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Warnungen blieben ungehört

19 Tote, mehr als 340 Verletzte - nach der Tragödie auf der Loveparade herrscht Fassungslosigkeit. Schon Tage vor der Veranstaltung wurde im Internet vor der "Todesfalle" im Tunnel gewarnt.

Der Schock ist noch immer riesengroß. Einen Tag nach der Katastrophe auf der in Duisburg, bei der 19 Menschen getötet und mindestens 342 verletzt wurden, herrscht landesweite Bestürzung. Nachdem der Krisenstab sich zunächst um Rettung und Bergung kümmerte, beginnt nun die Suche nach den Ursachen für das Unglück. Teilnehmer des Massenspektakels werfen den Veranstaltern Fahrlässigkeit vor, die Verantwortlichen verteidigen dagegen ihr Sicherheitskonzept.

Nur langsam lässt sich nachvollziehen, was sich am Samstag kurz nach 17.00 Uhr auf dem Gelände des alten Duisburger Güterbahnhofs ereignet hat. Fest steht, dass eine breite Unterführung, meist als Tunnel bezeichnet, zum Nadelöhr für die Menschenmassen wurde. Der Duisburger Ordnungsdezernent sagte in der ARD, die späteren Opfer seien offenbar an einer Tunnelwand hochgeklettert und abgestürzt. Nach ersten Angaben der Polizei wurden im Bereich des Tunnels "Menschen überrannt".

Stadt verteidigt Sicherheitskonzept

Dusiburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland verteidigte am Samstag die Sicherheitsmaßnahmen: Die Stadt habe "mit dem Veranstalter und allen beteiligten Partnern ein stichhaltiges Sicherheitskonzept" ausgearbeitet. Die Schuld sieht er dagegen vor allem im Fehlverahlten der Party-Gäste: "Wenn Sie jetzt hören, was wohl die Ursachen sind, dann lag es nicht am Sicherheitskonzept, was nicht gegriffen hat, sondern wahrscheinlich an individuellen Schwächen", sagte Sauerland der Nachrichtenagentur DPA.

Bereits im Vorfeld hatte es heftige Diskussionen über die Sicherheit gegeben. So fanden sich bereits am vergangenen Donnerstag unter einem Artikel von "DerWesten.de" drastische Warnungen: "Ich bin kein Nörgler, eigentlich, aber was sich Veranstalter und Stadt hier erlauben ist eine gefährliche Frechheit", schrieb User Grobi61 bereits am 22. Juli. "Eine Örtlichkeit zur Verfügung zu stellen, die maximal 350.000 Leute aufnehmen kann, obwohl man ahnt, dass ca. 800.000 Leute kommen werden, wird die Stimmung kippen lassen", so der User weiter. Die bösen Ahnungen erweisen sich in Nachhinein noch als zu gering: "Ich tippe auf eine krasse Eskalation mit gesperrten Gleisen, Menschen auf der Autobahn, verwüstete Gärten und Häuser etc."

"Das ist ne Falle"

Auch die Zuführung der Loveparade-Besucher durch die Unterführung vor dem Güterbahnhof wurde an gleicher Stelle kritisiert: "Sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 Million Menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen Trampelpfaden hoch zum Veranstaltungsgelände zu führen?", schrieb User "klotsche" ebenfalls am 22. Juli. "Also in meinen Augen ist das ne Falle, das kann doch nie und nimmer gut gehen. … Ich seh schon Tote wenn nach der Abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige Straße das Gelände verlassen wollen."

Anders als die Leser in ihren Kommentaren haben die Behörden den Andrang auf die Loveparade anscheinend massiv unterschätzt. Nach Informationen von "Spiegel Online" war die höchstens von einer halben Million Partygäste auf dem 230.000 Quadratmeter großen Gelände ausgegangen. Das erscheint in einer dich besiedelten Region wie den Ruhrgebiet blauäugig: So feierten bei der letzten Ausgabe der Loveparade im 2008 in Dortmund rund 1,6 Millionen Raver.

Die Organisatoren gaben sich im Vorfeld optimistisch, auch mit eine größere Zahl von Besuchern umgehen zu können. Man habe dafür "ganz unterschiedliche Maßnahmen", auch mit mehr als einer Million Besuchern sei die Loveparade durchführbar, sagte der für die Sicherheit der Veranstaltung zuständige Wolfgang Rabe. Sicher ist zum jetzigen Zeitpunkt bloß: Der Mann hat sich auf tragische Weise geirrt.

Björn Erichsen/DPA/AP/AP/DPA

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