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"Die Sommerzeit bringt nichts"

In der Nacht von Samstag zu Sonntag ist es wieder soweit: Dann muss die Uhr eine Stunde vorgestellt werden. Der EU-Abgeordnete Herbert Reul hält das für eine völlig überflüssige Maßnahme. Martina Fietz hat mit ihm gesprochen.

Was bezwecken Sie mit Ihrer alljährlichen Aktion gegen den Wechsel von der Winter- zur Sommerzeit?

Zweimal im Jahr müssen wir die Uhren umstellen, obwohl es keine sinnvolle Begründung dafür gibt. Deshalb will ich das ändern. Politische Maßnahmen, die sich nicht als sinnvoll erweisen, müssen zurückgenommen werden. Mich stört die mangelnde Fähigkeit und Bereitschaft, unsinnige Beschlüsse zu korrigieren. Das Umstellen der Uhren können wir uns ersparen. Es bringt nichts.

Hinter dem Wechsel steht das Argument des Energiesparens? Bringt die Sommerzeit da keine positiven Resultate?

Bei der Einführung der Zeitumstellung hat man auf Energieeinsparungen gehofft. Heute wissen wir, dass diese Maßnahme nichts gebracht hat. Ich habe bis heute noch keine schlagkräftigen Begründungen oder Beweise vorgelegt bekommen. Es gibt sogar Studien aus den USA, die zum gegenteiligen Ergebnis kommen, dass nämlich mehr Energie verbraucht wird.

Wieso?

Durch die Sommerzeit bleibt es länger hell, sodass auf der einen Seite weniger Energie am Abend verbraucht wird. Diese Energie entfällt größtenteils auf Beleuchtung, also Licht. Auf der anderen Seite wird jedoch in den Morgenstunden mehr Energie verbraucht, unter anderem zum Heizen. In den USA wurde für den Staat Indiana beides gegeneinander aufgerechnet und am Ende kam heraus, dass durch die Umstellung auf die Sommerzeit sogar mehr Energie verbraucht wird. Durch die Einführung von Energiesparlampen wird sich in Zukunft dieser Effekt noch verstärken.

Gibt es ansonsten Probleme?

Es gibt Menschen, die gesundheitliche Probleme mit der Zeitumstellung haben. Es gibt Schwierigkeiten in der Landwirtschaft, im Straßenverkehr, ganz zu schweigen von dem Aufwand, der jedes Mal betrieben werden muss. Außerdem müssen eigentlich die Zeitumsteller beweisen, dass ihre Maßnahme Sinn macht und nicht umgekehrt.

Welche Resonanz erzielen Sie?

Zu keinem Thema bekomme ich so viele Zuschriften, Mails und Anrufe. Die meisten stimmen mir zu, wenige wollen den Biergartenabend gesichert haben.

Haben Sie international Verbündete?

Bisher habe ich mich auf Deutschland konzentriert. Natürlich habe ich im Europäischen Parlament und bei der Kommission für mein Anliegen geworben. Aber es gibt keine Unterstützung bei den Regierungen und im Apparat. Aber das heißt ja nicht, dass man die Bemühungen einstellen muss oder darf. Ich jedenfalls bleibe am Ball.

Wie realistisch schätzen Sie es ein, dass der Wechsel irgendwann abgeschafft wird?

Zurzeit habe ich viel Unterstützung in der Bevölkerung, aber wenig bei den politischen Entscheidern. Aber das kann man ja ändern. Wenn Politiker merken, dass die Menschen sich äußern, kommen sie meistens in Bewegung.

Was ist der Grund für die mangelnde Unterstützung aus der Politik?

Leider fällt es oft schwer, einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren, auch wenn die erwarteten Ergebnisse nicht eingetreten sind. Der öffentliche Druck ist offensichtlich noch nicht groß genug.

Cicero
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