11. November 2008, 17:11 Uhr

Wo ist Atombombe Nr. 78252?

Es mutet an wie eine bizarre Posse. Der britische Sender BBC berichtet von einer Atombombe, die US-Streitkräfte vor über 40 Jahren in Grönland verloren haben. Jahrzehnte war die peinliche Angelegenheit geheim gehalten worden. Nun sind neue Belege veröffentlicht worden. Von Manuela Pfohl

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Ein Bild der Zerstörung: Ein Atompilz nach einem Atomwaffentest über dem Muroroa-Atoll im Jahr 1971©

Jeffrey Carswell hat Magenkrebs. Acht Mal ist er bereits operiert worden. Und jedes Mal hoffte er, dass es vorbei sein würde. Doch die Krankheit ging nicht weg. Es ist nicht vorbei. Immer wenn der Däne zu einer medizinischen Untersuchungen muss, denkt er daran, wer seiner festen Überzeugung nach, schuld ist an dem verfluchten Krebs: Ein amerikanischer B-52 Bomber nämlich, jener Bomber, der vor über 40 Jahren, im Jahr 1968, in der Polarsternbucht im Nordosten Grönlands in Brand geriet und mit vier Atombomben an Bord abstürzte. Eine dieser Bomben ist bis heute verschwunden. Sie trägt die Seriennummer 78252 - und sie ist vollgepackt mit Plutonium.

Carswells Geschichte handelt von einer tickenden Zeitbombe, deren Existenz die US-Militärs und auch die dänische Regierung jahrzehntelang bestritten. Jetzt allerdings hat der britische Sender BBC die beiden Piloten, die damals den Bomber flogen, ausfindig gemacht. Und John Haug und Joe D'Amario bestätigen, was Jeffrey Carswell immer behauptet hat. Beleg dafür sollen laut BBC auch bislang als geheim eingestufte Dokumente des US-Verteidigungsministeriums sein, die der BBC nach eigenen Angaben zugespielt wurden. Die Nachricht mutet bizarr an: Irgendwo im Nordpolarmeer liegt eine Atombombe mit enormer Zerstörungskraft. Nur wo, das weiß keiner so genau.

Eine Bombe geht verloren

Carswell war Angestellter einer dänischen Baugesellschaft und arbeitete zwischen 1966 und 1971 zusammen mit etwa 1200 anderen Zivilisten auf der US-Militärbasis im grönländischen Thule. Grönland gehört zum dänischen Staatsgebiet und Carswell gehörte zum Suchtrupp, der die Trümmer der vier Bomben einsammeln musste - ohne ausreichenden Schutz vor der atomaren Strahlung. Die Ereignisse und Carswells Vorwürfe hat sein Anwalt Ian Anderson im Jahr 2002 in einer Petition an das Europäische Parlament festgehalten. Darin heißt es: "Der Petent beklagt, dass Dänemark es versäumt hat, die Arbeitskräfte rechtzeitig vom Gelände zu evakuieren, sie vor der starken Strahlenbelastung zu warnen oder darüber zu informieren sowie die indizierte medizinische Überwachung der verstrahlten Personen sicherzustellen."

Glaubt man Carswells Erinnerungen und den Zeitungsberichten der Jyllands Posten von damals, begann das Drama am 21. Januar 1968. Da war die B-52 des strategischen Bomberkommandos der US-Luftwaffe auf dem Rückflug von einem Routineeinsatz entlang der sowjetischen Nordküste. Einige Kilometer von dem US-Stützpunkt Thule entfernt geriet der Bomber in Brand und stürzte ab. Teile durchschlugen das Eis der Polarsternbucht und versanken.

Ein U-Boot in geheimer Mission

Carswell und die dänischen Arbeiter im Stützpunkt Thule spürten zunächst nur eine Erschütterung. Wenig später seien die Männer vom Absturz des atomwaffenbestückten Flugzeugs in Kenntnis gesetzt worden. "Broken Arrow" - gebrochener Pfeil - war das US-Codewort für den atomaren Zwischenfall, der eine riesige Maschinerie in Gang setzte. Neben 5000 US-Soldaten wurden auch Einheimische für die Suche und die folgenden Räumarbeiten eingesetzt.

