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Jesus plätschert nicht in der Designerwanne

Ob Tebartz-van Elst getrickst und betrogen hat, ist inzwischen ohne Belang. Der Bischof hat nicht verstanden, dass die Zeit der barocken Protzkirche vorüber ist. Darum muss er gehen.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

  Der Bischof von Limburg hat Geschmack - und den lässt sich er sich auch etwas kosten

Der Bischof von Limburg hat Geschmack - und den lässt sich er sich auch etwas kosten

Die Kirche bin ich - das selbstbewusste Motto Ludwig XIV. scheint abgewandelt auch für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu gelten: Kaum saß er in seiner Diözese sicher im Sattel, hat er gehandelt, wie es im behagte, und steht jetzt vor den Trümmern seines Tuns. Ob hier alte Rechnungen beglichen wurden, ob gezielte Indiskretionen aus dem engsten Kreis dem Bischof schaden sollten, ist kirchenintern spannend. Für Kritiker und Gläubige ist das ohne Belang, das Handeln des Bischofs ist nicht zu vermitteln.

Gebäude von Rang

Auch die Frage, ob hier sinnlos geprotzt oder aber ein architektonisches Kleinod geschaffen wurde, löst nicht die Frage der Akzeptanz. Für den Kunstverstand des Bischofs spricht, dass sein Bau Qualität hat, nur rettet guter Geschmack nicht die falschen Entscheidungen. Ob Beratungsgremien getäuscht oder doch einbezogen wurden, ist juristisch bedeutsam. Sollte das der Fall sein, hat der Bischof nicht nur gefehlt, dann hat er sich sogar strafbar gemacht. Ist dies nicht der Fall, kann es den Bischof umgekehrt aber auch nicht retten.

Schluss mit der Protzkirche

Das Problem des Franz-Peter Tebartz-van Elst ist, dass er die Zeichen seiner Zeit nicht erkannt hat. Die Zeit einer triumphierenden Kirche, die obszöne Goldschätze und Prachtbauten anhäuft, ist Gott-sei-Dank abgelaufen. Dem Prassen der Jahrhunderte verdanken wir heute Kunstsammlungen und Baudenkmäler. Aber niemand sollte glauben, diese Bauten seien Zeugnisse der Opferbereitschaft des frommen Volkes. Der Prunk der Kirche ist immer aus dem unheiligen Bündnis des Glaubens mit den jeweils Mächtigen entstanden. Den Armen wurde das Ihre mit Gewalt und der Androhung von Höllentrafen abgepresst - zur Not auch nur, um die Mätressen der Kirchenfürsten prunkvoll unterzubringen. Kunstgeschichtler mögen es bedauern, aber eine Kirche des Volkes wäre ohne Petersdom und Sixtinische Kapelle ausgekommen.

Kirchensteuer verdirbt die Sitten

In anderen Ländern hat man das längst schmerzlich begriffen, dort ist die Kirche auf die Spenden der Gläubigen angewiesen. In Deutschland leben die mittelalterlichen Verhältnisse durch die Kirchensteuer in moderner Gestalt fort. Der Staat zieht den Kirchen-Zehnten einfach mit der Steuer ein. Darum sind die Kirchen in Deutschland immer noch die reichsten der Welt und nur darum kann ein kleines Bistum überhaupt in die Versuchung kommen, Summen von 30 Millionen und mehr in ein repräsentatives Gebäude zu stecken.

Unkluges Vorgehen

Ein etwas sensiblerer oder auch nur gewitzterer Kirchenfürst als Franz-Peter Tebartz-van Elst hätte vielleicht einen prächtigen Bischofssitz errichtet, den Ausbau der Privaträume aber bewusst karg ausfallen lassen. Hätte der Bischof, wie viele seiner Priester, privat mit altem Mobiliar, einer schlichten Bettstatt und einer einfachen Gebetsecke vorliebgenommen, wäre ihm viel erspart geblieben. Die Trennung zwischen den Erfordernissen des Amtes und der eigenen Lebensführung wäre offenkundig gewesen, so aber vermischt sich beides auf das Unangenehmste.

Die heutige Kirche hält den Mächtigen der Welt gerne die christliche Botschaft entgegen. Plakative Zuspitzungen sind dabei durchaus üblich. Jesus würde die Migranten aus Afrika nicht im Mittelmeer ertrinken lassen, muss sich etwa die EU sagen lassen. Aber Jesus würde sich wohl kaum kitschig-goldige Türdrücker anfertigen lassen und würde auch nicht abends in einer edlen Designerwanne vor sich hin planschen.

Einkehr und Bescheidenheit

Anders als Sonnenkönig Ludwig IVX. hat ein Bischof zum Glück zwei Instanzen über sich: Gott und den Papst. Wenn Gott schweigt, kann der Papst reden. Um weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden, wird es Zeit, dass der Stellvertreter seinem Bischof den Weg weist. Auch für das Seelenheil des Franz-Peter Tebartz-van Elst wäre es sicher richtig, das Amt zu verlassen, um in Abgeschiedenheit und deutlich bescheideneren Verhältnissen Jesus' Weg wiederzufinden.

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