. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Mai 2008, 10:15 Uhr

Drei Babyleichen in Kühltruhe entdeckt

Grausiger Fund im nordrhein-westfälischen Wenden: Die Polizei hat drei Babyleichen in einer Kühltruhe in einem Einfamilienhaus entdeckt. Sie lagen dort vermutlich bereits seit Ende der 80er Jahre. Gegen die 44 Jahre alte Mutter wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen.

Das Haus in Wenden, in dem drei Kinderleichen gefunden worden sind© Federico Gambarini/DPA

Drei tote Säuglinge in der Tiefkühltruhe: Wegen des dringenden Verdachts der Kindstötung ist im sauerländischen Wenden bei Olpe eine 44-jährige Frau verhaftet worden. Sie steht im Verdacht, in den 80er Jahren die Babys zur Welt gebracht, in Plastiktüten verpackt und eingefroren zu haben, wie Polizeisprecher mitteilten. Es bestehe in einem Fall Verdacht auf Totschlag, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen. Bei den beiden anderen Fällen sei offen, ob die Taten möglicherweise verjährt seien.

Der Polizei zufolge hatten zwei der drei älteren Kinder der Familie bereits am Samstag den grausigen Fund gemacht, als sie nach einer Tiefkühlpizza suchten. Dem 18-jährigen Sohn sei aufgefallen, dass bei zahlreichen Lebensmitteln das Haltbarkeitsdatum abgelaufen sei, berichtete der Leiter der Mordkommission Hagen, Herbert Fingerhut. Der junge Mann habe die Truhe aufräumen wollen und sich dabei "bis nach unten" durchgekämpft. Dabei sei er auf eine Plastiktüte gestoßen, in der einer der drei Leichname verpackt war. Das Geschwisterpaar habe die Eltern später zur Rede gestellt. Die 44-Jährige habe sich dann in Begleitung ihres Ehemanns, einem 47-jährigen Elektriker, und der ältesten, 24-jährigen Tochter bei der Polizei gemeldet.

Die tatverdächtige Mutter habe sichtlich unter Schock gestanden. Sie befindet sich inzwischen in psychiatrischer Behandlung. Die Frau fühle sich "sehr schuldig", sagte Ermittler Martin Feldmann.

Aus einer Tüte schauten Kopf und Arm eines toten Babys heraus

Fahnder durchsuchten später das Haus. In der Tiefkühltruhe entdeckten sie unter den zum Teil bereits in den 90-er Jahren abgelaufenen Lebensmitteln drei Tüten. Aus einer schauten der Kopf und ein Arm eines toten Babys hervor. Das Neugeborene sei zudem in ein Handtuch gewickelt worden. Auch in zwei anderen Tüten lagen tote Babys. Bei einem der Körper fanden die Beamten zudem eine Zeitung aus dem Dezember 1988. Es sei möglich, dass dies auch dem Tatzeitpunkt entspreche.

Die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus. Die Kinder seien wahrscheinlich lebend zur Welt gekommen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen, Johanns Daheim. Angaben zur Todesursache konnte die Polizei zunächst nicht machen, da vor der Obduktion die Leichen aufgetaut werden mussten.

Es handele sich um eine "ganz normale, gutbürgerliche Familie", sagte der Sprecher der Hagener Mordkommission. Die Familie lebe seit vielen Jahren in Wenden und sei gut in die Dorfgemeinschaft integriert.

Die Familie war gut integriert

Der Bürgermeister der 20.000-Einwohner-Gemeinde Wenden, Peter Brüser, zeigte sich entsetzt über die Ereignisse. "Ich bin jetzt 14 Jahre Bürgermeister, und das ist bestimmt der schlimmste Tag, den ich erleben musste", sagte er. "Wir werden hier lange brauchen, das zu verarbeiten." Die Familie sei gut ins Dorfleben integriert, hilfsbereit und unauffällig gewesen. "Niemand hätte sich im entferntesten vorstellen können, dass da noch etwas anderes ist." Die Menschen im Dorf stünden unter Schock: "Man hat immer wieder gelesen, dass so etwas passiert in der Welt. Aber das war ganz weit weg, und jetzt ist es mitten in der Gemeinschaft", sagte der Bürgermeister.