Fast 60 Millionen Liter radioaktiv verseuchter Schnee sollen damals in Spezialcontainern abtransportiert worden sein. Das Flugzeugwrack konnte geborgen werden, auch die Trümmerstücke von drei der vier Bomben. Von Nummer 78252 fehlte allerdings jede Spur. Nur der Fallschirm wurde gefunden. Das zumindest bestätigt ein in US-Archiven entdeckter Brief von General Edward B. Giller an die US-Atomenergiekommission vom 18. März 1968, aus dem die BBC jetzt zitiert. Noch Monate nach dem Vorfall versuchte ein U-Boot der US-Navy demnach, die verschwundene Bombe zu finden.

Carswell selbst lebte und arbeitete weiter auf der Basis, und er holte sich auch weiterhin die Eiswürfel für seine Getränke von den Eisbergen im Wolstenholme-Fjord. Er dachte sich nichts dabei. Auch die Einheimischen im Dorf Qannaq, die traditionell von der Jagd leben, konnten sich zunächst nicht erklären, warum sie plötzlich Krankheiten bekamen, die sie vorher nie hatten. Der BBC erzählten sie jetzt, dass sie sich allerdings wunderten, warum manche Robben, die sie erlegt hatten, innerlich regelrecht ausgetrocknet waren.

So funktioniert eine Atombombe. Klicken Sie hier

Erst als bei ihm im Jahr 1984 Magenkrebs festgestellt wurde, begann Jeffrey Carswell skeptisch zu werden und einen Zusammenhang mit dem Absturz des Atombombers zu vermuten. Seine Befürchtung: Die atomare Fracht des verschwundenen Bombers könnte im Laufe der Jahre freigesetzt werden und katastrophale Folgen für Menschen und die Umwelt haben. 1993 schloss er sich mit anderen ehemaligen Arbeitern aus dem Suchtrupp zusammen und verklagte die dänische Regierung erfolglos auf "Anerkennung ihrer Verantwortlichkeit für die gesundheitlichen Schäden der Arbeiter". Auch seine Petition an das Europäische Parlament wurde wegen "Nichtzuständigkeit" abgewiesen. Allerdings beschloss der Petitionsauschuss am 26. November 2003, dass die Kommission die dänischen Behörden um die Übermittlung von Umweltdaten für Grönland ersuchen sollte. Erst im Jahr 2007 kamen von dort die Studienergebnisse zum "Störfall Thule". Kaare Ulbak, Chef-Berater des dänischen Nationalinstitutes für radiologische Hygiene, erklärte schließlich laut BBC, dass man die Gesundheit der ehemaligen Arbeiter von Thule untersucht habe und dabei "keine Hinweise auf erhöhte Mortalität oder Krebs gefunden" habe. Stattdessen lobte die dänische Regierung den professionellen Umgang der Amerikaner bei den damaligen Sicherungsmaßnahmen.

Auch Wissenschaftler der US-Regierung erklärten, die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt seien begrenzt, weil das Material sich in einer so großen Wassermenge verteile. "Der Boden des Ozeans ist kein schlechter Platz in Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf die Umwelt", sagte William Kammern, der beim Los Alamos Nuclear Laboratory beschäftigt war, der BBC. Carswell bleibt bei seinen Vorwürfen. Jetzt erst recht. Er hat angekündigt, sich zu wehren. In der Vereinigung der ehemaligen Thule-Arbeiter wird überlegt, vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen.

