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23. November 2008, 18:09 Uhr

Piraten im Fadenkreuz

Die Dreistigkeit der afrikanischen Piraten hat die Regierung aufgeschreckt: Sowohl Verteidigungsminister Jung als auch Außenminister Steinmeier wollen schnell eingreifen. Vor Ort planen islamistische Rebellen offenbar einen Angriff, um den saudiarabischen Supertanker "Sirius Star" zu befreien.

Soldaten der Fregatte Lübeck beobachten die Küste vor dem Hafen von Djibuti© Markus Schreiber/AP

Im Kampf gegen die Piraten vor Afrika fordert Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) ein europäisches Mandat mit einer klaren Rechtsgrundlage. "Angesichts der immer größeren Dreistigkeit der somalischen Piraten müssen wir dringend handeln", sagte auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Verteidigungsminister Jung sagte dem Blatt, im Interesse der Seesicherheit sei ein europäisches Mandat dringlich. "Es muss ein robustes Mandat sein, das zur Abschreckung beiträgt und ein wirkungsvolles Handeln ermöglicht."

Als Reaktion auf die zunehmende Piraterie vor Somalia haben mehrere Staaten Kriegschiffe in die Region entsandt. Die Bundesregierung will die geplante Militär-Mission der EU mit einer Fregatte unterstützen. Rechtliche Unklarheiten bestehen aber vor allem über die Befugnisse der deutschen Marinesoldaten - etwa, ob sie Polizeiaufgaben wie Verhaftungen übernehmen dürfen. Nach dem Grundgesetz sind die Aufgaben von Soldaten und Polizisten eindeutig getrennt. Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) sprach sich in der "Bild am Sonntag" für einen internationalen Gerichtshof für Piraten-Vergehen aus.

Nach Auffassung des Seerechtsexperten Uwe Jenisch ist ein Einsatz von Polizisten an Bord deutscher Kriegsschiffe die derzeit beste Lösung, um ein Vorgehen gegen Piraten rechtssicher zu regeln. Seiner Meinung nach reiche dafür ein einfacher Kabinettsbeschluss, sagte der Kieler Universitätsprofessor. Jenisch verwies auf das Konzept von US-Marine und US-Küstenwache beim Kampf gegen Drogenschmuggler in der Karibik. Dabei übernähmen die zivilen Beamten der Küstenwache unter Schutz des Militärs Aufgaben wie Beweissicherung, vorläufige Festnahmen und Vernehmungen.

Bush und Medwedew gemeinsam gegen Piraten

Das internationale Seerecht gestatte Staaten generell die Verfolgung und Aburteilung von auf hoher See gefassten Seeräubern in eigener Regie, erläuterte Jenisch. Verdächtige könnten von deutschen Behörden auf der Basis des Strafgesetzbuchs angeklagt werden. Prozesse gegen mutmaßliche Piraten in deutschem Gewahrsam würden laut Jenisch voraussichtlich vor dem Hamburger Landgericht geführt werden, das für die Ahndung von Verbrechen auf hoher See zuständig sei.

Das Bundeskabinett will am 3. oder am 10. Dezember über die Beteiligung der deutschen Marine an der Bekämpfung der Piraterie entscheiden. Der Bundestag könnte dann noch vor Weihnachten darüber beschließen. Die EU startet die Mission am 8. Dezember mit fünf bis sieben Schiffen sowie Aufklärungsflugzeugen.

Angesichts der zahlreichen Überfälle auf Handelsschiffe vor der Küste des ostafrikanischen Landes vereinbarten der russische Präsident Dmitri Medwedew und US-Präsident George W. Bush am Rande des APEC-Gipfels im peruanischen Lima ein gemeinsames Vorgehen gegen die Seeräuber. Sie einigten sich darauf, im UN-Sicherheitsrat die rechtliche Grundlage einzuholen, um den gemeinsamen Waffengang zur Bekämpfung der Schiffsüberfälle zu legitimieren. Der Kampf müsse zu Wasser und an Land geführt werden, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow laut Agenturberichten vom Sonntag. Der Sicherheitsrat hatte schon im Juni andere Staaten ermächtigt, mit Kriegsschiffen und Flugzeugen gegen die Piraten vorzugehen. Nach der Resolution dürfen auch in den Hoheitsgewässern Somalias "alle Mittel zur Unterdrückung von Akten der Piraterie und bewaffneter Überfälle auf See" ergriffen werden.

Unterstützung von Islamisten

Unerwartete Unterstützung kommt dabei auch aus Somalia selbst. "Wir haben unsere Kämpfer in Stellung gebracht", sagte ein Sprecher der somalischen Islamisten der Nachrichtenagentur Reuters. Als erster Schritt sollten die Versorgungs- und Kommunikationswege zwischen den Piraten auf dem Schiff und ihren Komplizen an Land unterbrochen werden. Die Extremisten begründen ihre Angriffspläne damit, dass es sich bei dem Öltanker "Sirius Star" aus Saudi-Arabien um ein muslimisches Schiff handele.

