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Der heimliche Höhepunkt des Kirchentags

20 000 Christen aller Konfessionen haben bei einer orthodoxen Vesper auf dem Münchner Odeonsplatz gesegnetes Brot, Wasser, Olivenöl und Äpfel geteilt. Zur Artoklasia, wie die orthodoxe Feier heißt, darf - anders als zur katholischen Eucharistie - jeder gehen.

Es ist ein bewegender Höhepunkt des 2. Ökumenischen Kirchentages: 20 000 Menschen sind am Freitagabend zur orthodoxen Vesper auf dem Münchner Odeonsplatz, um miteinander gesegnetes Brot, Wasser, Olivenöl und Äpfel zu teilen. Bis weit auf die angrenzende Ludwigstraße stehen 1000 Tische, an denen sich Christen aller Konfessionen versammeln. Katholiken und Lutheraner, Orthodoxe, Anglikaner, Baptisten und viele andere - eine ungewohnte Tischgemeinschaft, die die Menschen begeistert und in der viele ein hoffnungsvolles Zeichen für ein besseres Verständnis der Christen sehen. Zur Artoklasia, wie die orthodoxe Feier heißt, darf - anders als zur katholischen Eucharistie - jeder gehen.

Fast zwei Stunden lang dauert der Gottesdienst, bei dem die meisten trotz Kälte mit Begeisterung dabei sind. "Ich verstehe Ökumene weiter als nur evangelisch und katholisch", sagt die Nürnbergerin Monika Ortlieb. Sie ist beeindruckt von der Würde des Gottesdienstes: Ikonen von Christus und der Gottesmutter Maria mit Jesuskind, Kerzen, Weihrauchfässer, die bei jedem Schwenken leise klingeln - und das alles getragen von mehrstimmigen Chören, im höchsten Sopran und im tiefsten dröhnenden Bass.

Dann der Segen des Brotes, den Metropolit Augoustinos von der griechisch-orthodoxen Kirche in Deutschland spricht, wieder Lobgesänge, ein gemeinsames Vater-Unser und schließlich die Einladung des evangelischen Kirchentagspräsidenten Eckhard Nagel, die Brote zu brechen. "München wird so zum Herzen der Ökumene", sagt er. Die weißen Decken auf den Tischen werden abgedeckt, Wasserkrüge aus rotem Ton, Äpfel, Becher und Flaschen mit Olivenöl kommen zum Vorschein, Helfer bringen das Brot in Körben. Ein Fladen für jeden Tisch.

Der Berliner Sebastian Gold ist einer der Freiwilligen, die einen der 1000 Tische begleiten. Die orthodoxe Kirche ist ihm fremd, doch er war neugierig. Er habe den Gottesdienst mit großer Hochachtung erlebt, sagt der Katholik. "Dieser Respekt vor dem Ritus ist etwas besonderes, es gibt diesem Kirchentag eine besondere Note." Besonders haben ihn die Chöre mit ihren orientalisch anmutenden und bisweilen meditativen Gesängen und die Feierlichkeit fasziniert.

"Wenn Sie in ihren Heimatorten zurück sind, gehen Sie aufeinander zu, so wie Sie heute aufeinander zugegangen sind!" gibt der Metropolit den Menschen vor dem Schlusssegen mit auf den Weg. "Besuchen Sie sich gegenseitig und fassen Sie dabei in Erinnerung an den heutigen Abend auch ihre orthodoxen Nachbarn ins Auge, schließen Sie sie wenn möglich in ihr Herz!"

DPA/DPA
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