Von Manuela Pfohl
 
 
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KOMMENTARE (10 von 26)
 
hamburg123 (12.11.2008, 23:33 Uhr)
Immer dasselbe
Es wird sowieso alles als Vrerschwörung abgetan. BBC ist ja auch eine so unzuverlässige Quelle. Also die Amis machen doch immer alles richtig, das sind alles böse Nachichten die hier verbreitet werden und nie stimmen und nie gestimmt haben. Was ist denn mit 00400? Keine Ahnung von Politik, meldet sich aber immer zu Wort. Bilden sie sich erst weiter, bevor sie überhaupt etwas schreiben. Das ist eine Zumutung! Ihre Dummheit ist nur schwer zu überbieten.
Johann58 (12.11.2008, 22:33 Uhr)
@042020
komisch, kaum zeigt sich Amerika erwachsen was die Integration der 'African American' anbetrifft schon gibt sich der weisse Amerikaner kindlich beleidigt.
042020 (12.11.2008, 17:21 Uhr)
@Johann58
Johann, beihnahe vergessen, war Montag abend in der Am Legion, wir haben den 233 Gebutstag vom USMC gefeiert. war ein Gent dort, 85 Jahre
alt, in WW2 hat das Navy Cross in
Saipan erhalten, war auch kein Freund
vom neuen Weltpresidenten ?
you comment please ?
042020 (12.11.2008, 17:11 Uhr)
@Johann58
sicher Roswell, NM. warst schon mal dort ? irgendwie finde ich das eines tages wir doch uns etwas erzahlen
konnen./ wen nicht worder benutzt die mir meine Oma nie gesagt hat. Ja, ging nicht nach meinem wunsch die wahl, doch wie man sagt
Tee trinken und abwarten. muss dieses wochenende eine nacht in FRA
verbringen, denkst es ist nun sicher mich als AMI auszugeben ?
PS Gas nun $1.89 in Dalles, und schon kaufen die schon wieder die
riesen SUV's. werde ein paar "PILS"
auf dich trinken in Fra/.
Gabeltier (12.11.2008, 17:10 Uhr)
@endbenutzer
nein, habe nichts mit der Atomwirtschaft zu tun, trotzdem nerven mich diese übertriebenen Befürchtungen. Da habe ich mehr Sorge um die Ostsee, in der tausende Bomben und Abfälle aus dem 2. Weltkrieg lagern. Ich bin für Demos gegen Atom - für sicherere Atomkraftwerke vor allem in Osteuropa und für die atomare Entwaffnung Nordkoreas etc. Die Chance, dass es in Osteuropa wieder zu einem Störfall kommt ist tausendmal größer als dass hier was passiert. Scheint aber niemanden zu stören. Hauptsache wir schalten unsere (vergleichsweise sicheren) Kraftwerke schnell ab und kaufen dann ausländischen Atomstrom.
Johann58 (12.11.2008, 16:43 Uhr)
@042020
Na wieder aus der Lethargie erwacht nach der verlorenen Wahl? Meinst du Roswell, GA oder Roswell, NM. Roswell GA ist 20 Minuten vom mir entfernt.
042020 (12.11.2008, 16:00 Uhr)
@ThomasA
bitte den gmathol und Johann69 immer
schreiben lassen. Ich brauche doch etwas zum lachen jeden tag.
PS der Johann ist ein erlaubter alien in Atlanta, doch geboren wurde er in Roswell ?
Johann58 (12.11.2008, 15:10 Uhr)
sorry
es war nicht Nerja, es war in der Buch von Las Negras am Cabo de Gata, im aeussersten Osten der Costa del Sol
Johann58 (12.11.2008, 15:06 Uhr)
ein vergleichbares Ereignis
ist aus der Bucht von Nerja im Andalusischen Spanien bekannt. Um die Ungefaehrlichkeit zu beweisen ist der damalige spanische Innenminister dort baden gegangen. Noch heute wird die Buch unter anderem von Amerikanische Militaers bewacht und jagd mit sanfter Gewalt jeden vom Strand, der dort sich zur Daemmerung aufhaelt. Wasmich auch mal interessieren wuerde ist was ein Rooseveld Alien ist. Er hatte eine Freundin, das war bekannt, sind damit vielleicht die Ausserehelichen Kinder gemeint?
Astsaft (12.11.2008, 14:10 Uhr)
@endbenutzer
Nein, nur weils bei Wikipedia steht, muss das noch lange nicht stimmen. Aber selbst wenn nur die Hälfte davon stimmt, ist das ein sehr trauriges Bild.
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