Die Islamisten kämpfen seit fast zwei Jahren gegen die vom Westen unterstützte Regierung in Somalia. In der Frage des gekaperten Supertankers sind die Rebellen gespalten: Ein Bewohner Haradheres sagte Reuters per Telefon, eine Gruppe Islamisten sei mit den Piraten zusammengekommen und habe eine Beteiligung an einem Lösegeld gefordert. Es gebe aber noch keine Abmachung. Piraten hatten die "Sirius Star" vor einer Woche weit vor der Küste geentert. Die Verhandlungen um eine Freilassung des saudischen Supertankers "Sirius Star" dauerten am Sonntag an. Die Seeräuber hatten dem saudischen Aramco-Konzern eine Frist bis zum 30. September gesetzt, um ein Lösegeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (20 Millionen Euro) für den mit Rohöl im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar beladenen Tanker zu bezahlen. Das Schiff war vor acht Tagen vor der kenianischen Küste gekapert worden und liegt nun vor der nordsomalischen Stadt Haradhere vor Anker.

Lösegeld in Millionenhöhe

Die spektakuläre Entführung der "Sirius Star" gilt als die bisher größte dieser Art und hat in der Reedereibranche weltweit noch mehr Besorgnis ausgelöst. Dem ägyptischen Suez-Kanal drohen nach Einschätzung von Kreisen des Kanalbetreibers Geschäftseinbußen wegen der immer stärker um sich greifende Piraterie. Große Reedereien meiden zunehmend das Gewässer, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet. Somalische Piraten haben nach kenianischen Regierungsangaben in den vergangenen zwölf Monaten Lösegeldzahlungen von mehr als 150 Millionen Dollar (knapp 120 Millionen Euro) erhalten. Der kenianische Außenminister Moses Wetangula rief die Eigentümer gekaperter Schiffe dazu auf, künftig kein Geld mehr zu zahlen, da dies die Piraten ermutige. Das saudiarabische Außenministerium hatte am Freitag erklärt, es werde nicht mit den Piraten verhandeln. Was die Eigner der Schiffe machten, müssten sie selbst entscheiden. Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden im Seegebiet vor Somalia acht Schiffe mit mehreren hundert Besatzungsmitgliedern entführt.

