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kreuz.net - jetzt nur noch "Error"

kreuz.net, das Portal, das den schwulen Comedian Dirk Bach brutal verunglimpft hatte, ist abgeschaltet. Die Gründe sind unklar. Waren es Hacker, die Behörden - oder die anonymen Hintermänner selbst?

Von Alina Bube, Lutz Kinkel und Elias Schneider

Von:

Alina Bube und Elias Schneider

Error - The requested URL could not be retrieved - wer eine Netzadresse falsch schreibt, zum Beispiel Google mit drei "o", erhält diese Nachricht. Sie bedeutet: "Fehler. Diese Seite konnte nicht gefunden werden." Es gibt diese Homepage schlicht nicht - oder sie ist offline. Diese Meldung bekommt derzeit auch jeder, der die katholische Hetzseite kreuz.net ansteuert. Seit zirka ein Uhr am Sonntagmorgen ist die Seite off, und blieb es auch am Montag. Es ist die bisher längste "Downtime" des seit 2004 bestehenden Portals, das für seine kruden, schwulenfeindlichen, antisemitischen und menschenverachtenden Artikel berüchtigt ist.

Über die Hintergründe für das Verschwinden von kreuz.net wird gerätselt. War es ein erfolgreicher Hacker-Angriff? Diese Variante gilt als eher unwahrscheinlich, da sich das Portal in der vergangenen Jahren technisch so gut zu schützen wusste, dass es sämtliche Angriffe abwehren konnte. Der Theologe und Initiator der "Stoppt Kreuz.net"-Initiative, David Berger, ist bei der Bewertung deshalb vorsichtig. Die Downtime sei "ein Zeichen dafür, dass dort große Verunsicherung herrscht", sagt er. Es sei durchaus möglich, dass sich die Hassseite für einige Wochen ins Off zurückziehe, um danach zurückzukehren. Eventuell würden die Macher die Zeit nutzen, um die Seite auf neuen, sichereren Servern zu platzieren.

Aktiv Spuren verwischt

Gegenüber Spiegel-Online erklärte Berger jedoch auch, dass der aktuelle Ausfall eine neue Qualität besitze: "Diesmal sind sie schon anders offline, als in bisherigen Fällen", sagt er, die DNS-Adresse werde nicht mehr aufgelöst. Soll heißen: Zwischen dem Schriftzug "kreuz.net" und der dazugehörigen IP-Adresse wurde die Verbindung gekappt - Webbrowser können die Seite deshalb nicht mehr aufrufen. Ursache könnten Hacker, behördliche Eingriffe oder eben die Eigeninitiative der Betreiber sein.

Berger spricht von einem "Etappensieg". In den vergangenen Tagen sei die Luft für die kreuz.net-Macher immer dünner geworden. Unter dem öffentlichen Druck sprangen nach Beobachtung Bergers immer mehr Autoren ab: Alte Artikel wurden daraufhin erneut publiziert, um Aktivität zu simulieren. Außerdem seien kurz vor der Abschaltung aktiv Spuren von Autoren und Helfern in Kommentaren und Artikeln verwischt worden.

Koalition der Hetzer

Berger hatte Anfang November eine Liste mit vier Namen bei der Berliner Staatsanwaltschaft eingereicht. Kirchenmitarbeiter aus Österreich, der Schweiz und Deutschland sollen sich an der Hetzseite beteiligt haben. Die Informationen, die staatsanwaltliche Ermittlungen nach sich zogen, waren aufgrund der "Stoppt kreuz.net"-Initiative zusammen gekommen. Nachdem das Hetzportal den verstorbenen homosexuellen Comedian Dirk Bach mit den Worten verunglimpft hatte, er schmore nun in der "Homo-Hölle", hatten Berger und der Gmünder-Verlag einen fünfstelligen Betrag für die Enttarnung der kreuz.net-Hintermänner ausgelobt.

Der erste Deutsche, der ins Visier der Öffentlichkeit geriet, war Pfarrer Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz. Zunächst stritt er jegliche Beteiligung an kreuz.net ab, räumte dann einen "leichtfertigen Umgang" mit der Hetzseite ein, um schließlich zuzugeben, dass er Artikel zugeliefert hatte. Jolie entschuldigte sich beim Mainzer Bischof Karl Lehmann für sein "unkluges und unüberlegtes Handeln" und trat als Sprecher des erzkonservativen "Netzwerks Katholischer Priester" zurück. Arbeitsrechtliche Konsequenzen hat er offenbar nicht zu befürchten - obwohl die Deutsche Bischofkonferenz genau dies angekündigt hatte, sollte sich ein Kirchenmitarbeiter an kreuz.net beteiligen.

Auf Twitter sind nach der Nachricht die ersten nachdenklichen Kommentare zur Abschaltung gelaufen. So schrieb der User Jan Schnorrenberger: "Gegen http://kreuz.net haben wir letzten Endes erst dann gewonnen wenn die Inhalte nicht mehr in der Gesellschaft zustimmungsfähig sind."

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