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Priester hilft Armen - Polizei droht mit Knast

Die Polizei in North Carolina droht Mitgliedern einer Wohltätigkeitsorganisation mit dem Gefängnis, wenn sie weiterhin Obdachlose kostenlos mit Kaffee und Sandwiches versorgen.

Von Simon Heinrich

  In allen Ländern der Welt sind Suppenküchen und ähnliche Einrichtungen vorhanden und notwendig, damit notleidende Menschen nicht hungern müssen. Hier beispielsweise in einer ökumenischen Essensausgabe in Hannover.

In allen Ländern der Welt sind Suppenküchen und ähnliche Einrichtungen vorhanden und notwendig, damit notleidende Menschen nicht hungern müssen. Hier beispielsweise in einer ökumenischen Essensausgabe in Hannover.

  • Simon Heinrich

Seit mehr als sechs Jahren verteilt Hugh Hollowell zusammen mit anderen Mitgliedern der christlichen Organisation Love Wins Ministries (LWM) in der Stadt Raleigh in North Carolina Essen und Trinken an Bedürftige. Meist sind es Sandwiches und Kaffee, Spenden von fünf umliegenden Kirchengemeinden. "Jesus sagt: Wenn ihr die Hungrigen ignoriert, dann ignoriert ihr mich", schreibt Hollowell auf der Internetseite von LWM. Er selbst ist Priester, lebt nach christlichem Vorbild. Den Bedürftigen zu helfen, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Auch am 24. August steht Hollowell um neun Uhr morgens am Moore Square in Raleigh. 70 Bedürftige haben sich bereits in einer Schlange aufgereiht, heute gibt es Sandwiches mit Würstchen. Doch gerade als Hollowell und seine Helfer mit dem Verteilen der Speisen beginnen, kommen mehrere Polizisten auf sie zu. "Wenn sie jetzt hier ihr Essen austeilen, werden wir sie mitnehmen und in eine Zelle stecken", sagt einer der Polizisten zur Begrüßung. Nie hatten sie Probleme mit der Polizei. Jedem war bekannt, dass sie jeden Samstag und Sonntag hier stehen, niemals hatte sich jemand beschwert.

Doch Hollowell will sich nicht geschlagen geben. Wie er auf der Website schreibt, fragte er die Polizisten, ob er das Essen jetzt nicht an die vielen Leute verteilen könne, die hungrig in einer Reihe stehen und auf das Essen warten, dass sie durch den Tag retten soll. Doch die Polizei bleibt bei ihrer Entscheidung: Essensausgabe gleich Gefängnis. So muss Hollowell den Leuten, denen er jedes Wochenende mit einem Lächeln das Essen gab, mitteilen, dass sie heute umsonst gekommen seien. Er müsse ins Gefängnis, würde er ihnen helfen.

Soziale Arbeit wird nicht immer belohnt

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte LWM mit der örtlichen Polizei von Raleigh niemals Probleme. Sie wussten, dass sie nicht in den Park durften, auch wenn er öffentlich war. Ein Gesetz verbietet die Essensausgabe im Park ohne Lizenz. Ob es sich um einen Essensverkauf oder eine Essensspende für Bedürftige handelt, wird in dem Gesetz nicht unterschieden. 800 Euro am Tag würde die Erlaubnis kosten. Zu teuer für die Wohltätigkeitsorganisation. Die Stadt wollte für LWM auch keine Ausnahme machen. Und das, obwohl alle anderen Essensausgabestellen am Wochenende geschlossen haben und sie die einzigen sind, an die sich die Bedürftigen wenden können.

Ihre Essensausgabe hat die LWM daher einfach auf den Bürgersteig vor den Park verlegt. Dabei achten die Organisatoren darauf, dass sie keine anderen behindern, später wird alles wieder aufgeräumt, als seien sie nie da gewesen. Hollowell beschwert sich daher, dass die Polizei keine Erklärung abgegeben habe, gegen welches Gesetz sie eigentlich verstoßen würden und warum sie nach sechs friedlichen Jahren auf einmal daran gehindert werden, Bedürftige mit Essen zu versorgen.

Der Vorfall in Raleigh ist in den USA kein Einzelfall. Im Jahr 2011 wurden in Orlando mehrere Helfer einer Organisation kurzzeitig inhaftiert, da sie in einem Park Essen an Bedürftige ausgeteilt hatten. In der Stadt war es mit Strafe bedroht, mehr als 25 Personen im Park mit Essen zu versorgen. Dass es sich um eine Armenspeisung handelte, interessierte die Verantwortlichen nicht.

In Hardford (Connecticut) wurde ein 82 Jahre alter Mann aus einem öffentlichen Park geschmissen, in dem er Obdachlosen kostenlos die Haare geschnitten hatte. Begründung: "Joe the Barber", wie ihn alle nannten, war kein lizensierter Friseur.

Bürgermeisterin sieht von Strafandrohung ab

Um auf das Geschehene aufmerksam zu machen, startete Pfarrer Hollowell einen Aufruf im Internet. Fünf Punkte sollten wenn möglich befolgt werden:

1. Schreiben Sie an die Bürgermeisterin, rufen Sie sie an und machen Sie sie auf das Geschehene aufmerksam.

2. Verteilen Sie die Links der Website und der Facebook-Seite in den sozialen Netzwerken.

3. Berichten Sie einflussreichen Freunden hiervon.

4. Verfolgen Sie die Updates auf der Website und auf Facebook.

5. Beten Sie für die Helfer und die Bedürftigen.

Das erste Update auf der Website klingt vielversprechend. Hollowell konnte in einem Gespräch mit der Bürgermeisterin Nancy McFarlane erreichen, dass niemand für die Essensausgabe in die Gefahr gerät, verhaftet zu werden. Der Status quo soll beibehalten werden, alles laufen wie bisher.

Es wird somit weiterhin eine Essensausgabe auf dem Bürgersteig geben. Er muss weiterhin sauber gehalten werden, die Ausgabe soll keinen anderen Bürger der Stadt behindern. Der Park wird weiterhin direkt neben ihnen sein. Und den Helfern und Bedürftigen weiterhin für einen Preis von 800 Dollar am Tag zur Verfügung stehen können - und somit immer verwehrt bleiben.

"Eine Gesellschaft wird nicht danach beurteilt, wie sie gegenüber den reichen Bürgern Verhält, sondern vielmehr, wie der Umgang mit den Armen und Wehrlosen aussieht", schreibt Hugh Hollowell.

Am Samstag wird er wieder auf dem Bürgersteig vor dem Park stehen und die Bedürftigen der Stadt mit Kaffee und Sandwiches versorgen. Hollowell hat die Hungrigen nicht vergessen.

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