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14. März 2007, 13:15 Uhr

Hanf-Plantagen in jedem Zimmer

Cannabis aus Marokko ist out. Die Briten lassen ihren Nachschub mittlerweile im eigenen Land wachsen: auf Plantagen in ganz normalen Wohnhäusern, nicht selten mit Hilfe von Kindern. Die Polizei kommt mit ihren Razzien kaum noch hinterher. Von Cornelia Fuchs

Haschisch-Plantage (hier in Hamburg): Stromrechnung von bis zu 3000 Pfund© Jens Holgerson/DPA

Den Maklern kam irgendetwas komisch vor: Die Gardinen waren immer heruntergelassen und die Fenster beschlugen regelmäßig von innen. Seit einigen Wochen wurden die Mieter nicht mehr gesehen. Als dann auch noch klar wurde, dass sie den Stromzähler abgestellt und auf sehr professionelle, aber illegale Weise die Hauptleitung vor dem Grundstück mit einem eigenen Kabel angezapft hatten, alarmierte die Maklerfirma die Polizei.

60 Cannabispflanzen, jede über 1,80 Meter hoch

Die stürmten das Haus in der Kempston Street im englischen Bedford um halb sieben Uhr morgens Anfang März und fanden 60 Cannabispflanzen, jede über 1,80 Meter hoch. Löcher in der Decke des Wohnzimmers sollten verhindern, dass sich der Geruch nach draußen verflüchtigte - dafür stank der mit Plastik ausgekleidete Speicher umso intensiver. Die Polizei traf niemanden mehr an.

Nachbarn erzählten, dass eine Gruppe Vietnamesen zuvor sechs Monate in dem Haus gewohnt habe und regelmäßig Besuch von Männern in BMWs und Mercedes-Wagen erhielt. "Die 60 Pflanzen waren nur der Anfang, jedes Zimmer dort war für den Anbau vorbereitet", sagte Inspektor John Cookman von der lokalen Polizei.

Allein im Landstrich Bedfordshire flogen im vergangenen Jahr 50 Cannabis-Fabriken auf. Die englische Anti-Drogenkampagne DrugScope hat Zahlen veröffentlicht, nach denen die Polizei an jedem Tag in den vergangenen sechs Monaten drei neue Plantagen im Vereinigten Königreich gefunden hat. 60 Prozent des Cannabis in Großbritannien stammt inzwischen aus eigenem Anbau.

Und es geht längst nicht mehr um ein paar kleine Pflanzen auf dem Balkon, liebevoll gepflegt für den Privatverbrauch. Hinter dem Plantagen-Boom in Großbritannien stehen in zwei Dritteln der Fälle organisierte Banden mit Mitgliedern vietnamesischer Herkunft. Diese Banden organisieren den Anbau überaus professionell. Um den Kontrolleuren der Stromkonzerne zu entgehen, legen sie beispielsweise eigenhändig illegale Starkstromkabel, die die Stromzähler umgehen. Dies soll verhindern, dass Strom-Kontrolleure auf den plötzlich sehr hohen Energie-Verbrauch in Privathäusern aufmerksam werden. Die Aufzucht von einigen hundert Pflanzen kann Strom- oder Gasrechnungen bis zu 3000 Pfund nach oben treiben, da die Räume sehr warm gehalten werden müssen.

Illegale Kinderarbeit auf britischen Hanf-Plantagen

Oft benutzen die Banden Kinder, die sie illegal ins Land geschmuggelt haben und zwingen sie dazu, die Pflanzen aufzuziehen. Die Polizei hat schon 15-jährige gefunden, die in Schränken, Abstellzimmern oder zugigen Speichern schliefen, um mehr Platz für das Rauchkraut zu schaffen.

Mehr als drei Millionen Briten rauchen regelmäßig Cannabis, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung mehr als irgendwo sonst in Europa. Der Anbau schließt die Lücke, die rigorose Polizeikontrollen in Marokko geschlagen hatten. Dort konnte die Produktion in den vergangenen Jahren um fast die Hälfte vermindert werden.

