HOME

Bitte keine Werbung einschweißen

Ein 18-Jähriger hat sich mit der Deutschen Post angelegt. Er kämpft dafür, dass deren Werbung ohne Plastikhülle verschickt wird. Doch der Gegner ist zäh.

Von Katharina Blaß

Die kostenlose Postwurfsendung landet jeden Samstag in mehr als 20 Millionen Haushalten. Gegen ihre Plastikverpackung hat ein Mann aus Niederbayern nun eine Online-Petition gestartet.

Die kostenlose Postwurfsendung landet jeden Samstag in mehr als 20 Millionen Haushalten. Gegen ihre Plastikverpackung hat ein Mann aus Niederbayern nun eine Online-Petition gestartet.

Quer durch die Briefkästen der Republik verläuft die Demarkationslinie zwischen Schnäppchenjägern und Qualitätskäufern. Jeden Samstag fischen rund 21 Millionen Bundesbürger "Einkauf aktuell" aus den Briefkästen, eine kostenlose Postwurfsendung der Deutschen Post, bestehend aus einer Fernsehzeitung für die kommende Woche und einem Stoß Reklameprospekte. Die Schnäppchenjäger ziehen die Werbung als Samstagslektüre jeder Tageszeitung vor. Die Qualitätskäufer werfen sie mit einer Geste der Verachtung ungelesen in den - ja wohin denn eigentlich? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn das bedruckte Papier ist in eine Plastikhülle eingepackt. Muss die Folie getrennt vom Papier im Plastikmüll landen? Und wenn ja - wer macht das schon?

Ob gelesen oder nicht, "Einkauf aktuell" macht einen Haufen Müll. Bei rund 21 Millionen Exemplaren pro Woche fallen mehr als eine Milliarde Plastiktüten im Jahr an. Fabian Lehner aus Niederbayern stinkt das gewaltig. Er möchte dies nun das ändern. Der 18 Jahre alte Azubi hat eine Online-Petition gestartet, in der er den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post auffordert, auf die Plastik-Ummantelung zu verzichten.

Er formuliert sein Anliegen messerscharf und eindeutig: "Hören Sie auf, die Umwelt mit unnötigen Plastikfolien zu belasten. Stoppen Sie die Verpackung von "Einkauf Aktuell" in Plastikfolien", schreibt Lehner in seiner Petition, die bereits fast 60.000 Mitunterzeichner gefunden hat.

Das ist aber noch nicht alles, was Fabian Lehner im Kampf mit der Deutschen Post initiiert. Auf der Internetseite der Petition ruft er dazu auf, die Werbung wieder zurück in einen Briefkasten der Post zu werfen mit dem Vermerk "Annahme verweigert". Ein Foto davon soll dann auf Twitter verbreitet werden. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran:

Lehner hat die Unterschriften nun auf Papier ausgedruckt und persönlich Mitarbeitern der Post überreicht. Die Post reagiert allerdings gelassen auf die Kritik des jungen Mannes. "Alternative Möglichkeiten der Prospektbündelung wurden und werden von der Deutschen Post geprüft", sagt ein Sprecher der Post. Allerdings stellten recycelbare Folienumhüllungen aus Polyethylen unter Berücksichtigung von Rohstoffeinsatz, Energieaufwand und Wasserverbrauch bei der Herstellung, Gewicht und ihrer Anwendbarkeit die beste Wahl dar, heißt es weiter. Ein Verzicht auf Plastik steht demnach nicht zur Debatte. Außerdem habe "die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, dass die einfache Haushaltswerbung häufig geknickt und manchmal sogar vom Regen durchweicht beim Empfänger landet." Nicht nur den Firmen, die die Anzeigen schalten wichtig, auch die Empfänger würden dies begrüßen.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren