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Sexy Cora gab ihr Leben für den Glamour

Die sechste Brustvergrößerung war zu viel: Am Donnerstag starb das Pornosternchen Sexy Cora in Hamburg. Gegen die Klinik wird ermittelt. Ein bizarrer Fall aus einer tragischen Trash-TV-Welt.

Von Johannes Gernert

Die Facebook-Gruppe "Wir beten für Cora" trauert, minütlich kommen Einträge hinzu. Die Pornodarstellerin Sexy Cora ist tot. Sie starb am Donnerstagnachmittag im Universitätsklinikum in Hamburg. Dort hatte sie seit etwa einer Woche nach einer Brust-OP im Koma gelegen. Sexy Cora hatte wenige Minuten nach Beginn der Operation in einer Spezial-Klinik an der Alster nach Angaben der Chirurgen einen Herzstillstand erlitten und musste wiederbelebt werden.

Der Fall wirft Fragen auf. Zunächst nach der Verantwortung der Ärzte und nach der Qualität der Schönheitschirurgie in privaten Kliniken. Die wird nun auch von den Ermittlungsbehörden untersucht. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen eine Anästhesistin und den Operateur der Alster-Klinik.

Aber der Fall wirft auch ein grelles Licht auf die Trash-Branche: Wie weit sind Privatfernsehbekanntheiten und Protagonisten des Reality-TV bereit zu gehen, um Aufmerksamkeit für sich und ihren Körper zu erlangen? Welche Gefahren nehmen sie dafür auf sich?

"Ich wollte schon immer eine große Brust haben", sagt Sexy Cora im Herbst 2009 auf der Erotikmesse Venus in Berlin. Sie sitzt auf einem Tischchen zwischen schwarzen Ledersofas in einer der Messehallen. Gerade ist sie für Sat.1 durch die Gänge gelaufen. Es ist die Zeit, in der die Trash-Magazine des Privatfernsehens aufmerksam auf sie werden. Carolin, so heißt sie eigentlich, trägt einen knappen weißen Rock und viele Tätowierungen. Neben ihr sitzt ihr Manager, nicht groß, aber sehr breit. "Mit 18 habe ich die erste Brust-OP gemacht", sagt sie, "von B auf D." Und dann sagt sie diesen Satz, der damals viel harmloser klingt als heute: "Mein Körper ist mein Kapital." Ein paar Monate später zieht sie ins "Big Brother"-Haus ein. Auf der nächsten Venus-Messe im Herbst 2010 wird sie zur besten Amateurdarstellerin gewählt.

"Mein Körper ist mein Kapital"

Brustvergrößerungen sind in der Pornobranche zum Werbemittel geworden. Chirurgische Eingriffe erscheinen auf den Seiten der Darstellerinnen als PR-Nachricht. Auch viele Reality-TV-Berühmtheiten scheinen zu glauben, dass ein größerer Busen größere Aufmerksamkeit bringt. Wohin es führen kann, wenn der Chirurg zum Karrierehelfer werden soll, hat jüngst Heidi Montag gezeigt. Die Amerikanerin war über eine MTV-Serie bekannt geworden und hatte sich nicht nur an der Brust operieren lassen. Die Implantate der Körbchengröße G musste sie irgendwann entfernen. Sie taten zu sehr weh. "Chirurgie ist kein Glamour", sagte Montag in einer Fernsehshow, in der sie ihr Operationsleid klagte und die Narben zeigte.

Auch Gina Lisa, einst "Topmodel"-Kandidatin, ließ sich den Busen vergrößern. Danach sei eine Brust zum Ballon geschwollen, berichtete ihr Ex-Freund später auf "Bild.de". Zahlen zu solchen Komplikationen gibt es kaum. Besonders große Implantate erhöhten aber die chirurgische Komplikationsrate, sagt Professor Günter Germann, Vorstandsmitglied der Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. "Die Hautheilung ist schwieriger, das Wundheilungsrisiko höher."

Von BH-Größe F auf G

Sexy Cora hatte geplant, sich ihren Busenumfang von Körbchengröße F auf G zu erweitern. Der Notarzt, den die Klinik rief, hat deren Chirurgen angezeigt. Der Chirurg in der Hamburger Klinik, in dem sie ihren Herzstillstand erlitt, ist auf solche Übergrößeeingriffe mit Implantaten von mehr als 600 Millilitern spezialisiert und wirbt damit. "Ich halte es nicht für hilfreich, das besonders zu bewerben", sagt Günter Germann. Kann einer, der so wirbt, überhaupt kritisch beraten?

"Ich habe gezittert"

Die Verbraucherzentrale in Hamburg hat die Zunft der Schönheitschirurgen im November 2010 scharf kritisiert. Von elf Ärzten, die eine Testpatientin besucht hatte, weil sie sich angeblich die Brust vergrößern lassen wollte, hätten zehn "eher schlecht bis sehr schlecht beraten" und im Gespräch kaum nach den Beweggründen für die Operation gefragt. Dass ebendies bei solchen Operationen besonders wichtig ist, legen verschiedene Untersuchungen nahe, die gezeigt haben, dass die Selbstmordwahrscheinlichkeit bei Frauen mit operierten Brüsten deutlich steigt. Es könne mit psychischen Problemen – etwa einem niedrigen Selbstwertgefühl oder einem gestörten Körperbild - zu tun haben, mutmaßten die Forscher.

Auf der Venus-Messe erzählt Carolin vor zwei Jahren, wie ihre Porno-Karriere beginnt. Eigentlich redet mehr ihr Manager-Mann. Bei ihrem ersten öffentlichen Dreh "wäre sie am liebsten weggelaufen", erinnert er sich. "Ich habe gesagt: Komm, zieh's durch." Carolin sagt: "Ich hab gezittert." Sie tut viel für die Aufmerksamkeit. In den Dünen schläft sie mit Dutzenden Männern, bis die Polizei kommt. Bei einem Blowjob-Rekordversuch bricht sie zusammen.

Die Brüste wuchsen und wuchsen

Und dann die ganzen Operationen. Immer und immer wieder ließ sie nachlegen. Die Brüste waren ihr Kapital. Dieses sollte gemehrt werden. Nun brachte es ihr den frühen Tod.

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