Eine 47-jährige Nachbarin sagte: "Das ist unfassbar - vor allem, dass keiner gemerkt hat, dass sie schwanger ist." Nachbarin Alexandra Stracke berichtete: "Das war eine nette freundliche Frau." Sie selbst habe in ihrer Kindheit gelegentlich in deren Haus gespielt. "Das war immer gutbürgerlich, nichts Besonderes." Möglicherweise seien die Schwangerschaften nicht aufgefallen, da die Frau schon immer korpulent gewesen sei.

Der Polizei liegen keine Hinweise vor, dass der Familienvater etwas von den Schwangerschaften gemerkt hat. Dies sei durchaus möglich, so ein Ermittler. Es handele sich bei der 44-jährigen Hausfrau um eine "stabile bis korpulente Frau". In der Kriminalgeschichte habe es immer wieder Fälle gegeben, in denen Kinder unbemerkt auch von engen Angehörigen der Mütter zur Welt gebracht worden seien.

Spektakuläre Fälle von Kindstötungen durch die eigenen Eltern haben in letzter Zeit immer wieder Schlagzeilen gemacht. Erst im vergangenen Monat war eine 42-Jährige vom Landgericht Frankfurt (Oder) zu 15 Jahren Haft wegen Totschlags durch Unterlassen verurteilt worden, die neun Neugeborene hatte unversorgt sterben lassen. Im April vergangenen Jahres fand ein 15-Jähriger im Tiefkühlschrank der Wohnung seiner Mutter in Erfurt zwei Babyleichen. Die 35-Jährige gestand, die Kinder nach der Geburt in Müllsäcke verpackt in die Tiefkühltruhe gelegt zu haben. Das Landgericht Erfurt verurteilte sie wegen zweifachen Totschlags zu zwölf Jahren Haft. Im Januar 2007 wurden im thüringischen Thörey bei Abrissarbeiten die Überreste von drei Babyleichen in der Zwischendecke einer Garage entdeckt. Eine 21-jährige Frau aus Erfurt gestand, mit 16 Jahren einen Jungen und später zwei weitere Kinder kurz nach der Geburt dort versteckt zu haben.

Chronologie: Babyleichen-Funde Dezember 2007: Eine Frau aus dem sächsischen Plauen soll ihre drei Säuglinge getötet haben. Die Kinderleichen lagen in einem Koffer, in einer Tiefkühltruhe und auf einem Balkon.

April 2007: Im Tiefkühlschrank einer Erfurter Wohnung werden zwei tote Säuglinge entdeckt. Eine 35 Jahre alte Frau gesteht, das Mädchen 2002 und den Jungen 2004 zur Welt gebracht, in den Gefrierschrank gelegt zu haben.

Januar 2007: Im thüringischen Thörey werden drei Babyleichen in einer Garage entdeckt. Eine 21 Jahre alte Schülerin gesteht, die Kinder mit 16, 17 und 19 Jahren geboren und anschließend auf dem Grundstück ihrer Eltern versteckt zu haben.

März 2006: Auf dem Dachboden seiner von ihm getrenntlebenden Frau entdeckt ein Mann in Neuendorf am Damm (Sachsen-Anhalt) eine skelettierte Babyleiche in einer Reisetasche. Die Polizei findet zwei weitere tote Säuglinge.

