HOME

18-Jähriger legt sich wegen Werbefolie mit Post an

Ein 18 Jahre alte Bayer hat viel zu tun, seitdem er sich im Kampf gegen den Plastikmüll mit der Deutschen Post angelegt hat. Die Petition war erst der Anfang.

Von Katharina Blaß

Fabian Lehner ist erst 18 Jahre alt, aber schon deutschlandweit bekannt. Er kämpft gegen die Plastikverpackung einer Werbebroschüre.

Fabian Lehner ist erst 18 Jahre alt, aber schon deutschlandweit bekannt. Er kämpft gegen die Plastikverpackung einer Werbebroschüre.

Seit Fabian Lehner in einer Online-Petition den Chef der Deutschen Post aufgefordert hat, der Umwelt zuliebe auf die Extraverpackung des Werbebündels "Einkauf aktuell" zu verzichten, hat er keine ruhige Minute mehr. Deutschlands große Medien sind an dem 18-Jährigen interessiert, E-Mails beantwortet er bis tief in die Nacht hinein. Aber wer ist der Mann hinter der Petition? Fest steht, dass er mit seiner Bitte einen Nerv der Bevölkerung getroffen hat: Die Post soll auf die Plastikhülle der kostenlosen Postwurfsendung verzichten, die jeden Samstag in mehr als 20 Millionen Haushalten landet. Fast 68.000 Menschen unterzeichneten seine Petition. Auf Facebook wird die Plastiktüte heiß von hunderten Nutzern diskutiert und auf Twitter posten Umweltschützer unter dem Hashtag #returntosender Fotos, wie sie die eingeschweißte Werbung zurück in den Briefkasten der Deutschen Post werfen. "Ich freue mich über jeden Unterstützer, damit der Druck auf die Deutsche Post wächst", sagt Lehner.

Der 18-Jährige aus dem niederbayrischen Simbach am Inn ist wohl das, was Großmütter einen "guten Jungen" nennen. Er versucht beim Einkaufen Müll zu vermeiden und ist sich nicht zu schade, bei der jährlichen Aufräumaktion der Stadt zu helfen. Nur einmal konnte er die Stadt nicht mitsäubern, denn er hatte einen wichtigen Lehrgang bei der freiwilligen Feuerwehr. "Der Umweltschutz sollte uns doch allen wichtig sein", sagt Lehner, der gerade in einer Ausbildung zum technischen Assistenten für Informatik steckt. "Ich bin selbst noch jung und kann froh sein, in einer noch intakten Umwelt leben zu können." Mit der Petition und seinem Engagement in Simbach trage er seinen Teil dazu bei, die Umwelt für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Kein Wunder also, dass Lehner erschrak, als er Anfang des Jahres zum ersten Mal die von Plastik umhüllte Werbebroschüre in seinem Briefkasten fand. "Ich kannte das vorher gar nicht." Nach kurzer Recherche stand für ihn fest, dass das Plastik ums Altpapier durchaus vermeidbar sei. Er startete sofort die Petition auf change.org. "Nun sammle ich die Werbebündel nur noch, um nach bestimmten Zeiträumen eindrucksvolle Fotos von dem immer größer werdenden Müllberg machen zu können", sagt Lehner.

David gegen Goliath

Der erste Kontakt mit der Deutschen Post lief dann nach Lehners Einschätzung alles andere als motivierend. Nach einer knapp dreistündigen Zugfahrt nach Nürnberg empfingen ihn drei Mitarbeiter in der Empfangshalle des weltweit tätigen Logistikkonzerns. Die ersten 50.000 Unterschriften sollten auf einem USB-Stick übergeben werden. Ein Besprechungsraum dafür war allerdings nicht frei. Lehner empfand den Empfang als sehr kühl, ließ sich aber nicht entmutigen. Er brachte sein Anliegen vor. "Der Mitarbeiter unterbrach mich und teilte mir mit, dass sie bei diesem Treffen nicht über Hintergründe diskutiert werden sollte, sondern rein die Übergabe stattfinden soll", sagt Lehner später. Die Deutsche Post spricht von einer Kommunikationspanne. "Wir wussten vorher nicht, dass er auch inhaltlich diskutieren möchte, deshalb war die Übergabe von uns anders geplant", sagt ein Sprecher. Nach weniger als einer halben Stunde durfte Lehner dann die Heimreise antreten. "Ich hatte eine Mischung aus Wut und Enttäuschung in mir, aber auch den Willen, die Petition auf jeden Fall weiter voranzutreiben", sagt Lehner heute. Die Deutsche Post hingegen nahm Lehner als außergewöhnlichen jungen Mann wahr: "Fabian Lehner ist nicht wie die meisten 18-Jährigen. Er war wirklich sehr ruhig, freundlich und sehr höflich", sagt die Post.

Aber Lehner lässt sich nicht unterkriegen. "Wenn ich es wirklich schaffen sollte, die Post zum Umdenken bewegen zu können, ziehen hoffentlich auch kleinere Unternehmen nach, die zum Beispiel ihre Kataloge in Plastikfolie hüllen." Bevor es aber zu einer Entscheidung kommt, werden sich die Fachgremien des Unternehmens und das Programmmanagement von „Einkauf aktuell" zusammensetzen und alternative Verpackungsmaterialen diskutieren. "Wir nehmen das Ansinnen von Fabian Lehner sehr ernst, aber wir können nicht von heute auf morgen darauf reagieren", sagt der Post-Sprecher.

Lehner nimmt es gelassen. Neben seiner Kampagne in den sozialen Medien hat er noch einiges im Kampf gegen den Müll vor. "Das bleibt aber vorerst geheim."

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren