatte Dienst in der ehemals berüchtigten 42. Straße, als er den älteren Mann ohne Schuhe durch die eisigkalte Novembernacht wandern sah. Er habe selbst zwei paar Wollsocken in seinen Stiefeln getragen und trotzdem gefroren, zitiert "Newsday" den 25-Jährigen, der seit 2010 im Dienst ist und bei seinen Eltern in Long Island wohnt. Er habe die Blasen an den Füßen des Obdachlosen gesehen, habe ihn angesprochen und nach seiner Schuhgröße gefragt, berichtet die "New York Times". In einem Schuhladen ging es weiter mit der Menschlichkeit: Ein Angestellter gab dem Polizisten Mitarbeiterrabatt: Für 75 Dollar erstand er winterfeste Stiefel, die er dem Barfüßigen samt Wollsocken dann half anzuziehen.

Die Touristin und der Internetheld

Das war der Augenblick, als die Touristin ihr iPhone zückte. Jennifer Foster, die in Arizona als Sekretärin arbeitet, schickte das Bild samt Geschichte nach Ende ihres Urlaubs an die New Yorker Polizei. Als eine Art "Glückwunschkarte", wie sie der "New York Times" sagte. Über die Reaktion im Netz sei sie schockiert. "Ich bin nicht bei Facebook." Ebenso schockiert sei DePrimo über seinen Aufstieg zum Internet-Helden, so der Bericht.

Und der Obdachlose? Der habe sich höflichst bedankt und sei in der Nacht verschwunden, nachdem er die Stiefel an den geschundenen Füßen hatte, sagt DePrimo. Und er habe gelächelt, als habe er eine Million Dollar bekommen.

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