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Nur ein bisschen rechts

Seit Wochen demonstrieren Menschen gegen Islamisierung und fechten verbale Schlachten im Internet: Dank der Pöbelkultur auf Facebook scheint Ausländerfeindlichkeit wieder salonfähig zu sein.

Von Katharina Grimm

  Zuerst gingen nur in Dresden einige hundert Menschen auf die Straße. Inzwischen finden die sogenannten Pegida-Demos auch in anderen Städten statt.

Zuerst gingen nur in Dresden einige hundert Menschen auf die Straße. Inzwischen finden die sogenannten Pegida-Demos auch in anderen Städten statt.

Eigentlich sind soziale Netzwerke ja prima: Wir können uns mit Menschen verbinden, die wir aus den Augen verloren haben, interessante Artikel, gute Musik und Filme mit Freunden teilen und uns mit wildfremden Menschen austauschen. Vor allem der letzte Punkt ist nicht nur Segen, sondern auch Fluch: Je stärker ein Thema polarisiert, um so mehr vergessen Menschen den Respekt voreinander und pöbeln aufeinander los. Verbale Schlägereien mit unterschiedlicher intellektueller Bewaffnung. Aktuellstes Beispiel: Die Diskussionen um Pegida.

Zielgruppe: Wut- und Angstbürger

Gingen zunächst in Dresden nur einige hundert Menschen auf die Straße, um gegen Asylmissbrauch und Islamisierung zu demonstrieren. Entzwischen sind es tausende - und auch in anderen Städte starten Demos der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Die Veranstaltungen locken höchst unterschiedliche Teilnehmer: Die "Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen"-Bürger, besorgte und fremdenängstliche Anwohner und Eltern, die ihre Kinder schützen wollen (wogegen genau, ist da unklar). Dazu kommen die wirklich Rechten, die sich unter die Masse der Verunsicherten mengen und den Veranstaltungen einen zusätzlichen Rechtsdrall geben.

Die Dynamik der Demos verlängert sich in die sozialen Netzwerke. Was dort geschrieben wird, hat längst nichts mehr mit friedlichem Protest zu tun, sondern zeigt, dass rechte Parolen offensichtlich wieder salonfähig sind.

Lügenpresse und Gotteskrieger

Allein die Kommentare auf Facebook zu einem Pegida-Artikel des stern offenbaren rechte Hetze. Da wird gewettert, dass durch die Demos verhindert werden soll, dass Christen in Deutschland die Köpfe abgeschlagen werden. Auch warnen viele User vor der Islamisierung - doch wie die aussieht, wo sie bereits geschieht und wen das betrifft, sagt keiner. Aber sicher sind sich die Wut- und Angstbürger, dass islamische Gotteskrieger die deutsche Kultur unterdrücken. Und einer ärgert sich, dass in einer Turnhalle kein Sportunterricht mehr stattfinden kann, weil der Bau als Notunterkunft für Flüchtlinge herhalten muss.

Auch die Facebook-Seite von Pegida zeigt sehr deutlich, dass der Vorsatz, nicht ausländerfeindlich zu sein, entweder nicht funktioniert oder vorgeschoben ist. "Ich habe heute in Köln genug Ratten gesehen, diese Sozialschmarotzer und verblödeten Gutmenschen", schreibt dort ein User. Und ein anderer kommentiert: "In Westeuropa tobt schon lange ein Krieg. Alle Merkmale des Krieges sind vorhanden: Vergewaltigungen, Plünderungen, willkürliche Tötung von Menschen, eine verlogene Justiz, die die Täter oft unbestraft davon kommen lässt, korrupte Politiker, die nichts dagegen unternehmen."

Gemeinsamer Nenner: Ob Muslime oder Islamisten - das sind alles Verbrecher, die Deutschland bedrohen. Die Politik tut nichts, die "Lügenpresse" ist gekauft und das Volk äußert nur seine Meinung und nimmt den Kampf gegen die Bedrohung nun selbst in die Hand.

Gegen-Demo in Dresden

Allerdings: Es gibt Widerstand im Netz. Und auch die Pegida-Demos bekommen zunehmend Gegenwind. In Dresden gehen am Montagabend nicht nur die Islam-Kritiker auf die Straße, sondern auch ein Netzwerk aus Parteien, Gewerkschaften und Bündnissen. Slogan der Veranstaltung: "Dresden für alle". Und auch im Netz sammeln sich die Pegida-Kritiker. So kommentiert ein Facebook-User: "Der Gedanke der EU war mal Frieden durch Wohlstand zu erreichen. Das ist lange gutgegangen. Jetzt muss man Wege finden, Wohlstand gerechter zu verteilen. Dann haben auch diese ganzen Teilzeitrechten keine Chance mehr, dass ihre Saat fruchtet."

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