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"Es ist eine Katastrophe"

Der heftige Wintereinbruch sorgt für Chaos in Deutschland: In ihren Autos frieren Tausende auf kaum befahrbaren Straßen, in stillstehenden Zügen müssen Reisende mit Decken und Tee versorgt werden. Mindestens fünf Menschen kamen bei Unfällen ums Leben.

  Nichts geht mehr: Auf der A2 bei Hannover stauen sich die Fahrzeuge kilometerlang

Nichts geht mehr: Auf der A2 bei Hannover stauen sich die Fahrzeuge kilometerlang

Der heftige Wintereinbruch stürzt Deutschland ins Schneechaos. Viele Züge standen still, auf Straßen und Autobahnen ging in Deutschland nach heftigem Schneefall oft nichts mehr. Zwar waren die Räumfahrzeuge im Dauereinsatz, starker Wind türmte aber immer wieder neue Schneewehen auf. Fußballspiele und Veranstaltungen wurden abgesagt. Besserung ist kaum in Sicht: Auch in den kommenden Tagen bleibt es eisig, für die Nacht zum Sonntag warnen Meteorologen vor Glatteisregen.

"Es ist eine Katastrophe", fasste ein Sprecher der Autobahnpolizei Garbsen in Niedersachsen die Lage am Vormittag zusammen. Bei so niedrigen Temperaturen wie derzeit wirke das Streusalz kaum noch. Gleich zwei Mal - in Bayern und in Schleswig-Holstein - wurden am Mittwochabend Lastwagen auf Bahnübergängen von Zügen erfasst. In beiden Fällen kamen die Lkw-Fahrer ums Leben. In Niedersachsen starb ein 73-Jähriger, als sein Räumfahrzeug auf einem Bahnübergang steckenblieb und von einem Regionalzug erfasst wurde. Ein 18-Jähriger starb in Baden- Württemberg. Er war mit seinem Auto im Schneematsch gegen einen Lieferwagen auf der Gegenfahrbahn geprallt.

Stillstand auf der Schiene

Enorme Schwierigkeiten hatte die Deutsche Bahn. Züge blieben stecken, fielen aus oder verspäteten sich um Stunden. Das Problem sei vor allem die Kombination aus Schneefall, Dauerfrost und starkem Wind, sagte eine Unternehmenssprecherin. Hunderte Bahnreisende verbrachten die Nacht am Frankfurter Hauptbahnhof, weil ihre Züge Richtung Ostdeutschland ausfielen. Da wegen einer Messe kaum Hotelzimmer frei waren, schliefen die Passagiere in den stehenden ICE-Zügen.

In Leipzig kam am Morgen kaum eine der regulären Verbindungen zustande, schon in der Nacht hatten etliche Reisende vergeblich auf ihren Anschluss gewartet. Kam doch mal ein Zug an, hatte er bis zu 120 Minuten Verspätung. Auch in Thüringen mussten in der Nacht mehrere Züge gestoppt werden. In einem ICE, der auf dem Weg nach München hängenblieb, wurden die 165 Fahrgäste mit Wolldecken, Essen und Getränken versorgt.

In einigen Städten wurden Weichen von S- und Straßenbahnen von Schnee und Frost lahmgelegt. Im Berliner S-Bahn-Verkehr gab es immer wieder Ausfälle und Verspätungen. "Bei starken Schneeverwehungen haben wir immer diese Probleme", sagte ein Bahnsprecher. Hier wussten sich die Reisenden allerdings zu helfen und organisierten sich über den Kurznachrichtendienst Twitter: Fahrgäste, die von Zugausfällen oder Verspätungen wussten, meldeten diese an den privat eingerichteten Account "S_Bahn_Berlin", von wo aus die Informationen weitergeleitet wurden.

Hunderte von Unfällen auf vereisten Straßen

Aber auch auf vier Rädern gab es oft kein Durchkommen. Es krachte Hunderte Male, meist blieb es bei Blechschäden. Schulbusse fielen aus, Pendler verspäteten sich. Die Räumdienste wuselten im Dauereinsatz über Straßen und Autobahnen, konnten der Situation aber nicht Herr werden. Immer wieder blieben Autos in Schneewehen stecken, Lastwagen stellten sich quer. Polizeisprecher kritisierten die Lkw-Fahrer heftig: Sie seien oft ohne Winterreifen unterwegs und überholten trotz des Schnees andere Lastwagen.

Auf der Autobahn 4 in Osthessen etwa standen etliche Autofahrer mehr als zwölf Stunden im Stau, nachdem sich am Mittwochabend mehrere Lastwagen im Schnee festgefahren hatten. Tee und Decken wurden verteilt, später auch Benzin und Diesel. "Man muss, um am Leben zu bleiben, den Motor laufen lassen", sagte ein Polizeisprecher.

Bundesweit tausende Winterdienstfahrzeuge waren unterwegs, um die Schneeverwehungen zu bändigen. Es seien extra noch 323 Lastwagen angemietet worden, hieß es beim Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Schleswig-Holstein. "Alles was wir haben, wird auf die Straße gebracht." Bei der Regionalleitstelle Kiel hieß es am Mittag: "Die Leute sollen zu Hause bleiben - jeder der rausfährt, muss damit rechnen, steckenzubleiben." Der Norddeutsche Rundfunk sagte seinen für den Abend geplanten Jahresempfang in Flensburg ab. Man habe den Gästen die gefährliche Anreise nicht zumuten wollen.

Ganz Europa versinkt im Schnee

Für Reisen auf ein Flugzeug ausweichen zu wollen, war ein riskanter Plan: In Frankfurt am Main und München fielen erneut etliche Flüge aus oder verspäteten sich, ebenso auf den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie in anderen Städten. Oftmals waren Probleme an anderen europäischen Flughäfen die Ursache.

Denn auch das übrige Europa ächzt unter der Last der Schneemassen. In Belgien kam es rund um Brüssel zu Staus mit einer Gesamtlänger von 500 Kilometern, in Frankreich wirbelte das Winterwetter den Bahnverkehr durcheinander, viele Züge fielen aus, betroffen waren auch die Eurostar-Züge zwischen London und Paris beziehungsweise Brüssel. Rumänien meldet Blitzeis, in Polen sind seit Anfang der Woche mindestens 18 Menschen erfroren.

Auch für die nächsten Tage wird der Winter Deutschland fest im Griff haben. Doch nach all den Schreckensmeldungen aus Deutschland und Europa haben Meteorologen zumindest für Deutschland eine gute Nachricht bereit: "Die Winde werden am Donnerstag schwächer werden", sagte DWD-Fachmann Martin Jonas. Zwar werde der Schnee immer noch locker und pulverig sein und deshalb mit leichten Böen schon wirbeln können. Nur die Ostsee werde von schnellen und stürmenden Winden heimgesucht. Ansonsten werde es ruhiger.

be/DPA/DAPD/DPA

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