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Autofahren gefährdet Ihre Gesundheit!

In Saudi-Arabien ist es Frauen verboten, Auto zu fahren. Klingt nach Bevormundung und religiösem Hardlinertum. Alles Unfug, sagt ein saudischer Scheich. Ihm liege die Gesundheit der Damen am Herzen.

Von Jens Wiesner

  Frau am Steuer, Ungeheuer? In Saudi-Arabien dürfen Frauen seit kurzem Fahrräder und Motorbikes fahren - allerdings nur in Erholungsgebieten, voll verschleiert und unter männlicher Aufsicht. Autofahren ist weiterhin verboten.

Frau am Steuer, Ungeheuer? In Saudi-Arabien dürfen Frauen seit kurzem Fahrräder und Motorbikes fahren - allerdings nur in Erholungsgebieten, voll verschleiert und unter männlicher Aufsicht. Autofahren ist weiterhin verboten.

  • Jens Wiesner

Erst kommt die Cola - und dann wollen Frauen auch noch Autofahren! Seit Jahren schon warnen besorgte saudische Bürger vor einer fortschreitenden Verwestlichung ihrer Gesellschaft. Doch einige Damen wollen einfach nicht hören, klemmen sich hinter das Lenkrad und düsen los. Für den 26. Oktober haben Aktivistinnen gar zu einem Frauenfahrtag aufgerufen. Und selbst einige Männer scheuen sich nicht mehr, den fahrenden Frauen ihre offene Unterstützung zu zeigen.

Saleh bin Saad al Lehaydan verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. Schließlich besitzt der saudische Scheich seit Jahren Einsicht in wissenschaftliche Studien, die so geheim sind, dass sie der Allgemeinheit bislang vorenthalten wurden. Aber nun, wo die Einschläge immer näher kommen, wo die Gefahr vor der Tür lauert, musste es einfach raus.

Eine Frau, die regelmäßig Auto fährt, bringe ihre Gesundheit und die ihrer neugeborenen Kinder in Gefahr, erklärte der Geistliche am Freitag auf der saudischen Newsseite Sabq. In der Wissenschaft der funktionellen Physiologie sei dieses Thema eindeutig erforscht worden. Die Körperhaltung beim Autofahren drücke "das Becken nach oben" und könne die "die Eierstöcke spontan schädigen". Bevor sich Frauen am 26. Oktober hinter das Steuer setzen, sollten sie diese Erkenntnisse dringend beachten.

Lasst alle Sitten fahren!

Nun ist Saleh bin Saad al Lehaydan nicht irgendwer. Unter anderem berät der Scheich die Gesellschaft für Psychologie der Golfstaaten in Rechts- und Psychologiefragen. Ein Mann vom Fach also. Und doch wollen ihm viele Menschen seine Warnungen nicht so recht abnehmen - auch, weil der Geistliche vergaß, weitere Belege oder gar Studien vorzulegen. Könnte die gefährliche Position am Lenkrad nicht auch beim Mann für einen Samenstau sorgen?

Wie es sich im 21. Jahrhundert gehört, wird das Interview nun heftig auf Twitter diskutiert - unter dem zugegeben etwas sperrigen Hashtag #قيادة_المرأة_تؤثر_على_المبايض_والحوض (übersetzt: "Autofahren von Frauen schädigt Eierstöcke und Becken"). Einige Menschen, vornehmlich Männer mit langen Bärten, springen Scheich Lehaydan bei und sehen westliche Hintermänner am Werk, die der Gebärfähigkeit der Damenwelt auf perfide Weise schaden wollen: "All diejenigen, die am 26. Oktober zu einem Frauen-Fahrprotest aufrufen, liegen am Busen des Westens. Sie werden groß und fett und trinken dessen Milch", echauffiert sich etwa ein User namens "mshanarm". Mit einer Fotomontage warnen die Protestgegner, wohin fahrende Frauen ihr Land noch steuern würden: mitten hinein in Kommunismus, Liberalismus - und in die Drogensucht sowieso.

Mit Ironie und Spott gegen die Ewiggestrigen

Die andere Seite, längst hat sie aufgegeben, ernsthaft in die Diskussion einzusteigen, antwortet mit Ironie und Spott: "Wenn Idiotie sich in der Kirche mittelalterlicher Traditionen mit Dogma vermählt, kommt dies dabei raus", ätzte die Twitter-Nutzerin Shamael Al-Sharikh.

7oor bat die Gegner der fahrenden Frauen freundlich darum, sich doch zumindest eine gute Ausrede auszudenken. Und Mohammed al Muharraqi überraschte seinerseits mit dem letzten News aus der Scientific Community: "Nach langen klinischen und psychologischen Tests haben Wissenschaftler herausgefunden, warum Frauen nicht Einparken können… Eierstöcke."

Der hohe Sockel

Aber seien wir an dieser Stelle nicht zu überheblich - auch wenn wir in Deutschland freilich über einen deutlichen Wissensvorsprung verfügen: Schon Ende der sechziger Jahre warnten uns die Öffentlich-rechtlichen in ihrer Sendung "Der Siebte Sinn" vor den Gefahren einer Frau am Steuer.

Wer weiß? In einem Land, in dem Mario Barth ganze Fußballstadien füllt, glauben einige arme Seelen vielleicht wirklich daran, dass Autofahren die Gebärfahigkeit einer Frau beeinträchtigt. Onanieren macht schließlich auch blind.

PS: Der Autor dieser augenzwinkernden Zeilen dankt der Bürgerjournalistenseite "Global Voices" für die Übersetzung der Tweets aus dem Arabischen.

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