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10. Juni 2006, 16:15 Uhr

Realschüler attackierten Gymnasiasten

Die Karl-Marx-Realschule gilt als Problemschule in Sachsen-Anhalt. KeinWunder: Etwa 130 betrunkene Zehntklässler sind jetzt in ein benachbartes Gymnasium eingedrungen und haben dort randaliert, ein Gymnasiast wurde verletzt.

Auch an der Berliner Rütli-Schule wussten sich die Lehrer nicht anders zu helfen: Sie veröffentlichten einen Hilferuf© Johannes Eisele/DDP

Rund 130 Zehntklässler einer Realschule in Gardelegen in Sachsen-Anhalt sind nach ihrer Abschlussfeier in ein benachbartes Gymnasium eingedrungen und haben Schüler und Lehrer angegriffen. Nach einem Bericht der "Magdeburger Volksstimme" (Samstag) hatten die 16- bis 17-Jährigen am frühen Morgen zunächst alle Türen ihrer Schule mit Montageschaum verklebt. Eine geplante Aufführung in der Sporthalle habe der Direktor nur erlaubt, nachdem ihm der Name des mutmaßlichen Täters genannt wurde. Nach der Vorführung seien die betrunkenen Jugendlichen zum Geschwister-Scholl- Gymnasium der Stadt gezogen.

Nasenbeinbruch nach Kopfstößen

Nach ähnlichen Auftritten in den vergangenen Jahren hatte der dortige Direktor laut Zeitung alle Eingänge verschlossen. Die Realschüler hätten dann aber einen Zaun heruntergerissen, um auf das Gelände zu kommen. Im Gebäude zerschlugen sie dem Bericht zufolge mit Fahnenstangen mehrere Lampen. Auch eine Bierkiste soll durch eine Scheibe geschleudert worden sein. Lehrer seien beleidigt worden, ein Gymnasiast habe durch Kopfstöße einen Nasenbeinbruch erlitten. Es werde wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung ermittelt, sagte ein Polizei-Sprecher am Samstag.

Die Karl-Marx-Realschule gilt als Problemschule in Sachsen-Anahlt. Im vergangenen Jahr hatte eine 16-Jährige eine Mitschülerin bei einer Prügelei mit einem Schlagring schwer verletzt. Mitschüler hatten dies mit ihren Handys gefilmt, ohne einzugreifen. Im März hätten dann die Lehrer einen Hilferuf an den Lehrerbezirkspersonalrat geschrieben, in dem sie dringende Hilfe erbeten hatten, weil Pöbeleien, Bedrohung und Sachbeschädigung an ihrer Schule zur Tagesordnung gehörten.

130 statt 44 Zehntklässler

Vor einigen Wochen hatte Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz die Schule besucht, die sich in einem desolaten baulichen Zustand befinden soll. Außerdem ist die Schülerzahl nach der Zusammenlegung von drei Sekundarschulen auf 536 angestiegen, die Zahl der Zehntklässler auf mehr als 130. Im September wird die Schule laut "Magdeburger Volksstimme" in eine Ganztagsschule umgewandelt. Zudem sollen Sozialarbeiter eingestellt werden.

DPA
 
 
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