. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. November 2008, 21:01 Uhr

Marine schlägt Piraten in die Flucht

Erst der saudische Supertanker "Sirus Star", dann ein Weizenfrachter aus Hongkong und nun beinahe ein britisches Handelsschiff: Piraten machen trotz Militärpräsenz im Golf von Aden fette Beute. Die Nato ist machtlos und kann die Angriffe der Seeräuber nur selten verhindern - wie es jetzt der deutschen Marine gelang.

Somalia, Piraten, Öl-Tanker, Saudi-Arabien, Schiff, Seeräuber, Golf von Aden

Die "Sirius Star" liegt an Somalias Küste vor Anker, die Piraten warten aufs Lösegeld© Christian Duys/AP

Piraten vor Somalia haben innerhalb von zwölf Tagen acht Schiffe in ihre Gewalt gebracht. Nach der Entführung eines saudiarabischen Tankers mit Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar (gut 79 Millionen Euro) wurde am Dienstag als siebtes Schiff ein Frachter aus dem Iran gekapert. Über das Schicksal der "Delight" gebe es keine konkreten Informationen, sagte US-Militärsprecherin Jane Campbell in Dubai. Das Schiff fahre unter der Flagge von Hongkong, werde aber von einer iranischen Reederei betrieben. Nach Informationen der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beförderte der Frachter mit seinen 25 Besatzungsmitgliedern 36.000 Tonnen Weizen. Auch das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) in London bestätigte die Entführung. Nach Angaben des Senders BBC geriet zudem ein Fischtrawler aus dem Pazifikinselstaat Kiribati mit zwölf Mann an Bord in die Fänge der Piraten - Schiff Nummer acht.

Und die Seeräuber schlugen kurz darauf beinahe wieder zu. Doch die deutsche Marine vereitelte den Angriff auf einen britischen Tanker im Golf von Aden in letzter Minute. Nach einem Hilferuf habe die Fregatte "Karlsruhe" einen bewaffneten Hubschrauber losgeschickt. Als sich dieser der "Trafalgar" näherte, ließen die Piraten, die mit acht bis neun Schnellbooten angegriffen hatten, von dem Schiff ab. Bereits am Vortag hatte die deutsche Fregatte nach Angaben der Marine einen äthiopischen Frachter davor bewahrt, von Seeräubern gekapert zu werden.

An Bord der "Sirius Star", die am Samstag mit zwei Millionen Barrel Öl an Bord verschleppt wurde, befinden sich wie auf der "Delight" 25 Besatzungsmitglieder. Die 330 Meter lange "Sirius Star" ist das größte Schiff, das jemals von somalischen Piraten entführt wurde. Es war im Auftrag der Reederei Vela International unterwegs, einer Tochter des saudiarabischen Konzerns Aramco.

Mit ihrer Beute erreichten die Seeräuber unterdessen einen ihrer Schlupfwinkel. Die "Sirius Star" ging am Dienstag in der Nähe der Stadt Hobyo vor der Küste Somalias vor Anker. Dort wollten die Piraten den Ausgang der Verhandlungen um das Lösegeld für das Schiff und seine Besatzungsmitglieder abwarten. An Bord befinden sich neben den Entführern zwei Briten, zwei Polen, ein Kroate, ein Saudi und 19 Philippiner. Zahlreiche Schaulustige seien gekommen, um den Tanker zu sehen, berichteten Augenzeugen. "Ich fische hier seit drei Jahrzehnten, aber ich habe noch nie ein so großes Schiff wie dieses gesehen", sagte der Fischer Abdinur Hadschi.

Nato plant keine Militäraktion

Der saudiarabische Außenminister Prinz Saud al Faisal bezeichnete den Überfall am Dienstag als ungeheuerliche Tat. Die Piraterie richte sich wie der Terrorismus gegen alle, daher müssten auch alle gemeinsam handeln, sagte er während eines Besuchs in Athen. Ein Sprecher der 5. US-Flotte sagte, er rechne nicht damit, dass amerikanische Kriegsschiffe den gekaperten Tanker umstellen würden. Man sei jedoch sehr besorgt. Der Angriff zeige, dass die Piraten auch größere Schiffe weit auf See in ihre Gewalt bringen könnten. Den Piraten geht es zumeist darum, Millionen Dollar Lösegeld zu erpressen.

