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Warum wir das Alter neu erfinden müssen

Noch nie waren die Älteren so gesund, gebildet und wohlhabend wie heute. Doch ob sie den Lebenszeitgewinn nutzen können, hängt vom vorherrschenden Altersbild ab. Drei Thesen zum demografischen Wandel.

Von Karin Haist

Altern mal anders - mit der "Großen Freiheit" haben stern und Körber-Stiftung viele neue Wege für ältere Menschen aufgezeigt.

Altern mal anders - mit der "Großen Freiheit" haben stern und Körber-Stiftung viele neue Wege für ältere Menschen aufgezeigt.

Wir werden immer älter. Das ist eine gute Nachricht. Zu keiner Zeit hatte die Generation der über 50-Jährigen so viele Chancen und Möglichkeiten wie heute. Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel. Drei Thesen, warum wir das Alter neu erfinden müssen:

1. Der demografische Wandel kann nur mit den Potenzialen des Alters gestaltet werden

Noch in den 1980er und 1990er Jahren wurden ältere Arbeitnehmer in den Vorruhestand gedrängt. Das hat viel zu unserem negativen Altersbild beigetragen. Zukünftig werden Unternehmen um die Gruppe der über 50-Jährigen werben. Denn der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft revolutionieren. Die Älteren werden in absehbarer Zeit die größte Bevölkerungsgruppe darstellen.

Damit wachsen auch die Herausforderungen an Kommunen, an öffentliche Infrastruktur oder Bildungssysteme. Gefragt sind zum Beispiel Angebote für selbstständiges Wohnen bis ins hohe Alter oder solche für lebenslanges Lernen. Aber die Älteren sind nicht nur Konsumenten oder zu Versorgende. Ihre Erfahrungen und Kompetenzen stellen ein wichtiges gesellschaftliches Potenzial dar, das wir angesichts der Unterjüngung der Gesellschaft viel stärker brauchen – in den Familien, im bürgerschaftlichen Engagement und auf dem Arbeitsmarkt.

2. Wir brauchen ein neues Drehbuch vom Alter – und vom Leben

Viele der heute 50-Jährigen haben ihr halbes Leben noch vor sich. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich die durchschnittliche Lebenszeit in Deutschland um rund 15 Jahre verlängert. Wer heute geboren wird, hat eine 50-prozentige Chance, 100 zu werden. Und dies voraussichtlich bei langer und guter Gesundheit. Es wächst die Zahl derer, die bis ins hohe Alter fit sind. 2030 wird die Phase der gebrechlichen Hochaltrigkeit statistisch erst mit 85 Jahren erreicht werden.

Es gibt also gute Gründe, das eigene Alter als aktive Lebensphase zu planen, in der Neues gewagt werden kann. Sogar ein kompletter Neustart ist möglich. Das heißt aber auch, dass wir mit Blick auf die gewonnenen Jahre die eigene Biografie und unsere Karriereplanung entschleunigen können. Mit 30 oder 40 Jahren muss noch nicht alles erreicht sein. Die guten Jahre kommen noch.

3. Die Älteren tragen Verantwortung

Für das neue Altern brauchen wir Role models. Vorbilder, die uns ermutigen, die gewonnenen Jahre nicht nur als Privatsache zu verstehen. Eine repräsentative forsa-Umfrage von Körber-Stiftung und stern im März 2012 zeigt: 79 Prozent der über 65-Jährigen stimmen der Forderung zu, dass ältere Menschen sich prinzipiell ehrenamtlich engagieren sollten, aber weniger als die Hälfte von ihnen (46 Prozent) tut dies tatsächlich. Zu Recht fordern die Jüngeren von den Älteren, dass sie ihre Ressourcen – Zeit, Engagement, Geld, Macht – für die Gesellschaft zur Verfügung stellen und Deutschland enkeltauglich machen.

Im Alter Mitverantwortung zu tragen und Gesellschaft aktiv mitzugestalten, schafft aber auch individuelle Lebensqualität: Teilhabe bedeutet soziale Einbindung – wer gebraucht wird, lebt im Alter zufriedener.

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