Juli 2005: Bei Entrümpelungsarbeiten in einem Garagenkomplex in Brieskow-Finkenheerd (Brandenburg) werden neun Babyleichen entdeckt. Sie liegen unter anderem in einem Aquarium voller Sand, Eimern und Blumenkübeln voller Erde. Die 39 Jahre alte Mutter aus Frankfurt (Oder) hatte die Kinder zwischen 1988 und 2004 jeweils kurz nach der Geburt getötet und auf dem Grundstück ihrer Eltern versteckt.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
leobissinger (07.05.2008, 12:15 Uhr)
traurig, traurig .....
... aber laut CDU-Ministerpräsident Prof. Dr. Böhmer gibt es eine solche Einstellung zum Leben doch nur im Osten ?
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Ministerpr%E4sident-B%F6hmer-Kindst%F6tung-Familienplanung/612117.html?nv=rss
Leo
kauti (06.05.2008, 09:44 Uhr)
terroristisches Potenzial
Seltsam! Seit einiger Zeit häufen sich die Kindstötungen durch Eltern in den Medien. Für mich sind die Menschen, wenn man sie noch als solche bezeichnen darf, eher die Terroristen der zivilen Gesellschaft. Auf der einen Seite fordert die Familienministerin mehr Kinder in Deutschland, um das demografische Problem in den Griff zu bekommen und auf der anderen Seite, töten Eltern ihre eigenen Kinder, oder missbrauchen sie. Was ist da schief gelaufen in dieser Gesellschaft? Was ist los mit den Deutschen? Ja, die Betonung liegt auf die Deutschen, wenn ein Türke seine Schwester umbringt, weil seine Ideologie (Sozialisierung, für die er wenig kann, weil meist bekommt er es so von den eigenen Eltern mit) es von ihm verlangt, die soziale Ordnung in der Familie aufrecht zu erhalten, dann spricht man von islamistischem Terror, oder von Ehrenmord im Namen des Islam. (Ich befürworte keine Tötungen, um die Familienehre oder familiäre Ordnung zu erhalten, mir ist hier nur der Vergleich wichtig!)
Viele erklären es damit, dass es einfach zu viele Menschen gibt, und man kann ja nicht alle kontrollieren. Maybe!
Diese Mutter hat ihre drei Säuglinge umgebracht, weil sie in den Achtzigern als asozial gegeolten hätte mit sechs Kindern. (Nur Asoziale oder Ausländer bekamen damals mehr als zwei Kinder). Eine, die auf Kosten des Staates bzw. Steuerzahlers lebt. Kindergeld kassiert, um ja nicht arbeiten gehen zu müssen. Die Gesellschaft hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist. Eine Kindsmörderin. Im Islam, ja auch in anderen Ideologien stehen Mütter weit oben auf der Rankingliste, mit Abstand und dann erst kommt der Vater. Muttertage sind jeden Tag! Nicht einmal im Jahr.
Dass diese Mutter jahrelang drei Kinder in der Tiefkühltruhe versteckt hielt, ihr Mann, ja sogar ihre Kinder nichts bemerkt haben, will mir nicht in den Kopf. Sorry! Dafür habe ich kein Quentchen Verständnis und ich weigere mich auch welches aufzubringen. Über 20 Jahere wird die Tiefkühltruhe nicht aufgeräumt oder gar mal aufgetaut, um da mal auszumisten, oder suebr zu machen? Ich fordere die guten alten Zeiten wieder her, als die gesamte Dorf- oder Stadtgemeinde solchen Abschaum an den Pranger gestellt hat. Glauben Sie mir Abschreckung ist die beste Alternative, um solche Greueltaten in Zukunft zu verhindern. Die Fassade beginnt zu bröckeln!
charming (05.05.2008, 21:52 Uhr)
nix