Auch die Nato erklärte, sie habe derzeit keine Pläne, den Tanker und seine Besatzung aus den Händen der Piraten zu befreien. Sprecher James Appathurai sagte in Brüssel, das Bündnis habe ein Mandat zur Bekämpfung der Piraterie. Es dürfe jedoch nicht an Bord von Schiffen gehen, die bereits entführt worden seien. Derzeit patrouillieren im Golf von Aden drei Kriegsschiffe, um Piraten abzuschrecken.

Die Zahl der erfolgreichen Piratenüberfälle in der Region konnte nach Marine-Angaben durch verstärkte militärische und zivile Abwehrmaßnahmen von 53 Prozent im August auf 31 Prozent im Oktober verringert werden. Der Überfall auf die "Sirius Star" zeige jedoch, dass sich die somalischen Piraten auf die veränderte Lage einstellten und "immer gewagtere Angriffe" durchführten.

Gegenwärtig haben die somalischen Seeräuber noch 13 Schiffe mit rund 250 Besatzungsmitgliedern in ihrer Gewalt. Unter den Schiffen ist auch der ukrainische Frachter "MV Faina" mit seiner Ladung von 33 Kampfpanzern und leichten Waffen, die für Kenia bestimmt sind. Nach jüngsten Berichten versuchen die Piraten inzwischen, einen Teil der Ladung zu löschen.

Die norwegische Schifffahrtsgesellschaft Odfjell wies ihre mehr als 90 Tanker unterdessen an, nicht länger die Abkürzung durch den Suezkanal und den Golf von Aden zu nehmen, sondern den weiten Umweg über das Kap der Guten Hoffnung. Experten zufolge dauert die Fahrt damit 12 bis 15 Tage länger, bei täglichen Kosten von 20.000 bis 30.000 Dollar (16.000 bis 24.000 Euro).

Das Piraten-Gebiet vor Somalia
Bedienungsanleitung für die Karte: Pfeilsymbole = Karte verschieben;
Plus- und Minussymbole = Kartenausschnitt vergrößern/verkleinern.
"Karte" = Straßenkartenansicht;
"Satellit" = Luftbildaufnahme;
"Hybrid" = Luftbild mit eingezeichneten Straßen
joe/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
Kommentator21 (20.11.2008, 20:21 Uhr)
Wegelagerer
wer kennt den Unterschied zwischen den Piraten und den anderen Wegelagerern an den Autobahnen Europas?
Eisenbaer (19.11.2008, 20:03 Uhr)
@Pamela_1971 - "Abkassieren" am Rhein -
Den Rhein, so wie wir ihn heute kennen, gibt es es erst seit der sogenannten "Rheinbegradigung" in der Ära nach Napaleon und den Gründerjahren. Also erst seit dem zweiten Drittel des Neunzehnten Jahrhunderts. Davor war es eine Heidenarbeit den Fluß schiffbar zu halten. Und diese Arbeit liessen sich die Landesfürsten mittels Wegezoll bezahlen.

Anders im engen Rheintal etwa zwischen Mainz und Köln. Hier hat der Fluß eine sehr gefährliche und sehr starke Strömung, und nicht nur bei der Loreley lagen allerlei Findlinge im Flußbett, die es zu umschiffen galt. Also mussten flußabwärts genaue Flußsignale gesetzt werden und es musste eine Fahrordung geschaffen und überwacht werden. Denken Sie nur einmal daran, dass früher auf dem Rhein Flöße aus Holzstämmen befördert wurden, die eine Länge von bis zu einem Kilometer aufwiesen. Da musste eine Ordnung geschaffen und durchgesetzt werden!
Flußaufwärts hingegen mussten breite Treidelpfade angelegt und unterhalten werden, damit schwere Ochsengespanne die Schiffe rheinaufwärts ziehen konnten. Sowohl Signalanlagen, als auch die Treidelpfade verlangten einen sehr größen finanziellen Aufwand, den sich die Landesherren ebenfalls bezahlen lassen mussten.

Also von wegen "Abkassieren", das war nichts anderes als eine Beteiligung an den Unkosten, die sich daraus ergaben, dass man die Wasserstrasse als solche überhaupt benutzen konnte.
ekaaat (19.11.2008, 13:42 Uhr)
wiederholen
ich habe immer noch nicht verstanden was uns daran hindert die schiffe einfach zurückzuholen.
Robbespierre (19.11.2008, 10:00 Uhr)
Piraterie nuklear bekämpfen!
Kompromisslose Atomschläge gegen jedes entführte Schiff, das hätte viele Vorteile. So würde zum einen die schäumende Volksseele beruhigt und zum anderen auch die durch Überfischung rückläufige Fangqoute durch fette, mutierte Riesenfische ausgegelichen. In diesem Sinne!
blackvalvet (19.11.2008, 09:25 Uhr)
mit aller härte
ich kann nicht verstehen wie man sich von solchen Menschen erpressen lassen kann,die können nix, die haben nix, und die sind noch weniger.entschuldigt meine ausdrucksweise aber die Supermächte der welt lassen sich von paar komikern im großen stil verar...,special forces oder ksk hin und in 10 min. sind die penner geschichte (ich weiss wo von ich rede)das wär lediglich ein aufwärmen .aber das prob ist vielleicht machen die das ja nicht umsonst und da ja die große finanzkriese boomt ist kein geld für so ein einsatz da hm,fragt sich was ist billiger 250 mio.dollar löse.für den tanker oder den einsatz finanzieren?.
mal sehen wie das endet.
STR_EDDS (19.11.2008, 03:15 Uhr)
@Pamela
Piraterie = Wegezoll? Keine Ahnung, was Sie rauchen - aber ich will das auch! "PiratInnen" :-)
drelanger (18.11.2008, 23:58 Uhr)
Piraterie
Seewege sind sehr wohl zu sichern, ebenso wie andere Verkehrswege. Warum dies nicht geschieht ist mir unklar.
Somalia existiert nicht es gibt keinen Staat Somalia mit entsprechender Regierung, damit gibt es auch keinen Hinderungsgrund die Schiffe der Piraten zu versenken und ihre Besatzungen zu töten.
mramorak (18.11.2008, 22:55 Uhr)
Fliegen vertreiben - nicht einmal fangen
Das was die deutsche Marine im auftrag der NATO da macht, ist nichts anderes als Fliegen vertreiben, die im gleichen Augenblick wieder kommen. In Berlin begreift man auch dann noch nicht, wenn diese Fliegen im Bremerhaven ankommen. Statt diesen Fliegen einen richtigen Schlag zu verpassen, läuft man lieber selber davon.
tricky_dude (18.11.2008, 21:38 Uhr)
Seid doch mal stolz!
Unsere Marine hat die Piraten zweimal hintereinander verscheucht, offenbar ohne einen Schuß abzugeben. Ist doch gut!
Kommentator21 (18.11.2008, 20:21 Uhr)
Saudischer Prinz sprach....
von Terroristen, ob die sich selber meinen? Tun die was um die bitteren Not in der Region zu mildern oder scheffeln die Milliarden in ihrer gieriegen Schlund auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf jeden.
Die Ölprinzen der Hofstab und deren Vassallen sind zum Teufel zu jagen und die Erträge gerecht aufzuteilen, denn die sind die Wurzel des Terrorismus.
MEHR ZUM ARTIKEL
Golf von Aden Britische Marine erschießt zwei Piraten

Soldaten der britischen Marine haben im Golf von Aden bei einem Schusswechsel zwei Piraten getötet. Zuvor hatten die Seeräuber versucht, ein dänisches Schiff in ihre Gewalt zu bringen. Die britische Fregatte "Cumberland" setzte Schlauchboote aus, um die Piraten zu verfolgen. Beim Versuch, das Piratenboot zu entern, seien dann Schüsse gefallen. mehr...

Horn von Afrika Deutsche Marine jagt Piraten

Die EU-Regierungen haben am Montag den Einsatz von Kriegsschiffen gegen die Piraten am Horn von Afrika vereinbart. Die EU-Mission "Atalanta" soll noch vor Jahresende beginnen. Auch die Bundeswehr ist mit dabei. Sie will sich mit einer Fregatte an der Aktion im Golf von Aden beteiligen. mehr...

Somalia-Geiseln "Wir haben nie um Lösegeld gebettelt"

Die Bundesregierung sollte in Zukunft für entführte Bürger kein Lösegeld bezahlen. Dieser Meinung sind die beiden deutschen Segler, die 50 Tage in der Gewalt von somalischen Piraten gewesen sind. In einem Interview mit dem stern plädieren sie für einen konsequenten Kampf gegen Kidnapper - ohne Rücksicht auf das Leben der Geiseln. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe