Ein Altersheim am nördlichen Stadtrand von Bagdad. Das ehemalige Vorzeige-Projekt des Hussein-Regimes ist bereits ziemlich heruntergekommen. Doch die Bewohner beindruckt das in ihrer Würde nicht.
Alter hat viele Gesichter. Ein - quasi zufälliger - Blick zurück ins Jahr 1999 und in eine ganz andere Welt: Die Fotografin Anna Papoulias reist unter dem Wirtschaftsembargo in Saddam Husseins Irak und erhält vom Informationsministerium die Erlaubnis, ein Altersheim zu porträtieren.
Das Saddam-Hussein-Altersheim liegt im Nordosten Bagdads, im gleichnamigen, eher ärmlichen und heruntergekommenen Viertel. Das Heim ist ein Vorzeige-Projekt des Regimes und gilt hier als sehr fortschrittliche Institution, denn wie in der arabischen Welt üblich werden die Älteren sonst in der Familie betreut und gepflegt.
Rund 150 Menschen können in dem Altersheim leben. Nur wenige ehemalige Funktionäre oder ihre Angehörigen haben Einzelzimmer. Bauern, Handwerker, die „normale“ Bevölkerung ist in getrennten Schlafsälen für Frauen und Männer untergebracht. Mahlzeiten und Kleidung werden gestellt.
Doch die Zeit und das Regime sind an dem Altersheim nicht spurlos vorüber gegangen. Die Menschen wirken sich selbst überlassen, die Unterkünfte und auch Umgebung trostlos. Das allgegenwärtige Porträt des Diktators gibt dem Heimleben etwas Inszeniertes. Die Ausdrucksstärke der Menschen steht dazu in unglaublichem starkem Kontrast – mit ihrer tiefgründigen Präsenz machen sie das Heim tatsächlich zu einem Vorzeige-Projekt: für würdevolles Altern.