Die Frau wird vermutlich straffrei aus der Sache herauskommen. Warscheinlich hatte auch sie einen schwere Kinddheit oder ihr Mann war doof zu ihr und außerdem hat sie es ja die Jahre über mit sich herumgeschleppt, das schlechte Gewissen. Das ist doch schon Strafe genug. Sieht man ja auch daran, dass sie jetzt in psychiatrischer Behandlung ist. Wer zahlt? Mal wieder der Steuerzahler, klar. Können wir nicht solche Leute in einen russischen Knast nach Sibieren verkaufen? Ich meine, den Russen Geld für die Inhaftierung geben? Ist doch bestimmt billiger, als hierzulande und außerdem kann sie sich da ihren Speck abarbeiten.
ecomoc4u (05.05.2008, 21:11 Uhr)
kann jeder...
7 jahre normal knast bei guter führung oder 9 jahre psychatrie ist einfach zu wenig, und bildet kein schuldbewustsein.
.
ich bin für 20 jahre gemeinnützige arbeit zum wohle des volkes.
Badmax (05.05.2008, 20:29 Uhr)
Huch....
ich habe die wöchentlichen Nachrichten zu Kindstötungen in den letzten zwei Wochen fast schon vermisst, normalerweise hört man ja wöchentlich, das iegendeine Mutter ihre Babys ermordet hat. Ganz normal in Deutschland. Das sind unsere New Economy Werte.
babylon (05.05.2008, 19:33 Uhr)
Luciano
sie haben recht!! Warum eigentlich anzeige wegen totschlags, das ist dreifacher mord, aber da es eine frau ist wird nur auf totschlag plädiert. Wäre es ein mann gewesen sehe es anders aus! Zum Kotzen ist in diesem land das täter mehr rechte haben als die opfer. Vor allem wenn die Opfer völlig wehrlos sind!! Man sollte die Todesstrafe für solche Fälle wieder einführen!
Luciano (05.05.2008, 18:00 Uhr)
@ganzbaf
Warum:
Vor kurzem erst mit eigenen Augen gesehen: Mutter steht mit kleinem Kind und WauWau im Regen an der Ampel. Rate mal über wen sie den Schirm gehalten hat?
Wundern solche Nachrichten wirklich in einem Land in dem der Stellenwert von Kindern unter dem von Haustieren rangiert?
Aurum (05.05.2008, 17:51 Uhr)
Schlimm!
In Ermangelung von Stickstoff die Kinder in die Kühltrue zu legen ist ja schlimm! So hätten sie wenigstens die Chance gehabt in einer fernen Zeit wieder belebt zu werden.
Dr.Schnoertz (05.05.2008, 17:38 Uhr)
Diktatur-Nachwirkungen
Das ist natürlich eindeutig auf die Verrohung durch das DDR-Regime im Sauerland zurückzuführen. Schrecklich was da passiert ist und dass das immer noch nachwirkt
FIJI (05.05.2008, 17:31 Uhr)
Kann es nicht verstehen...
warum eine Mutter ihre Kinder umbringt. Wenn Sie nach der Geburt das Kind nicht will, warum gibt Sie es nicht in eine Babyklappe oder zur Adoption frei? Weshalb ein Verbrechen begehen?
MEHR ZUM ARTIKEL
Polizei Tote Babys in Berlin und Thüringen gefunden

Kurz nach den Kindstötungen in Darry und Plauen sind schon wieder tote Kinder gefunden worden: In einem Plattenbau im thüringischen Nordhausen fand die Polizei ein totes Baby. Auch in einer Berliner Wohnung entdeckten Polizeibeamten die Leichen einer Mutter und ihres Babys. mehr...

Nach Kindstötungen Was sich im Jugendschutz ändern muss

Darry, Plauen, Schwerin: Die schrecklichen Meldungen über getötete oder vernachlässigte Kinder schockieren Deutschland. Doch was läuft schief? stern.de sprach mit Experten über Probleme und Lösungsansätze. Klar ist: Es müssen sich vor allem Strukturen in der Jugendhilfe ändern. Und auch die Eltern müssen härter angefasst werden. mehr...

Fragen und Antworten Kindstötungen in Deutschland

Die Nachrichten sind schockierend: Gleich mehrere Fälle getöteter Kinder sind jetzt wieder bekannt geworden. Häufen sich die Kindstötungen in Deutschland? Was können Behörden überhaut tun, um solche Tragödien zu verhindern? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe