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RTL-Reporter gibt sich als Pediga-Demonstrant aus

Ein RTL-Reporter mischt sich undercover auf eine Pegida-Demo. Dort gibt er in einem Interview rechte Ansichten von sich - ohne sich als Journalist zu erkennen zu geben. RTL gerät in Erklärungsnot.

Von Finn Rütten

  Nach der Panorama-Sendung meldete sich der RTL-Reporter bei der ARD

Nach der Panorama-Sendung meldete sich der RTL-Reporter bei der ARD

Die Pegida-Demonstranten haben den Ruf, nicht mit etablierten Medien zu sprechen. Das hat RTL veranlasst, einen verdeckten Reporter unter die Protestler von Dresden zu mischen. Der Journalist habe "Stimmungen und Aussagen für eine spätere Berichterstattung aufzugreifen" versucht. Dabei ging er so sehr in seiner Rolle auf, dass er einem Fernsehteam der ARD-Sendung "Panorama" ein Interview als besorgter Abendland-Bürger gab – ohne den Kollegen von seiner Undercover-Tätigkeit zu erzählen. Dabei sprach er von "zu vielen Türken im Straßenbild" und fragte sich, ob man "in Deutschland überhaupt noch deutsch sei".

"Panorama" veröffentlichte das Gespräch als Teil einer Reportage über die Demonstrationen. Erst dann meldete sich der Reporter und beteuerte, es habe sich nicht um seine Ansichten gehalten, alles sei Teil der Rolle gewesen. Warum der RTL-Mann überhaupt vor die Kamera trat und das Interview gab, bleibt wohl sein Geheimnis.

RTL veröffentlicht Stellungnahme

Der Sender fühlte sich mittlerweile dazu veranlasst, eine Erklärung zu veröffentlichen. Darin heißt es, der Reporter habe, vom Panorama-Team für ein Interview angesprochen, drei Möglichkeiten gehabt: "Nichts sagen, sich als Kollege outen – oder in der gespielten Rolle eines Pegida-Anhängers verbleiben." Er habe sich für Möglichkeit drei entschieden - und damit die eindeutig falsche Entscheidung getroffen. Seine Aussagen gäben weder seine Meinung noch die von RTL wider.

Besonders bitter an der Geschichte ist, dass "Panorama" mit dem Beitrag für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit im Journalismus sorgen wollte. Die Pegida-Demonstranten kamen unkommentiert zu Wort. So sollte sich der Zuschauer sein eigenes Bild von der Situation vor Ort machen können. Im Internet veröffentlichte man die gesamten Interviews ungeschnitten.

Panorama zeigte sich wenig begeistert von der Aktion des RTL-Kollegen. Redaktionsleiter Volker Steinhoff schrieb auf der Webseite des Magazins: "Das geht gar nicht! Damit gibt man denen ein gutes Argument, die immer 'Lügenpresse' rufen."

Das Video zum Panorama-Beitrag finden Sie hier:

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