Von Cornelia Fuchs
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Lazarus141 (16.03.2007, 13:11 Uhr)
So oder so schlecht!
Als Betroffener, kann ich nur sagen, das es mir nach Langzeittherapie schwer
fällt sowohl von illegalen als auch legalen Drogen loszukommen.Droge bleibt Droge!
columb0 (15.03.2007, 16:07 Uhr)
lustige vorstellung
hehe ja die regierung verbietet das hanf um die menschen zu willenlosen alkohol-zombies mutieren zu lassen, die keinerlei reaktion mehr auf irgendeine art der politik haben. 1984 wir kommen ;)
ne, lustiges szenario, aber eigentlich gehts doch darum mal mit ein paar vorurteilen aufzuräumen (durch aufklärung) und mal darüber nachzudenken ob die aktuelle (jahrzehnte alte) Drogenpolitik wirklich die sinnvollste ist.
gudrun13 (15.03.2007, 11:03 Uhr)
Na Gott sei Danke
brauche ich zum Denken weder Hanf noch Sprit, bei den (Postern hier bin ich mir da nicht ganz sicher) aber ich wüsste was, wenn immer noch ein Rest Gehirn übrig sein sollte: DSDS
Raknarak (15.03.2007, 10:29 Uhr)
Denke oder nicht denken
Hey Gudrun, siehe es doch mal so.
Marijuana regt zum denken an, Alkohol devinitiv nicht!
Was ist dem Staat wohl lieber? Mit Alkohol befriedigte und ruhig gestellte Menschen, oder kiffende Denker, die noch mit bekommen was um sie herrum passiert und etwas dazu sagen könnten?
gudrun13 (15.03.2007, 09:15 Uhr)
Was issn HIER los?
Heute schon gekifft oder wird noch davon geträumt? Lese ich mir die bisherigen Beiträge durch dann bin ich mir da nicht so sicher ...
columb0 (14.03.2007, 23:38 Uhr)
dito
eben
cannabis sollte nicht universal als "harmlos" dargestellt werden, aber es ist sicherlich eher erstrebenswert und vor allem eher realisierbar einen verantwortungsvollen Umgang mit der Droge zu fördern , als ein generelles (und sowieso nicht durchsetzbares) Verbot.
Aufklärung ist der beste Schutz
YoungBloodX (14.03.2007, 21:56 Uhr)
Richtiiiiig....
...lieber iovialis !
Ich bin deiner Meinung.
So dumm, kann nur der Mensch sein.
Die Droge Alkohol bekommt man überall und die Schäden die diese Droge anrichtet, werden unter dem Teppich gekehrt. Hasch, Piece und wie immer dieses Zeug auch benannt wird, sollte ebenfalls in einem gewissen Maß legalisiert werden.
Das beste Beispiel dafür ist ja die Niederlande.
Für mich sind Alkohol und Hasch genau das gleiche. Beide sind auf Ihre Art & Weise schädlich bzw. wohltuend. Oder wer will mir hier weismachen, dass Alkohol "besser" ist als Hasch? Vielleicht solche Leute, die in Ihren Käffern sitzen und Nazi-Parolen immer noch groß schreiben. Oder Leute die Hasch noch nicht probiert haben.
Wie dem auch sei.
Wenn man vom Alk abhängig wird, kommt man sein Leben lang nicht wieder runter.
iovialis (14.03.2007, 20:21 Uhr)
Drogen und Marktwirtschaft
Der Schwarzmarkt funktioniert genauso wie ein "normaler Markt" - Angebot und Nachfrage bedingt sich gegenseitig. Bei Drogen ist das nicht viel anders. Wird das Angebot (hier aus Marokko) künstlich gesenkt, sinkt deshalb noch lange nicht die Nachfrage. Das einzige, was der Staat (hier England) hat: Kosten (für die Angebotsbekämpfung).
Wie wäre es mit Aufklärung und einem liberalen Umgang mit dem Kraut? Vor was hat denn der Staat so massiv Angst, daß "Drogen" bekämpft werden? Das Argument "Einstiegsdroge" ist eine statistische Farce (wieviel Hashish-Konsumenten wurden Heroin-süchtig? Wieviel Heroin-süchtige waren Hashish-Konsumenten?).
Im Gegensatz zu Alkohol betäubt Hashish nicht, sondern regt eher zum denken/träumen an - kann es sein, daß der Staat vor diesen "Gedanken" Angst hat?
Illegalität verursacht Kinderarbeit, Prostitution, "unreinen Stoff", "Aufrüstung" (Waffen) und Kosten für die "Bekämpfung" (die nur einen Bruchteil der Drogen aus dem Markt nimmt). Es wäre wohl Zeit, wenigstens liberaler mit Drogen umzugehen - klärt auf, gebt dem Menschen wieder Eigenverantwortung!
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