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17. April 2009, 12:39 Uhr

"Wir waren das zusammen"

Eine Woche nach dem Mordfall von Eislingen zeigen Details zum Tathergang, mit welcher Kaltblütigkeit die beiden Verdächtigen offenbar zu Werke gegangen sind: Wie professionelle Killer warteten die Jungen auf ihre Opfer. Einer der beiden jungen Männer hat die Tat inzwischen gestanden.

Vierfachmord, Eislingen, Geständnis, Karfreitag, Mord

Blutiger Mord am Karfreitag: Eine Familie im baden-württembergischen Eislingen wurde in ihrem Wohnhaus erschossen© Sascha Baumann/DPA

Der Notruf erreichte die Polizei am Karfreitag um 10.42 Uhr. Mit weinerlicher Stimme und völlig aufgelöst berichtete der 18-jährige Andreas, dass er vier tote Familienangehörige im Mehrfamilienhaus seiner Eltern in Eislingen gefunden habe. Mit dabei war sein 19-jähriger Freund Frederik. Nun stellt sich genau eine Woche später heraus, dass die beiden Schüler den Ermittlern zufolge die Familie ausgelöscht haben.

"Wir waren das zusammen", erklärte Frederik in seiner Vernehmung, wie Oberstaatsanwalt Christof Lehr am Freitag auf einer Pressekonferenz in Ulm mitteilte. Die schreckliche Bluttat löste in der Kleinstadt Entsetzen aus. Andreas und Frederik wurden als "dicke Freunde" beschrieben. Niemand traute ihnen die Tat zu. Bislang hat nur der Ältere der beiden die Tat gestanden. Andreas mache keine Angaben, sagte Lehr. Über die genauen Hintergründe des Vierfachmords, bei dem ein 57-jähriger Heilpraktiker, seine zwei Jahre jüngere Frau und die beiden Töchter im Alter von 22 und 24 Jahren erschossen worden, tappt die Polizei noch völlig im Dunkeln. Auch zum Motiv gibt es keinerlei Erkenntnisse. Bislang ist nur der Tatablauf im Groben klar.

Tat in zwei Abschnitte verlaufen

Der Leiter der Sonderkommission "Familie", Armin Reutter, teilt die Tat in zwei Abschnitte ein: In eine erste Phase am Gründonnerstag bis Mitternacht, in der die Töchter erschossen wurden, und eine zweite Phase am frühen Karfreitag, in der die Eltern getötet wurden. Gegen 21.00 Uhr verlassen nach seiner Schilderung die Eltern die Wohnung in Eislingen, um in eine Gaststätte zu gehen. Die Töchter seien zu Hause geblieben. Andreas und sein Freund verlassen dessen Wohnung, um ebenfalls in die Gaststätte zu gehen. Doch dort kommen sie laut Reutter erst um 23.00 Uhr an.

Zwischen 23.00 Uhr und 23.30 Uhr sind die beiden Schüler zusammen mit Andreas' Eltern in der Kneipe. Der Heilpraktiker und seine Frau unterhalten sich noch mit ihren späteren mutmaßlichen Mördern. Es gibt keine Auffälligkeiten, wie es später heißt. Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Eltern nicht, dass ihre Töchter vermutlich schon tot sind. Als die jungen Frauen später gefunden werden, liegen sie im Bett, der Fernseher läuft noch. Bei Annemarie werden zehn und bei Christine neun Einschüsse aus Kleinkaliberpistolen festgestellt.

Als die Eltern die Kneipe schließlich gegen.00.30 Uhr verlassen, haben sie nur noch kurze Zeit zu leben. "Die Eltern wurden direkt im Eingangsbereich angegangen", berichtet Reutter weiter. Sie wurden brutal niedergestreckt, wobei aber keiner der Nachbarn etwas hörte. "Die Tat fand im Stillen statt", sagt Reutter. Wahrscheinlich setzten die Mörder Schalldämpfer ein. Insgesamt wurden in der Wohnung 31 Hülsen aus zwei Kleinkaliberpistolen gefunden. Die Waffen stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Einbruch in den örtlichen Schützenverein aus dem vergangenen Jahr. Andreas war bis zuletzt dort Mitglied, sein Kumpel Frederik, mit dem zusammen er das Gymnasium besuchte, war früher ebenfalls Mitglied, war aber inzwischen ausgetreten.

Gemeinsam mit der Familie im Urlaub

Frederik habe bei der Vernehmung einen "betroffenen Eindruck" gemacht, sagte Reutter. Offenbar war Andreas' Freund gut in die Familie integriert. Wie die "Südwest Presse" berichtete, war er sogar gemeinsam mit der Familie auf Mallorca im Urlaub: "Frederik machte mit mir eine Wanderung auf einen Berggipfel von etwas über 1.000 Metern", zitiert die Zeitung aus einem Brief des Heilpraktikers an Freunde und Verwandte an Weihnachten 2008. Am Samstag werden die vier Opfer in Eislingen beigesetzt. Auch Andreas wollte an der Trauerfeier teilnehmen - doch die Haftrichterin lehnte seinen Antrag ab.

Wenn voraussichtlich im zweiten Halbjahr der Mordprozess gegen die beiden Schüler vor dem Landgericht Ulm beginnt, wird eine spannende Frage sein, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt wird. Beide mutmaßlichen Mörder gelten als Heranwachsende, bis zum 21. Lebensjahr kann Jugendstrafrecht angewandt werden. Als Höchststrafe könnten dann maximal zehn Jahre Gefängnis verhängt werden. Nach Erwachsenenstrafrecht wäre lebenslänglich möglich. Oberstaatsanwalt Lehr wollte sich bei dem Thema noch nicht festlegen. Dazu werde sicherlich ein Gutachter vor Gericht gehört werden müssen, sagte er.

Oliver Schmale/AP
 
 
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