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Berliner Rentner demonstrieren bei Filmpremiere

Wegen drohender Schließung besetzen rund 50 Senioren seit über einer Woche einen Seniorenklub in Berlin. Nun nutzen die aktiven Rentner eine Filmpremiere, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die betagten Hausbesetzer von Berlin-Pankow haben am Dienstagabend die Nähe von Filmstars gesucht, um die Öffentlichkeit auf die drohende Schließung des Seniorenklubs "Stille Straße" aufmerksam zu machen.

Klein aber fein wirkte die Aktion: Vier der rüstigen Rentner aus Niederschönhausen hielten vor der Premiere des Films "Bis zum Horizont, dann links!" im Kino in der Kulturbrauerei im Stadtteil Prenzlauer Berg entschlossen ihre Plakate hoch.

Schauspieler Ralf Wolter und Regisseur Bernd Böhlich unterschrieben dann auch auf einem Plakat der Frauen mit der Aufschrift "Der Erhalt der Begegnungsstätte Stille Straße 10 ist für uns Senioren lebenswichtig".

Täglich kommen bis zu 40 Helfer

Drinnen herrscht reges Treiben. Besucher tragen sich in die Unterstützerlisten ein. Einige Frauen geben Interviews, andere kochen Kaffee. In der Küche stapeln sich Kartoffeln, Pilze und andere Spenden. "Morgens haben uns Nachbarn auch schon Brötchen und Eier gebracht, andere kamen mit Pralinen - Nervennahrung", sagt Brigitte Klotsche. Sie ist 73 und ebenfalls in den Klub gezogen. Neben den sechs aktiven Besetzern kommen täglich bis zu 40 Helfer.

Dass sie einmal Hausbesetzerin wird, habe sie sich nicht vorstellen können, sagt die einstige Kita-Chefin Klotsche. Doch nachdem Pfeifkonzerte, Demonstrationen und Gespräche mit Politikern nicht fruchteten, hätten die Senioren keinen anderen Ausweg gesehen. "Wir sind vorsichtshalber kurz vor dem Schließungstermin hier eingezogen, damit sie nicht einfach die Schlösser austauschen können", sagt sie.

Mit ihrem Mann Peter und anderen Senioren campiert sie nun in den Räumen, in denen sonst etwa 300 Rentner pro Woche Canasta spielen, singen, tanzen oder Sprachen lernen. "Campingliegen und Isomatten - da fällt das Aufstehen schon manchmal schwer", sagt der 72-jährige Peter Klotsche. Doch für den Klub nehme er auch Schmerzen in Kauf. Seit 14 Jahren nutzen Seniorengruppen das Haus. "Wir wollen zusammenbleiben", sagt er. Eine Aufteilung auf andere Einrichtungen komme nicht infrage.

"Wir wollen ja nicht randalieren, nur besetzen"

Damit herrscht eine Pattsituation zwischen Protestlern und Bezirk. Die Senioren bekundeten auch am Tag elf der Hausbesetzung ihren ungebrochenen Willen, durchzuhalten. "Natürlich bleiben wir", sagte die Vorstandsvorsitzende der Begegnungsstätte, Doris Syrbe, am Dienstag. "Wir machen weiter, bis wir ein positives Ergebnis haben." Die Senioren hatten den Freizeitklub am 29. Juni aus Protest gegen die Schließungspläne des Bezirks besetzt.

Im Durchschnitt acht Rentner zwischen 70 und 75 Jahren übernachten Syrbe zufolge seitdem regelmäßig auf Campingliegen in der alten Stadtvilla. Tagsüber würden sie von 40 bis 50 Senioren unterstützt. Die Aktion verlaufe friedlich: "Wir wollen ja nicht randalieren, nur besetzen", sagte Syrbe.

Angst vor einer Räumung durch die Polizei müssen die Rentner nicht haben. "Wir werden den Protest nicht mit Härte beantworten", sagte Kirchner. Möglich wäre, dass ein freier Träger den Seniorentreff in Erbpacht weiter erhält. Das sei aber bislang nur eine Idee.

DPA/DPA

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