DPA/REUTERS

 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
snort (25.11.2008, 18:03 Uhr)
der verteilungskampf beginnt
traurig mitansehen zu müssen, wie die somalis um ihre fischgründe erleichtert werden.
ein paar fette japaner kloppen sich das sushi rein...
ein volk, das nichts zu beissen hat wehrt sich und die antwort ist waffengewalt.
tja da kommt die fratze der kapitalisten zum vorschein.
auf staatskosten !!!
wird abhilfe verlangt für unter phantasieländern fahrende dampfer.
seerecht :
ein schiff ist hoheitsgebiet des landes unter dessen flagge es fährt.
also deutsche soldaten zur verteidigung der cayman islands.
die "friedenserzwingung" am hindukusch war ja schon um ellen besser als "ab 6:00 uhr wird zurückgeschossen" und "wollt ihr den totalen krieg".
nur unsere von bestechungsgeldern vernebelten oberhirne lechzen nach noch mehr kohle.
da kann sich der bundesbürger in uniform schon gern mal zur zielscheibe machen
alles für den gewinnbringenden zweck hahaha
teggers (24.11.2008, 09:02 Uhr)
mal wieder schlecht :)
"Frist bis zum 30. September gesetzt"
sollte wohl eher 30. november heißen
Pamela_1971 (24.11.2008, 04:23 Uhr)
"Schiffe werden entführt - und Ihr schreit! Menschen sterben - und Ihr schweigt!"
"Es muss ein robustes Mandat sein, das zur Abschreckung beiträgt und ein wirkungsvolles Handeln ermöglicht."
.
Na klar. Es gibt ja auch gerade wirklich nichts wichtigeres, als wirtschaftliche Sachgüter mit Waffengewalt zu schützen. HALLO??? Im Kongo werden in diesem Moment gerade Menschen massenhaft vertrieben, vergewaltigt und grausam abgemetzelt... und unser Verteidigungsminister hat all seine Gedanken nur bei ein paar Superdampfern, für die SoldatInnen ihr Leben riskieren sollen. GEHT´S NOCH? Im Kongo geht es um tausende von MENSCHENLEBEN unschuldiger ZivilistInnen - wie kann man da seine Priorität auf den Schutz von kapitalistischen Sachwerten legen??
gmathol (24.11.2008, 01:23 Uhr)
Wer sind die Piraten?
Darueber wird nicht berichtet. Es handelt sich um ehemalige Fischer die gegen die Raubfaenger der internationalen Fischereiflotten keine Chance haben.
Was wuerden wir tun wenn man unsere Lebensgrundlage zerstoeren wuerde?
wintersaint (24.11.2008, 01:05 Uhr)
Piratenimport?
Äh wo bitte sollen die efassten Kriminellen denn dann inhaftiert werden? Bei uns im Gefängnis? Und danach stellen sie einen Asylantrag weil in Somalia ja die Todesstrafe auf Piraterie steht? Äh ne, lasst mal stecken, ich denke nicht, dass wir einen Bedarf an ausländischen Piraten bei uns im Land haben!
mutti1 (24.11.2008, 00:39 Uhr)
x für ein u
ganz genau, die menschen sind aus 3 urmüttern inn afrika hervorgeboren worden,
und die urvölker existieren schon seit viel mehr jahren in den widrigsten lebensverhältnissen, die europäischen menschen und bürger existieren erst viel später...
deutschland besteht jetzt hauptsächlich aus eingewanderten und südländischen bzw.
osteuropäischen und nordeuropäischen misch völkern.
eine urbevölkerung als ungebildet zu verunglimpfen wegen haut farbe oder anderer nicht vorhandener werte , wie hier, durch die bodenschätze in jahrhunderten ,entwickelt,kann janun nicht ein manko sein,odersollten afrikaner autos aus bananen oder gold bauen?
wie lange könnte ein deutscher noch draußen überleben ohne die tägl. mio. hilfsmittel ? schaut euch dieahreszahleurer geburtsdortean undschweigt mal. meinekleinstadt ist zb.
älter als münchen, waswar mit den azteken oder den ägyptern,deutschland wird nur ein my im universum der erdzeit sein.
OttoB (24.11.2008, 00:36 Uhr)
Schiffe sollten immer von dem
Land geschützt werden unter dessen Flagge sie fahren, denn dahin bezahlen sie ihre Steuern.
Wer dann sein Schiff unter Billigflagge fährt, kann auch nur billigen Schutz erwarten.
mutti1 (23.11.2008, 22:30 Uhr)
DAS BOOT ist voll...
waffen, nicht nur öl und reis wirdverschifft, auch waffen ,krigsmaterial, bekommen das die piraten in die hände, im tv war ja zu sehen,
schwarze in t-shirt und shorts,marke benz, .kann es sein,das man waffenlieferungen in masen schützen muß,was haben wir damit zu tun?
ach, ja....
arbeitsplätze müssen erhalten werden, lieferungen aus deutschland sindja nicht nur reis und care-pakete.
@cologne, ja kölnisch wasser wird es nicht sein,aber drogen?
söldner, waffen,autos, gold und edelsteine, baustoffe,kleidung, diegeschützt werden müpssen.
aber,jeder reeder mußsich versichern,undseine leute schulen, under kann 20 mann mit kalaschnikows selbst einstellen,die das schiff schützen. nicht unsere armee,kapito?wie wäre es, wenn hier somalis auftauchen und mit kriegs- schiffen die ost-und nord-see bewachen?
harzveteran (23.11.2008, 21:24 Uhr)
nur noch den Kopf schüttel
...mal abgesehen davon, daß hier die Reedereien in erster Linie handeln sollten;
und diese Bundeswehr bzw. hier in dem Fall die Bundesmarine soll mal die Speerspitze im Ost/Westkonflikt am eisernen Vorhang gewesen sein?
Da hätte ja ein feuchtes Handtuch gereicht zum Freitagmittag, die wären davongerannt und um 18.00 Uhr wäre Flaggenwechsel gewesen.
Mann, sind wir weit gekommen!
rajabi (23.11.2008, 21:06 Uhr)
Nur Lügen ... wie lange noch....
Erstens, es sind nicht nur Piraten aus Somalia, sondern, auch mitdabei sind, Blackwater-Söldner, und andere Gruppen, die auch die Gelegenheit nützen und auch iranische Schiffe zu kontrolieren..
dahinter stecken, wie immer auch USA & Co.
-----
Ein interessantes Link mit Fakten:
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http://www.radio-utopie.de/2008/11/20/Iran,-das-BKA-und-die-Piraten-Farce-von-Afrika
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Aber die deutsche Medien haben weder Mumm, noch Gewissen die Wahrheit zu berichten, denn werden ja sofort von irgendwelche Verbände, Vereinigungen und Lobbyisten zum Ruckzug und Entschuldigung gezwungen, ....
Im Notfall, öffnet sich der Fallschirm nicht !
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